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Fotografie Forum : Dokument und Kunst zugleich

Im langjährigen Domizil des Fotografie Forums, dem Leinwandhaus, standen die Türen immer offen Bild: Henning Bode

Das Fotografie Forum Frankfurt wird 25 Jahre alt und plant trotz Raumnot die 234. Ausstellung

          3 Min.

          „Klingel defekt. Bitte klopfen!“ War auch schon mal leichter, Celina Lunsford zu erreichen. Aber auch bezeichnend irgendwie, was da an der Tür geschrieben steht. Allenfalls „Wegen Umzugs geschlossen“ wäre noch komischer gewesen. Denn der dauert im Grunde schon mindestens zwei Jahre. Die immer offenen Türen, wie man sie noch aus dem langjährigen Domizil des Fotografie Forums Frankfurt im Leinwandhaus in Erinnerung hat, muss man derzeit also erst mal finden. Und dann hoffen, dass jemand aufmacht. Weniger, weil das 1984 von Karin Steins und Manfred Heiting gegründete Forum seine Arbeit eingestellt oder gar seine künstlerische Leiterin sich ein Sabbatical genommen hätte, im Gegenteil.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Lunsford und ihre Kollegin Sabine Seitz sind ständig unterwegs. „Gerade laufen die Verhandlungen für eine Schau Ende 2011, wenn Island Schwerpunktthema der Frankfurter Buchmesse ist“, sagt Lunsford. Sie fährt zu Ausstellungen und Kongressen, verhandelt über Kooperationen, mit Künstlern und möglichen, derzeit nicht eben leicht zu begeisternden Sponsoren oder bereitet im Büro in der Weißfrauenstraße die schon traditionelle Sommerakademie vor. Auch das nächste Ausstellungsjahr ist selbstverständlich schon in Planung. Doch wann das überhaupt sein wird – 2010, 2011 erst vielleicht, womöglich auch noch später –, ist noch gar nicht so recht abzusehen. Zwar kam das Forum nach dem Auszug aus dem Leinwandhaus für ein Jahr im alten Literaturhaus an der Bockenheimer Landstraße unter. Und für die neuen Räumlichkeiten im ehemaligen Gesundheitsamt in der Braubachstraße ist der Vertrag schon unterschrieben.

          „Geldnot hat ein gemeinnütziger Verein immer“

          Die Sanierung des Gebäudes aber hat noch nicht einmal begonnen. Bis es so weit ist, muss Lunsford deshalb weiter auf eigene Ausstellungsräume verzichten. Und so hangelt sich die seit 1992 amtierende künstlerische Leiterin halt so durch. Kooperiert mit der Heussenstamm-Stiftung oder, wie jüngst mit der Schau „fashion room“ und der offiziellen Feier zum 25. Geburtstag des Forums, mit dem Museum für Angewandte Kunst. Sie bietet Workshops an und Vorträge und konnte mit Barbara Klemm, Martin Parr oder René Burri überdies eine ganze Reihe bedeutender Fotokünstler gewinnen, Arbeiten zu spenden, die dieser Tage zugunsten des Forums vom Auktionshaus Villa Grisebach versteigert werden. Denn „Geldnot“, so Lunsford, „hat ein gemeinnütziger Verein eigentlich immer“.

          Das Engagement der Künstler freilich kommt keineswegs von ungefähr. Hat sich die weit über die Grenzen Frankfurts hinaus, ja weltweit bekannte Institution doch seit ihrer Gründung einen hervorragenden Ruf erworben als „einer der ersten Orte in ganz Deutschland überhaupt“, wie es Lunsford formuliert. Heute ist das Medium ungemein „sexy“, damals war es freilich noch häufig unterschätzt. „Das Fotografie Forum Frankfurt“, hatte der Sammler und Mitbegründer Heiting schon 1984 formuliert, „möchte den Bürgern von Frankfurt zeigen, was Fotografie sein kann: Dokumentation, Dekoration, Information und auch Kunst.“ Und dabei, bei dieser qualitätvollen Vielfalt, ist es bis heute geblieben.

          Interessiertes, stetig wachsendes Publikum

          Dass das Forum seinerzeit im Leinwandhaus mit einer Ausstellung Walker Evans’ sowie der ersten retrospektiv konzipierten Schau überhaupt der heute weltberühmten Frankfurter Fotografin Barbara Klemm eröffnete, mag man im Rückblick denn auch als ein klares Statement werten, dieses Versprechen von Beginn an einzulösen. Seitdem mochte ein interessiertes, stetig wachsendes Publikum hier Künstler wie Henri Cartier-Bresson, Robert Mapplethorpe und Ansel Adams, Imogen Cunnigham, Man Ray oder Diane Arbus teilweise erstmals in Deutschland in großen monographischen Ausstellungen entdecken. Zu einer Zeit, in der von der berühmten Becher-Schule, mit der sich in Deutschland die Fotografie als Kunstform erst allgemein und jenseits von Fachkreisen etablierte, noch kaum die Rede war.

          Die Pionierarbeit, die das Fotografie Forum gerade in den ersten Jahren geleistet hat, ist kaum hoch genug einzuschätzen. „Ich bin in Amerika mit der Fotografie aufgewachsen“, sagt die 1960 in Tennessee geborene Kunsthistorikerin Lunsford. „Und sie hat mich fasziniert, seit ich zehn Jahre alt war. In Deutschland aber gab es vor 25 Jahren und auch, als ich dann kam, noch einen großen Nachholbedarf.“ Inzwischen hat sich der Stellenwert der Fotografie – man denke nur an die großen Unternehmens- und Museumssammlungen auch in Frankfurt, an die Stars des Kunstmarkts wie Andreas Gursky –, aber auch das Medium selbst rasant verändert. „Jeder fotografiert wie verrückt und stellt seine Familienbilder ins Internet. Aber ist das gut? Wohin bringt das die Gesellschaft?“

          „Man kann immer noch viel lernen von der Fotografie“

          Mit Fotografie habe das im Grunde nichts zu tun. Und insofern, auch und gerade angesichts der Bilderflut, werde die „intensive Kenntnis des Mediums“, seiner Geschichte, seiner Mittel und Möglichkeiten immer wichtiger. „Man kann immer noch viel lernen von der Fotografie“, so Lunsford. Das nicht nur zu zeigen, sondern auch zu vermitteln ist immer schon der Anspruch des Forums gewesen, von der ersten bis zur inzwischen 233. Ausstellung. Und soll es selbstredend auch in den neuen Räumlichkeiten bleiben. Wann immer es so weit sein wird. Lunsford bleibt optimistisch, dass es womöglich vor der Island-Schau 2011 noch klappt: „Ich träume immer. Sonst wäre ich nicht seit 25 Jahren in Deutschland.“

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