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Fotoausstellung in der DZ Bank : Selbstbewusste Frauen auf der Suche nach mehr

  • -Aktualisiert am

Die DZ Bank bietet immer wieder Raum für Ausstellungen. Wie hier für die Fotos des amerikanischen Künstlers Robert Longo. Bild: Wonge Bergmann

„Herrlich weiblich!“ heißt die buntgemischte Schau aus der Fotografiesammlung der DZ Bank. Darunter sind einige bekannte Werke neueren Datums – von und mit Frauen.

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          „Herrlich weiblich!“ ist der ziemlich irreführende Titel einer jüngst eröffneten Ausstellung im Art Foyer der Frankfurter DZ Bank (Platz der Republik), weil er an längst vergangene Frauenbilder oder Männerträume in der frühen Bundesrepublik denken lässt: an die junge Hausfrau im blütenweißen Kleid auf der Persil-Reklame zum Beispiel oder an die von Loriot verewigte hübsche Sekretärin mit den sittsam gekreuzten Beinen, die auf dem Stenoblock hingebungsvoll jedes Wort ihres Chefs notiert.

          Mit einer neuen Form von Weiblichkeitswahn hat diese Schau aber auch nichts zu tun. Aus der 6000 Arbeiten umfassenden DZ-Kunstsammlung zeitgenössischer Fotografie wurden Werke von 23 internationalen Künstlern ausgewählt, die naturgemäß sehr unterschiedliche Bildnisse von allen möglichen Frauen zeigen und auf diese Weise einer „Befragung des Weiblichen“ dienen sollen, so lautet der Untertitel.


          „Wir wollen dem Wandel nachspüren“

          Denn spätestens seit der Zeit um 1970 habe sich viel bewegt, sagt Luminita Sabau, Leiterin der DZ-Kollektion und Kuratorin der Schau: „Und wir wollen diesem Wandel nachspüren. In unserer Kunstsammlung sind starke Positionen der jüngeren Generation vertreten, die sich unverkrampft mit der Identität von Frauen beschäftigen, bis hin zu denen, für die die Gender-Diskussion keine mehr ist.“

          Ein roter Faden, etwa zum Thema einer postfeministischen Identität, ist angesichts der inhaltlichen und ästhetischen Vielfalt der Exponate nicht zu erkennen in dieser Ausstellung, die jedoch mit zahlreichen sehenswerten Fotoarbeiten aufwartet. Dazu gehört eine der bekanntesten fotografischen Inszenierungen von Cindy Sherman: das 1980 entstandene Doppelporträt der Künstlerin, das sie in identischer Zweisamkeit mit Richard Prince und somit als androgynes Wesen zeigt. Beide tragen die gleiche Perücke und den gleichen Anzug auf dem geradezu zart anmutenden Diptychon, das Rimbauds „je est un autre“ zu illustrieren scheint und zudem ein Bild des Gender Crossing, des Geschlechts als bloßer Maskerade, zeigt. Eine Frau am Fenster, das klassische Sehnsuchtsmotiv der abendländischen Kunstgeschichte, hat der Städelschul-Professor und Turner-Preisträger Wolfgang Tillmans 1995 in einer zeitgenössischen Version mit der Fotografie „Smokin’ Jo, Window“ geschaffen, mit der androgynen Jo in ihrer extrem kurz geschorenen Frisur. Ein starkes Bild von großer Ausstrahlung. Androgynes ist auch mit Katharina Sieverdings Werk „Transformer“ von 1973 vertreten, bei dem ein weibliches und ein männliches Gesicht – ihr eigenes und das ihres Freundes Klaus Mettig – zum Bild eines einzigen Menschen geworden sind: eine Fotoarbeit, die einst aus einer feministischen Ausstellung ausgeschlossen wurde, ein früher Beitrag Sieverdings also zur Gender-Diskussion.

          48 Frauenporträts

          Gleich im Eingang hängt das großformatige Werk „Die Zeugen von Cahors“ von Jochen Gerz, dessen künstlerisches Lebensthema es ist, die Erinnerung an die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte wachzuhalten. Hier zeigt der Berliner Konzeptkünstler 48 Frauenporträts aus dem Jahr 1998, als er betagte Einwohnerinnen der südfranzösischen Stadt Cahors kurz vor dem Prozess gegen den französischen Politiker Maurice Papon befragte, der im Zweiten Weltkrieg als Nazi-Kollaborateur für die Deportation von Juden verantwortlich gewesen war. Die Antworten der Frauen sind in die Fotos einmontiert. Papon wurde damals zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er nur drei absaß.

          Zu Recht berühmt wurde „Something More“, das neunteilige Tableau der australischen Künstlerin Tracey Moffatt, die 1989 das tragische Schicksal einer schönen jungen Aborigine ergreifend darstellte: Ihre Heldin erlebt auf ihrer hoffnungsvollen Suche nach „ein bisschen mehr“, das sie sich vom Leben in der Stadt erträumt, nichts als schreckliche Enttäuschungen und endet schließlich durch einen gewaltsamen Tod auf der Landstraße nach Brisbane.

          Ganz untragisch hingegen und im vollen Besitz ihrer Kräfte zeigen sich die muskulösen „Artistinnen auf dem Trapez, Rostock, DDR“, die Barbara Klemm im Jahr 1974 aufgenommen und in ihrer Serie „Blick nach Osten“ veröffentlicht hat. Starke Frauen sind hier überhaupt mehrfach vertreten, wenn auch in verschiedenen Rollen. So ist die französische Künstlerin Bettina Rheims, die mit ihren oft schockierenden Inszenierungen weiblicher Körper bekannt wurde, mit der Fotoarbeit „21 Mars, Paris“ aus ihrer Serie „Chambre Close“ vertreten, auf der eine sehr selbstbewusste Dame ihren prachtvollen Busen zur Schau stellt.

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