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Folk Music : Finde den Weg zum Licht

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Neuer Folk aus Amerika ist in der Brotfabrik zu hören Bild: F.A.Z. - Kretzer

Mit Elektro-Pop oder Streichquartett: Die amerikanische Folk Music hat sich weiterentwickelt. Eine Konzertreihe in der Frankfurter Brotfabrik stellt einige Protagonisten vor.

          Längst sind die Zeiten vorbei, in denen amerikanische Folk Music Synonym war für einen Sänger, der mit Westerngitarre durchs Land zieht und als Chronist das Tagesgeschehen in Songs kommentiert. Das Erbe Pete Seegers und Woody Guthries hat Bob Dylan vor vierzig Jahren aktualisiert, als er seine Gitarre an einen Verstärker anschloß. Mittlerweile haben sich die unterschiedlichsten Spielarten von „Folk“ etabliert, an ihren Rändern zerfließen die Grenzen zu Rock, Elektronik oder klassischer Moderne.

          Bands, die in die Kategorie „New Folk“ eingeordnet werden, tragen in Haltung und Aussage häufig Züge des künstlerischen „Underground“. Politisches Bewußtsein und strikte Individualität inklusive klarer Abgrenzung zum Mainstream sind essentiell, damit einher geht die Veröffentlichung von CDs auf kleinen oder den eigenen Labels. Charismatische Persönlichkeiten dieser Szene stellt nun die Reihe „New American Folk“ im Großen Saal der Frankfurter Brotfabrik vor.

          Schlingernde Melodien

          „Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tralala Band“ weckt nicht nur in der Gestaltung des Covers ihrer jüngsten CD „Horses in the sky“ Erinnerungen an subversive Hippie-Ästhetik. Auf der Bühne gruppiert sich das Septett eher im Halbkreis als frontal zum Publikum ausgerichtet. In einem Streichquartett mit Kontrabaß statt Viola verteilen sich zwei Gitarristen, der Schlagzeuger wechselt zuweilen an eine dritte, akustische Gitarre.

          Gemeinsam verfolgen die Musiker schlingernde Melodien des Hauptsängers Efrim Menuck immer wieder mit verwehenden Chören. Diese Frage-Antwort-Sätze sind ein charakteristisches Merkmal von „Silver Mt. Zion“. Alle Vokalisten halten sich gerne weit von den Mikros entfernt, ihre Phrasierungen und mitunter skandierten Parolen bekommen dadurch eine unverstellte Direktheit. Sie läßt den Blues der Sümpfe um New Orleans auferstehen oder verweist, in nahezu unbegleiteten Passagen, abstrakt auf archaische Ritualgesänge nordamerikanischer Ureinwohner.

          Wut über die Zustände der Welt

          Der unbedingte Stilwillen der Band setzt auf musikalische Unvorhersehbarkeit, die sich von gängigen Auf- und Erlösungen fernhält. Epische Songs leben von langen, aber nicht ausufernden Instrumentalpassagen, deren Dynamik zwischen fragilen Streichern und wuchtigen Attacken der Gitarren pendelt. Stoische Riffs und Motive spielen mit hypnotischen Wiederholungseffekten, Arrangements lichten und verdichten sich, rollende Beats treiben abgehackte Phrasen vor sich her, die zu stehenden Tönen zerfließen. Die Streicher flirten pointiert mit minimalistischen oder orchestralen Effekten, E-Gitarren nähern sich vereinzelt psychedelischen Sounds. Auch in diesem Kontext bewahrt „Silver Mt. Zion“ eigenwilligen Ausdruck, entwickelt eine detailscharfe Suggestionskraft und verliert sich nie in Beliebigkeit.

          Viele Stücke mögen dunkle Stimmungen beschwören, doch ist die komplexe, kunstvoll austarierte Musik von Silver Mt. Zion tatsächlich kaum melancholisch. Vielmehr scheint ihr ein Vorwärtsstreben innezuwohnen, eine Zuversicht, die zwischen bedrohlichen Schatten in beinahe kathartischen Crescendos immer wieder einen Weg zum Licht findet. Nimmt die taumelnde Stimme Efrims eine helle, fast klagende Dringlichkeit an, vermittelt sie theatralisch gebrochene Überspitzung. In anderen Momenten signalisiert sie unmißverständlich Wut über die Zustände der Welt und ermutigt dazu, Dinge selbst in die Hand zu nehmen: „These hands can move mountains!“

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