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„Self-Made Paradise“ : Finnische Lebenskunst

Am besten erst mal in die Sauna gehen. Es gibt wohl kein größeres Klischee über Finnland. Sicherheitshalber rennen aber durch Christoph Schuchs „Self-Made Paradise“ auch Elche, die für ein vierbeiniges Klischee einen recht lustigen Gang haben.

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          Am besten erst mal in die Sauna gehen und mit grünbelaubten Zweigen heftig auf den nackten Oberkörper schlagen. Es gibt wohl kein größeres Klischee über Finnland. Selbst dann nicht, wenn die Sauna in einer riesigen schwimmenden Kunststoffente untergebracht ist, von deren Reling oder Rücken man direkt ins Wasser springen kann. Sicherheitshalber rennen aber durch Christoph Schuchs Film „Self-Made Paradise“ auch noch ein paar Elche, die für ein vierbeiniges Klischee einen recht lustigen Gang haben.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass Finnen „wundersam sein können“, wie er sagt, hat nicht nur der Wiesbadener Regisseur, Autor und Produzent aus Aki Kaurismäkis Filmen gelernt. Im Gegensatz zu anderen aber hat Schuch, der seit 1993 mit seiner Wiesbadener Avanti-Film Dokumentarfilme dreht und mit „Der Traum ist aus. Die Erben der Scherben“ 2001 bekannt wurde, Finnland kreuz und quer bereist.

          Schnittstellen von Mensch, Natur und Kunst

          Herausgekommen ist ein dokumentarisches Roadmovie über Autodidakten, die in der Kunst Laien, im Lebenskünstlertum aber Profis sind – auch, weil das Leben nicht immer nett zu ihnen war. Nach anderthalb Stunden in den künstlichen Paradiesen, die Schuch besucht hat, möchte man glauben, die finnische Landschaft sei vollgestellt mit Skulpturen und Land-Art, bevölkert von in kuriose Kostüme gehüllten Damen, die „Beamtenengel“ mimen und sich dabei fotografieren lassen, oder von Schamanen namens „Feuerwacht des Nordens“. Auch wenn das Thema schwierig sei, habe er das Bedürfnis gehabt, die Schnittstellen von Mensch, Natur und Kunst zu zeigen, so Schuch. Dabei, dem Zuschauer die Protagonisten nahezubringen, hilft auch die Musik, die Alexander Sonntag und Georg Reichelt verantworten.

          „Es gibt in Europa kein Land, in dem es so viele Selfmade-Künstler gibt“, hat Schuch festgestellt. Mit der Kunstwissenschaftlerin Minna Haveri, die zu dem Thema eine Dissertation geschrieben hat, wählte er fünf dieser Autodidakten für seinen Film. Im Grunde war es die Serie „Neue Gartenkunst“, die Schuch fünf Jahre lang in 13 Folgen für Arte gedreht hat, die ihn auf das Thema brachte. Denn bei der Recherche traf er immer wieder auf Themen, die nicht in diese internationale Reihe passten. Unter anderem auf ein Foto des „Yogagartens“ von Veijo Rönkkönen, der sämtliche Yogapositionen in lebensgroßen Figuren nachstellt.

          „Das gibt einem Mut“

          Unterstützt von der Hessischen Filmförderung und der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen ist nun ein Langfilm entstanden. „Das gibt einem den Mut, für das Format Kino zu denken“, sagt Schuch, der aber die immer geringer werdenden Sendeplätze für lange Dokumentationen im Fernsehen bedauert. Sein eigener Film kommt digital zur Premiere – und von 18. Januar an in die entsprechend ausgerüsteten Kinos, auch in Hessen.

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