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Filmmuseum Frankfurt : Jazz für das Auge

Einer für alles: Jim Rakete zeigt im Frankfurter Filmmuseum seine Fotografien - und plaudert dort mit seinem Freund und Musiker Till Brönner. Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Puristen hätte dieser Auftritt schon zu denken geben können. Denn was, bitte schön, sollten die beiden auf den ersten Blick so ...

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          Puristen hätte dieser Auftritt schon zu denken geben können. Denn was, bitte schön, sollten die beiden auf den ersten Blick so unterschiedlichen Persönlichkeiten sich wohl zu sagen haben? Hier Jim Rakete, in Jeans und Hut und mit Mitte fünfzig irgendwie noch immer erstaunlich jugendlich; ein Mann, dessen Ausstellung klassischer Schwarzweiß-Porträtfotografien ihre Besucher im Deutschen Filmmuseum Frankfurt gerade verzaubert; ein Mann, der in den wilden achtziger Jahren Nina Hagen, Spliff und Interzone managte, zu Zeiten also, als der Gesprächspartner, der sich im Kino des Museums am Schaumainkai eingefunden hatte, als Schüler noch mit Stefan Raab Kirchenpop wie „Danke für diesen guten Morgen“ verrockte.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Gut vermarkteter Mainstream

          Dort also Till Brönner, wie stets im feinen Dreiteiler, der nach Sakro-Pop ganz klassisch Jazz-Trompete studierte, im Rias-Tanzorchester und bei Peter Herbolzheimer musizierte, die No Angels, Manfred Krug oder Hildegard Knef produzierte und dessen eigene Musik, so Rakete, die Herren Kritiker schon einmal dazu verführe, die Knoblauchzehen hochzuhalten.

          Gilt doch Brönner vielen als der Inbegriff gut vermarkteten Mainstreams, vulgo: Pop. Doch dann kam alles ganz anders. Nicht nur, weil beide sich seit vielen Jahren kennen und befreundet sind, seit Rakete den „Schlüssel zum Misserfolg“, wie Brönners Managerin die bis dato erschienenen Pressefotos ihres Schützlings einmal charakterisierte, sehr erfolgreich umgedreht hat. Sondern auch, weil beide sowohl die Liebe zur Musik als auch die Faszination für Bilder verbindet.

          Verantwortlich für den Soundtrack

          Insofern war der Einstieg in diesen Abend mit Julian Benedicts 2001 entstandener Dokumentation „Jazz Seen“, einem Film über den mit Fotos des West-Coast-Jazz berühmt gewordenen William Claxton, wunderbar gewählt. Zumal beide Gäste des Filmmuseums mit dem Film auf je eigene Weise verbunden sind: Rakete als Protagonist und Bewunderer von Claxtons Kunst neben Zeitzeugen und Freunden wie Dennis Hopper, Burt Bacharach oder Helmut Newton, Brönner als Verantwortlicher für den Soundtrack, der unmittelbar nach seiner Baker-Hommage „Chattin’ with Chet“ als Album erschien.

          Der Rhythmus der Bilder

          Um Bilder, die Freiheit des Jazz, um Vergleichbares und Unvergleichliches in Film, Fotografie und Musik, beim Produzieren, Hören, Sehen und Komponieren ging es, ganz im Sinne von Claxtons gerne kolportiertem Credo, im weiteren Verlauf des Abends: „Fotografie“, so hat der jüngst gestorbene, mit seinen Aufnahmen von Chet Baker, Mahalia Jackson oder Ray Charles zum Klassiker des Genres avancierte Amerikaner einmal gesagt, „Fotografie ist Jazz für das Auge“.

          Für Brönner gilt das Nämliche, nur umgekehrt: „Wenn Musik bei mir nicht etwas wie Bilder auslöst, interessiert sie mich nicht mehr.“ Mag sein, die stärksten unter Jim Raketes Bildern folgen einem anderen Rhythmus als Brönners Imaginationen. Bei der gemeinsamen, freilich ohne Trompete und Kamera ausgetragenen „Session“ im Filmmuseum aber haben sie sich ausnehmend gut vertragen.

          Die Ausstellung „Jim Rakete: 1/8 Sekunde“ ist noch bis zum 4. Januar im Deutschen Filmmuseum Frankfurt, Schaumainkai 41, zu sehen.

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