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Die Kamera sieht alles, Institutionen brauchen Hilfe: Rabih El-Khoury im Deutschen Filminstitut Bild: Tom Wesse

Interkulturelle Begegnung : Das Kino ist der Ort des Gesprächs

Mit drei P zu mehr Vielfalt: Rabih El-Khoury arbeitet als Diversity-Manager am Deutschen Filminstitut und Filmmuseum. Die Begegnung im Kino, das Gespräch, das Film auslösen kann, ist für ihn essentiell.

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          Kino ist ein toller Ort, um mit Menschen Gespräche zu führen. Ganz egal, ob sie einen Film sehr schön oder ganz schrecklich finden“, sagt Rabih El-Khoury. Darin, Menschen im Kino zusammenzubringen, hat er mehr als 15 Jahre Erfahrung, erst in Beirut, jetzt im Deutschen Filminstitut und Filmmuseum (DFF) in Frankfurt.

          Zum Kino ist El-Khoury durch einen Zufall gekommen. Nach dem Journalismus-Studium in seiner libanesischen Heimat sah er auf diesem Feld keine guten Perspektiven für sich. Über die Freundin einer Cousine kam er an ein junges Team, das sich damals, es ist mehr als 15 Jahre her, darangemacht hatte, nicht nur Filmreihen in Kooperation mit europäischen Kulturinstitutionen zu kuratieren und ein Filmfestival für Beirut aufzubauen, sondern auch das erste unabhängige Kino Libanons aufzubauen. Die einst reiche Kinokultur des Landes lag brach, das Angebot des Vereins, der bis heute, wenngleich derzeit ohne eigenes Kino, vielfach weiter tätig ist, wurde begeistert aufgenommen, fast jeder Abend volles Haus. Und drei Jobs in einem für den Berufsanfänger El-Khoury.

          Heute ist der Anfänger von damals, der am selben Tag wie Goethe Geburtstag hat und jetzt 40 wird, international als Kurator und Berater tätig, er ist renommiert als Fachmann gerade für den zeitgenössischen arabischen Film. Eben erst kommt er aus Großbritannien zurück, wo er das Safar Festival für den arabischen Film kuratiert hat, das diesmal erstmals durch acht britische Städte tourte, mit großem Erfolg und sehr vielen offenen Gesprächen, wie El-Khoury bemerkt hat. In Berlin, seinem Hauptwohnsitz seit 2014, ist er Programmkoordinator beim Arabischen Filmfestival.



          „Ich bin sehr stolz auf das Haus und darauf, was sich hier entwickelt“

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Expertise fließt ein in seine tägliche Arbeit: Zusammen mit Aida Ben Achour teilt er sich seit Juni 2019 am DFF eine Stelle als Diversity Manager. Möglich macht das ein Förderprogramm der Kulturstiftung des Bundes, „360 Grad – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft“. 39 Kulturinstitutionen aus ganz Deutschland, in Frankfurt sind es das DFF und das Historische Museum, erproben bis 2023 neue Modelle, um sich mit Migration, Diversität und kultureller Vielfalt in modernen Stadtgesellschaften auseinanderzusetzen. Und Menschen zu erreichen, denen die Einrichtungen bislang eher verschlossen gewesen sind. „Wir möchten in dieser Gesellschaft zusammenleben – also müssen wir uns kennenlernen“, sagt El-Khoury.

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