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Künstlerbücher aus Offenbach : Seitenweise Einmaligkeit

  • -Aktualisiert am

Das Duo hinter „usus“: Ulrike Stoltz (links) und Uta Schneider haben sich an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach kennengelernt. Bild: Maximilian von Lachner

Sie sind „usus“: Die Künstlerinnen Ulrike Stoltz’ und Uta Schneider aus Offenbach. Ihre wichtigste Arbeit sind Künstlerbücher. Dabei experimentieren sie und gehen immer wieder an die Grenze des Möglichen.

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          Im Atelier in der Löwenstraße in Offenbach hängt noch der Geruch der Druckerfarbe vom Vortag. Bunt bedruckte Seiten liegen zum Trocknen aus. Sie wurden erst digital, dann in unzähligen Durchgängen auf der Druckerpresse bearbeitet. Jedes Element einzeln, Schicht für Schicht. „Das ist wie Malerei mit der Maschine“, sagt Uta Schneider. Am Ende dieses Prozesses soll ein Unikatbuch stehen. Seit 35 Jahren setzen sich Uta Schneider und Ulrike Stoltz mit Typographie, Sprache und dem Medium Buch auseinander und schaffen dabei herausragende Buchkunst, Raum-Text-Installationen sowie zahlreiche Künstlerbücher.

          Madeleine Brühl
          (mabr.), Finanzen, Wirtschaft

          Künstlerbücher sind der wohl wichtigste Teil ihrer gemeinsamen Arbeit, darin sind sich Uta Schneider und Ulrike Stoltz einig. „Eine Definition, was ein Künstlerbuch ist, gibt es nicht. Es ist ein extrem vielseitiges und unübersichtliches Feld – das macht es ja so reizvoll“, erklärt Stoltz. Besonders die hohe Komplexität und Dichte der verschiedensten Elemente faszinierten sie an dem Medium, ergänzt Schneider. Die Experimentierfreude der beiden bei der künstlerischen Erschließung des Mediums kennt keine Grenzen: Alles wurde ausprobiert, immer an der Grenze des Möglichen entlang. „Wir sind sehr verschiedene Persönlichkeiten und gleichzeitig sehr in Resonanz miteinander“, sagt Uta Schneider, und Ulrike Stoltz nickt: „Ich kann mich blind auf sie verlassen.“

          Künstlerbücher als eine Art Grundlagenforschung

          Viele ihrer Werke sind atmosphärische Text- und Bildkompositionen, mal mit Fotos, Zeichnung oder Druck. Die Bilder sind in der Regel nicht als Illustration des Textes zu verstehen, sondern als eigenständige Erweiterung der oft fragmentarischen, abstrakten Texte. Buchstaben werden zuweilen vom Inhaltsträger zum visuellen Zeichen. „Man kann über herkömmliche Bücher genauso nachdenken wie über experimentelle“, sagt Ulrike Stoltz: „Das finde ich spannend in einer Zeit, in der es einen fundamentalen Medienwechsel gibt, der ungefähr so tief greifen wird wie der von Gutenberg.“ Schon heute sei das Buch nicht mehr das Leitmedium des kollektiven Gedächtnisses, findet die gebürtige Frankfurterin. Für die beiden Künstlerinnen ist ihre Arbeit mit dem Buch eine Art Grundlagenforschung.

          Das Künstlerbuch ist auch das verbindende Element, über das sich die beiden kennenlernten. Bis 1985 haben beide an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach Visuelle Kommunikation studiert. Für ihre Diplomausstellung wählten sie unabhängig voneinander das Thema Buch – ein ungewöhnlicher Umstand, der Nähe schuf. „Daraus ist ein schöner und intensiver Austausch entstanden“, erinnert sich Uta Schneider. Gemeinsam mit zwei Kolleginnen gründeten sie 1986 die Künstlergruppe „Unica T“ und stellten ihre Arbeiten auf der Frankfurter Buchmesse aus. So gelang ihnen der Einstieg in die Künstlerbuchszene. „In unserem Bekanntenkreis – und wir sind viel international unterwegs gewesen – gab es praktisch niemanden, der von Künstlerbüchern gelebt hat“, sagt Ulrike Stoltz, und Uta Schneider ergänzt: „Wir mussten unseren Lebensunterhalt immer anders verdienen.“ Also arbeiteten sie parallel zu ihrer künstlerischen Arbeit als Selbständige, Stoltz als Grafikdesignerin, Schneider als Typographin und Buchgestalterin. 2001 löste sich „Unica T“ auf, daraufhin setzten Stoltz und Schneider ihre künstlerische Zusammenarbeit zu zweit unter der Bezeichnung „usus“ fort. Abseits der gemeinsamen Arbeit verfolgte jede von ihnen immer auch eigene Projekte. „Das ist die Voraussetzung für eine solch intensive Zusammenarbeit, um seinen eigenen Standpunkt und seine eigenen Ansichten nicht zu verlieren“, sagt Uta Schneider.

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