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F.A.Z.-Leser helfen : Ein Kinderbuch über das Leben im Gefängnis

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Bunte Bilder zum ernsten Thema: Illustration aus „Im Gefängnis“ Bild: Susanne Hesselbarth / Klett Kinderbuch 2018

Monika Osberghaus und Thomas Engelhardt haben ein Kinderbuch über das Leben hinter Gittern verfasst. Doch nicht nur Kinder können beim Lesen des Buches viel lernen.

          3 Min.

          Kinderbücher erzählen nicht immer nur nette Geschichten von Freundschaft und spannenden Abenteuern. Sie erzählen auch mal Trauriges von kranken Kindern, von Menschen die in Armut leben oder sogar sterben müssen. Aber vom Gefängnis? Habt Ihr schon mal ein Buch über das Gefängnis gelesen? Bestimmt nicht! Und weil das ein richtig wichtiges und interessantes Thema ist, haben Monika Osberghaus und Thomas Engelhardt ein Buch darüber geschrieben.

          Und das war gar nicht so leicht, denn das Gefängnis ist immer noch ein Tabu-Thema. Aber die beiden Autoren haben sich getraut - und es ist ein ganz tolles Buch geworden, nicht nur für Kinder. „Im Gefängnis“ heißt es, der Untertitel: „Ein Kinderbuch über das Leben hinter Gittern.“

          Natürlich sitzt in dieser Geschichte für Kinder von acht Jahren an kein Kind im Gefängnis, sondern ein Erwachsener. Sina ist acht, als ihr Papa Robert für drei Jahre ins Gefängnis muss. Er hat eine Tankstelle überfallen, weil er einen großen Haufen Spielschulden hatte. Aber wie sieht es aus im Gefängnis? Wie fühlt es sich an, dort leben zu müssen? Was machen die Gefangenen den ganzen Tag über, was dürfen sie und was nicht?

          Kein trauriges Buch

          Eigentlich möchten wir doch alle wissen, wie es im Gefängnis zugeht. Und so begleiten wir Sina und Robert über zwei Jahre und erfahren viel Neues über den Gefängnisalltag. Ganz konkret zum Beispiel, was Gefangene mitnehmen dürfen und was nicht: Messer sind natürlich tabu, aber auch Regenschirme, Kaugummis, Nüsse oder Damenstrumpfhosen. Warum? Ja, das könnt Ihr selbst lesen! Oder wir erfahren, wer alles im Gefängnis arbeitet, wie dort Weihnachten gefeiert wird und was ein „Freigänger“ ist.

          Der Leser darf feststellen: „Robert ist kein böser Verbrecher, sondern ein ziemlich normaler Mann, der einmal einen großen Fehler gemacht hat.“

          Alle diese Informationen und Themen sind in zwei Geschichten verpackt. In Sinas Geschichte, in der sie von ihrem Leben ohne Papa erzählt, und in Roberts Geschichte, die seinen Gefängnisalltag schildert. Und schnell spürt man zwei ganz wichtige Dinge: Robert ist kein böser Verbrecher, sondern ein ziemlich normaler Mann, der einmal einen großen Fehler gemacht hat. Und Sina leidet genauso unter der Gefängnisstrafe ihres Vaters wie er selbst. Sie hat das Gefühl, selbst bestraft worden zu sein, sie schämt sich vor ihren Mitschülerinnen und leidet darunter, dass ihre Mutter nun noch mehr arbeiten muss, um genug Geld für sie beide zu verdienen.

          Trotzdem ist dies kein trauriges Buch geworden. Das hängt mit den bunten Illustrationen von Susann Hesselbarth zusammen und mit dem sehr lebendigen Layout. Außerdem geht Sinas und Roberts Geschichte relativ gut aus. Und wir Leser haben viel Neues erfahren: zum Beispiel auch, dass es gar nicht so sicher ist, dass die Kriminellen im Gefängnis zu besseren Menschen werden. Weil sie dort das normale Leben verlernen und oft überfordert sind, wenn sie wieder herauskommen.

          Fast zu Hause am Arbeitsplatz

          Monika Osberghaus und Thomas Engelhardt sind ein tolles Team und auch privat ein Paar. Gemeinsam haben sie auch die Kinderbuchserie „Die wilden Zwerge“ geschrieben. Diese neun Bücher sind eine Art „Kontrastprogramm“ zum Gefängnisbuch, sie sind vor allem lustig und unterhaltsam. Ernste Themen kommen in den kindlichen Alltagsgeschichten nur ganz leise vor, der Spaß und die Freude am Lesen (und Schreiben) überwiegen. Dass die Zwerge-Bücher unter dem Pseudonym Meyer Schulze Lehmann veröffentlicht wurden, hängt damit zusammen, dass sie im Klett Kinderbuch Verlag erschienen sind, den Monika Osberghaus selbst leitet.

          Kinderbuch über das Leben hinter Gittern: „Sina leidet genauso unter der Gefängnisstrafe ihres Vaters wie er selbst.“

          Seit drei Jahren ist sie jetzt sogar Besitzerin ihres Verlages, sie hat ihn gekauft. Eine mutige Entscheidung, die sich aber gelohnt hat. Denn die gewitzten und aufmüpfigen Kinderbücher ihres Verlags verkaufen sich gut – Monika Osberghaus hat ein feines Gespür für besondere Themen, kreative Autoren und Illustratoren. Leben und Arbeit gehen bei ihr fast nahtlos ineinander über, denn sie wohnt in der alten Villa in Leipzig, in der auch der Verlag zu Hause ist. Das fühlt sich gut an, denn so kann sie morgens – sie ist Frühaufsteherin – schon ganz früh zwei Stunden „drüben“ arbeiten, um dann, wenn ihre Mitarbeiter kommen, erst mal joggen zu gehen. Und auch die beiden Katzen wandern hin und her vom Fressnapf in der Wohnung zum Schlafplatz im Verlag.

          „Relativ faul“ sei sie, sagt Monika Osberghaus, die auch mal elf Jahre bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gearbeitet hat. Das kann man kaum glauben, wenn man bedenkt, was sie in den vergangenen Jahren alles geleistet hat. Abends hängt sie gerne ab, und der Sonntag ist ihr heilig. Da liest sie keine Mail und bleibt am liebsten zu Hause. Aber manchmal macht sie auch mal eine Ausnahme: Am nächsten Sonntag zum Beispiel, da wird sie in Frankfurt mit ihrem Mann zusammen aus ihren Büchern vorlesen. Für dieses schöne Geschenk an ihre großen und kleinen Zuhörer sollten die beiden einen Extra-Applaus bekommen.

          „Sonntagsgeschichten“: Wann, Wo und für Wen

          Monika Osberghaus und Thomas Engelhardt lesen am Sonntag, 3. Februar, in der Buchhandlung Schutt am Uhrtürmchen in Frankfurt-Bornheim, Arnsburger Straße 76. Die Lesung aus dem Kinderbuch „Im Gefängnis“ beginnt um 15.30 Uhr. Der Eintritt von fünf Euro kommt vollständig der Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“ zugute. Verbindliche Kartenbestellungen nimmt Christine Mayer-Simon per Mail unter c.mayer-simon@faz.de oder telefonisch unter 0 69/75 91 12 51 entgegen. Gesammelt wird für das Kinder-Palliativ-Team Südhessen, um Eltern zu unterstützen, die ein Kind mit lebensverkürzender Behinderung erwarten, und für ein Projekt der Christoffel-Blindenmission in Paraguay. Spenden für das Projekt „F.A.Z.- Leser helfen“ bitte auf die Konten: Bei der Frankfurter Volksbank IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11 Bei der Frankfurter Sparkasse IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

          Wenn die vollständige Adresse angegeben ist, kann eine Spendenquittung zugeschickt werden. Bitte geben Sie bei der Überweisung im Verwendungszweck an, ob wir Ihren Namen veröffentlichen dürfen.

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