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Zwei Frauen stellen aus : Mit einem Mal ist alles anders

Was so ein winziges Detail doch ausmacht. Wie es mit einem Mal den Blick verändert, Neugier weckt, Voyeurismus oder gar Scham auslöst: Zwei Künstlerinnen in der Frankfurter Galerie Leuenroth.

          Was so ein winziges Detail doch ausmacht. Wie es mit einem Mal den Blick verändert, Neugier weckt, Voyeurismus oder gar Scham auslöst, je nachdem. Dabei hat man die Malerei Tanja Selzers, hat man Bilder wie „River“, „Nymphs“ und „Like in May“ eben noch für Impressionen einer ausgelassenen Sommerfrische gehalten. Für Szenen wie aus dem letzten Urlaub.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn so unbeschwert und heiter, leicht und locker kommt diese Malerei in Öl auf Leinwand auch daher. Bis Kirsten Leuenroth den Besucher ihrer Frankfurter Galerie über den Kontext aufklärt. Und mit einem Mal ist alles anders.

          Fotoalbum? Pornofilm!

          Denn kaum weiß man, dass Selzers meist weibliche Akte nicht aus dem eigenen Fotoalbum, sondern aus Pornofilmen stammen, sieht man die Gesten der Figuren auf „Béchamel“, „Leaves“ und den im seichten Wasser planschenden „Nymphs“ mit anderen Augen. Zwar sind die Bilder ganz und gar dieselben, zudem scheint die Malweise der 1970 geborenen Künstlerin die ungezwungene Spontaneität des im Bild festgehaltenen Geschehens durchaus zu beglaubigen. Nun aber fühlt man sich trotzdem merkwürdig ertappt. Und mag den Bildern, sei es auch nur aus Trotz, nicht mehr so einfach trauen.

          Derart verunsichert, glaubt man auch den Keramiken Ina Sangenstedts nicht mehr, die parallel zu sehen sind. Dabei nehmen sich die Figuren der einstigen Meisterschülerin von Tony Cragg zunächst nachgerade klassisch aus. Liegende, Sitzende und Hockende sind die „Beauties“ der Berliner Künstlerin im Grunde.

          Kalkuliert ekstatisches Räkeln

          Doch auch hier stimmt etwas nicht. All das Liegen, Bücken, Strecken und vor allem das kalkuliert ekstatische Räkeln wirkt inszeniert wie vor der Kamera. Anders als Selzer verzichtet Sangenstedt darauf, den affektierten Posen mit formalen Mitteln zu begegnen. Ganz im Gegenteil: Sie reizt mit ihrer hochglänzenden Glasur aus Lack und Tusche den schmalen Grat zum Kitsch genussvoll aus. Die Irritation aber, das Schwanken zwischen Neugier, Scham und Voyeurismus, bleibt vor den Plastiken weitgehend aus.

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