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Eric Clapton in Wiesbaden : Der Schweiger aus Surrey

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Eric Clapton spielte am Dienstag vor dem Kurhaus in Wiesbaden. Es war das Abschlusskonzert seiner Deutschland-Tour Bild: dpa

Am liebsten kommuniziert er über seine Musik: Zum Konzert der Rock-Legende Eric Clapton vor dem Kurhaus in Wiesbaden kamen 15 000 Zuschauer, die er mit seinen alten Songs erfreute.

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          In Zeiten, in denen Eintrittspreise für Konzerte sich in wenigen Jahren nahezu verdoppelt haben, taucht er wieder vermehrt auf: der Zaungast. Bei Eric Claptons Freiluft-Gastspiel vor dem Wiesbadener Kurhaus bevölkert die clevere Spezie die angrenzende Umgebung auf schon geradezu professionelle Weise. Perfekt ausgestattet mit Klapphocker, Beistelltisch, Fernglas und Kühlbox, holen aus dem Stegreif improvisierte Gruppierungen wie von Zauberhand Alkoholisches, Kulinarisches und Rauchwaren hervor.

          Auf der Hauptstraße staut sich wegen der vielen weinseligen Schaulustigen der Verkehr. Verliebte Pärchen tummeln sich auf umliegenden Wiesen. Manch einer macht es sich gar in einer Baumkrone bequem. Balkone umliegender Wohnungen quellen über von Verwandten und Bekannten. Selbst in den Kolonnaden gibt es kein Durchkommen mehr. Bei so viel Komfort zum Nulltarif müssten die rund 15 000 Besucher mit teuren Tickets in umzäunter Arena, die in viel zu engen Sitzreihen mit wenig Beinfreiheit für die kommenden zwei Stunden eingepfercht sind, eigentlich regelrecht neidisch werden.

          Alle sind gekommen, um der Legende zu huldigen

          Doch alle sind gekommen, um der Legende Eric Clapton aus der britischen Grafschaft Surrey zu huldigen. Der 63 Jahre alte Virtuose erfreut sich augenscheinlich bester Gesundheit, trotz jahrzehntelanger Exzesse mit Genussgiften. Seine Fingerfertigkeit, die ihm einst den ironischen Spitznamen „Slowhand“ einbrachte, schien vom Raubbau an der eigenen Gesundheit ohnehin nie bedroht gewesen zu sein, wie der fulminante Auftakt mit dem Klassiker „Tell The Truth“ eindrucksvoll unter Beweis stellt.

          Prinzipiell wirkt der Mann mit ewigem Dreitagebart, dezenter Randlosbrille und kaum angegrautem vollen Haarschopf erstaunlich jugendlich, wenn er dynamisch nach nahezu jedem Song die antiken Gitarrenmodelle der Marke Fender wechselt. Gereift ist hingegen die von einem turbulenten Leben geprägte Stimme. Für die schämte er sich in jungen Jahren, bis ihn Delaney Bramlett, in dessen Formation „Delaney, Bonnie & Friends“ Clapton kurze Zeit als Gitarrist anheuerte, während eines gemeinsamen LSD-Trips vom Gegenteil überzeugte.

          Mit lockerem Plaudern hapert es - Clapton meidet verbale Platitüden

          Doch eines fällt ihm selbst nach vier Dekaden Showgeschäft noch immer schwer: das Lachen. Das überlässt er lieber den beiden afroamerikanischen Chordamen, die stimmgewaltig gospeln. Auch mit dem lockeren Plaudern hapert es. Bis auf ein höflich gemurmeltes „Thank You“ meidet Eric Clapton verbale Platitüden. Selbst mit seinen sechs Begleitmusikern wechselt er kaum ein Wort. Ausschließlich über seine Musik kommuniziert der in zweiter Ehe verheiratete Familienvater. Da hat sich in den vergangenen Jahren nichts Wesentliches verändert, seit er sich darauf besann, nach einer Phase kitschiger Sentimentalitäten wieder jene Stil-Mixtur zu favorisieren, die ihn einst in den Rock-Olymp hob: Southern Rock und Blues. Nicht zufällig wählte er mit dem Texaner Doyle Bramhall II einen talentierten Gitarristen aus, der verblüffend an den allzu jung verstorbenen Kollegen und Freund Duane Allman erinnert.

          Aber Eric Clapton weiß auch, dass er nicht nur als Legende verehrt wird. Viele Zuhörer, vermutlich Freizeit-Gitarristen, schauen begierig, wenn seine schlanken Finger bei virtuosen Exkursionen zwischen Riff, Akkord und Bottleneck am Gitarrenhals auf- und abwandern. Mittels zweier rechts und links der Bühne angebrachter Bildschirme lassen sich in Nahaufnahme Tricks und Kniffe auch von Langzeitweggefährte Chris Stainton an den Keyboards, Bassist Willy Weeks und Schlagzeuger Abe Laboriel Jr. nachvollziehen. Die beiden Kameramänner verharren jedenfalls bei ihren Einstellungen weniger in der Totale als im Detail. Ergriffenes Staunen, wenn die Musiker mit „Traveling Riverside Blues“, „Nobody Knows You When You’re Down And Out“, „Motherless Children“ und „Running On Faith“ zum Einsatz kommen.

          „Wonderful Tonight“ und „Layla“

          Eigentlich wollte Clapton mit seiner Autobiographie ja die Vergangenheit abstreifen. Doch die holt ihn mit den alten Songs wieder ein. Was Clapton wohl fühlt, wenn er „Wonderful Tonight“ und „Layla“ abfeuert? Beide widmete er seiner ersten Frau Patti, die er einst seinem Freund, dem verstorbenen Ex-Beatle George Harrison, ausspannte. „Here But I’m Gone“ von Curtis Mayfield findet sich ebenso im Repertoire wie Muddy Waters’ „Hoochie Coochie Man“, Big Bill Broonzys „Key To The Highway“ und „Little Wing“ von Jimi Hendrix. Ob „Cocaine“ von J.J. Cale bei Clapton Erinnerungen an die Phase des Ausschweifens hervorruft? Seine stoische Mimik, die sich erst beim Verbeugen nach der obligatorisch einzigen Zugabe mit Robert Johnsons „Crossroads“ zum erleichterten Lächeln verzieht, bleibt eine Antwort schuldig. Dass Eric Clapton keinen einzigen Song von Cream integriert hat, lässt auf eine erneute Wiedervereinigung mit Jack Bruce und Ginger Baker hoffen.

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