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Zaungäste im Theater : Chor, Kollektiv und Komik

Verschiedene Köpfe, gleicher Humor: Marion Schneider und Susanne Zaun (von rechts) mit ihrem Ensemble Zaungäste im Frankfurter Mousonturm Bild: Frank Röth

Susanne Zaun und Marion Schneider machen als relative späte Einsteiger Theater im Kollektiv. Mit ihrem Ensemble Zaungäste sind sie im Mousonturm zu Gast und thematisieren Hass im Netz.

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          Kaffeefahrten werden selten von Menschen um die 20 gebucht. Es sei denn, die Gießener Angewandte Theaterwissenschaft macht ein Kaffeefahrt-Experiment. Susanne Zaun hat damals im Bus nur eine einzige Person lachen gehört, über eine Sache, die außer ihr sonst niemand lustig zu finden schien. Da wusste sie: „Endlich gibt es jemanden, der den gleichen Humor hat wie ich.“ Diese Person ist Marion Schneider. Wie Zaun 1979 geboren, wie sie früh entbrannt für das Theater, aber mit einem kleinen Umweg dort angekommen. Schneider hatte erst Computerlinguistik studiert, Zaun fand über Praktika zum Theater. Beide waren eher spät an den Punkt gelangt, an dem, im Studium, eigene praktische Bühnenarbeit begonnen hat.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Das haben sie gründlich aufgeholt. Seit „Krieg spielen oder Ich würde niemals bösartig eine Suppe essen“, zehn Jahre ist das her, koproduzieren sie mit dem Frankfurter Mousonturm. Und weiten, beharrlich, stetig, ihren Aktionsradius aus, auf Stadt- und Landestheater, Produktionshäuser. Das Korsett der Strukturen, des ewigen Hinterherhechelns um Zeit, Raum, Geld, das die freischaffende Theaterszene prägt, unterlaufen sie, zumindest teilweise, durch die „familiäre Struktur“ des Netzwerks, in dem sie arbeiten. Aus den beiden, Zaun und Schneider, die auch weiter einzeln als Regisseurinnen tätig sind, ist im Kerngeschäft ein Kollektiv geworden. Die Zaungäste heißt es. Nicht „Zaungästinnen“, obwohl es fast nur aus Frauen besteht. Vor mehr als 15 Jahren ist die Kooperation zweier höchst unterschiedlicher und sich ergänzender Köpfe entstanden. Die eine, Zaun, wohnt seit 2008 in Frankfurt, verwirklicht an unterschiedlichen Häusern ihre Projekte, etwa am Schlosstheater Moers, wo sie unter anderem das viel gelobte „Die Mutter aller Fragen oder 25 Rollen, die eine Frau niemals spielen sollte“ erarbeitet hat. Die andere, Schneider, ist in Reutlingen „örtlich gebunden“, wie sie es nennt, denn sie hat vier Kinder, zwischen einem und 19 Jahren. Und sagt grinsend: „Ich inszeniere auch Texte“, sprich: Wenn Schneider allein unterwegs ist, arbeitet sie auch als klassische Regisseurin. Während Zaun durchaus auch mal etwas schreibt, das nicht zur sofortigen Verwendung gedacht ist.

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