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English Theatre : Damit er auch morgen noch kraftvoll zubeißen kann

  • -Aktualisiert am

Ein zartes Händchen für Haifische: „The Threepenny Opera” im English Theatre. Bild: Anja Kühn

Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst: Der Drama Club des English Theatre zeigt „The Threepenny Opera“ mit aktuellen Anspielungen.

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          Der Haifisch, der hat Zähne. Gewiss. Doch ist er einmal alt, könnte aus ihm auch ein zahnloses Ungeheuer geworden sein, das eher Mitleid als Schrecken hervorruft. So könnte es auch Mackie Messer, dem Protagonisten der „Dreigroschenoper“, ergehen, bevor das immer noch immens populäre Werk Bertolt Brechts und Kurt Weills irgendwann doch einmal tot gespielt ist. Aber Haien wachsen abgebrochene Zähne ja nach. Vielleicht hoffen deshalb zahllose Inszenierungen darauf, dass die Geschichte vom filouhaften Räuberhauptmann Macheath gemeinsam mit den berühmten Songs schon genug kraftvollen Biss entwickeln wird, um gar nicht erst in den Verdacht der Abgenutztheit zu geraten.

          Michael Gonszar hat für seine Inszenierung der englischsprachigen „Threepenny Opera“, die er nun mit dem Profis und Amateure vereinenden DramaClub im English Theatre Frankfurt aufführt, allerdings nicht nur auf den bewährten Stoff gesetzt. Wie schon Brecht 1928 mit seiner theaterwirksamen Übernahme von John Gays satirischer „Beggar’s Opera“ aus dem Jahr 1728 eine historische Vorlage für aktuelle Gesellschaftskritik verwendete, hat Gonszar zahlreiche Anspielungen auf die momentane Lage in dem von Randale erschütterten Großbritannien, auf die Euro-Krise oder auch strauchelnde französische Großbanken in den Text einfügen lassen, der ansonsten aber im viktorianischen London der Vorlage belassen worden ist.

          Nicht zahnlos

          In diesem London sind der „Bettlerkönig“ Peachum (Sebastian Polag) und seine Frau Celia (Lea Dunbar) alles andere als amüsiert, als sie erfahren müssen, dass ihre Tochter Polly (Swana Rode) ausgerechnet den Räuberbandenchef und Schwerenöter Mac the Knife (Mike Marklove) geheiratet hat. Also versuchen sie, den ungeliebten Schwiegersohn loszuwerden, indem sie ihn beim Polizeichef Brown (Jürgen Stockhausen) anzeigen und die Belohnung auf Macs Kopf einzustreichen hoffen. Doch Brown ist Macs alter Kriegskamerad und wenig erpicht darauf, den Freund ins Gefängnis zu stecken. Als Peachum aber droht, den Krönungszug der Königin mit seinen Bettlern zu stören, muss Brown reagieren. Um Mac the Knife scheint es geschehen.

          So geht die Handlung dahin, es erklingen die unsterblichen Lieder, es musiziert das in bewährter Weise von Rudi und Angela Federspiel angeleitete Orchester, das wieder Schüler und Lehrer vereint – doch die Inszenierung nimmt keine Fahrt auf. So gelungen die einzelnen Szenen für sich auch wirken mögen und gerade in den Massenszenen auch starke Bilder bieten, fehlte es der Premierenaufführung insgesamt an jener Lebendigkeit und Virilität, die das derbe Milieu der „Threepenny Opera“ eigentlich verlangen würde. Mike Marklove, der nach zahlreichen Auftritten mit dem DramaClub unverkennbar an Bühnenpräsenz gewonnen hat, legte seinen Mackie Messer zudem eher als verschmitzten Gauner mit dem Hang zum melancholischen Clown denn als draufgängerischen Haudegen an, was möglicherweise auch das Tempo etwas drosselte.

          Aber selbst wenn der Haifisch „Dreigroschenoper“ nicht wie ein Blitz durchs Becken sauste, zahnlos wirkte er deshalb noch lange nicht. In der Ausführung von Drama Club und Gymnasium Oberursel macht er vielmehr eine mehr als respektable Figur. Und mit dem richtigen Timing wird er sicher auch noch kraftvoll zubeißen können.

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