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Ellen Harrington : Von Giotto zu Godard und Godzilla

Mit kalifornischem Sonnenschein gelandet: Ellen Harrington, die neue Direktorin, in der Dauerausstellung des Deutschen Filmmuseums. Bild: Michael Kretzer

Eine Amerikanerin in Frankfurt: Ellen Harrington, die neue Direktorin des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums, stellt sich vor.

          4 Min.

          Die lange Nacht der Oscarverleihung war schon immer eine Attraktion im Deutschen Filmmuseum. Dieses Jahr dürfte sie so authentisch werden wie noch nie: Das Kino- und Party-Ereignis am 4. März, das erst in den Morgenstunden mit einem Kaffee endet, ist die erste Veranstaltung, an die Ellen Harrington sichtbar Hand anlegt. Wer, wenn nicht die neue Direktorin des Deutschen Filminstituts (DIF) und des Deutschen Filmmuseums Frankfurt, wüsste so gut Bescheid darüber, wie die Oscar-Gala wirklich abläuft? „Ich war bei mindestens 20 Verleihungen dabei“, sagt Harrington. Schließlich hat die 1963 geborene Amerikanerin einen großen Teil ihres Berufslebens, seit 1993, bei der Academy of Motion Pictures Arts and Sciences und deren in Gründung befindlichem neuen Museum in Los Angeles verbracht, jener ehrwürdigen Institution also, die jedes Jahr die Oscars verleiht. Nun hat sie sich offiziell vorgestellt, im Kino ihres neuen Hauses, warm willkommen geheißen von DIF-Vorstand Nikolaus Hensel und der Frankfurter Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD), die auch Vorsitzende des Verwaltungsrates des DIF ist. Ein wenig Skepsis habe geherrscht, eine Amerikanerin zu holen, gab Hartwig gestern zu – warum das so war, erläuterte sie allerdings nicht.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          In der Person Harringtons allerdings arbeiten die weltberühmte Academy und das Frankfurter Institut seit fast 20 Jahren miteinander, tauschen Ausstellungen aus oder bestücken sie gemeinsam. Wechsel von Europa nach Amerika, wie vor nicht allzu langer Zeit des Städeldirektors Max Hollein, werden bejubelt. Umgekehrt fragen sich viele: Wieso sollte jemand freiwillig in die Alte Welt kommen? Harrington brachte gestern die besten Argumente vor, allesamt ein Loblied auf das exzellente Frankfurter Haus, international anerkannt für Spitzenforschung, Präsentation und kulturelle Vermittlung, für das einzutreten sie stolz sei und dessen Glanz sie mehren wolle. Ihre Aufgabe, knapp gesagt: Dafür zu sorgen, dass die herausragenden Teams ihre Arbeit machen können. Und vielleicht ein bisschen Sonne aus dem Sonnenscheinstaat Kalifornien mitzubringen. Da Harrington selbst förmlich strahlt, wenn sie über ihre Arbeit spricht, dürfte das leicht fallen. „Es war der richtige Zeitpunkt. Neue Direktorin einer solchen Institution zu werden, die schon läuft und eine Geschichte hat, schien mir nun das richtige Moment in meiner Karriere zu sein“, sagt Harrington im Gespräch mit dieser Zeitung. Und nach so vielen Jahren schien ihr, die ursprünglich aus Boston stammt, auch ein Ortswechsel geboten.

          Europa ist ihr nicht fremd

          Entschieden hat sie das nicht allein: Die Familie, zwei fast erwachsene Kinder und der Ehemann, freischaffender Psychotherapeut, haben mit abgewogen und sich alle dafür entschieden. Nun lebt Harrington in einem kleinen Interims-Apartment am Schaumainkai, nach Ende des Schuljahres kommt die Familie nach, die Tochter wird hier eine internationale Schule besuchen, der Sohn nach der Highschool ein Jahr zum Erfahrungen sammeln einlegen. Und wenn Harrington mit ihrem frischen Lächeln sagt, alle freuten sich darauf, in einem neuen Land eine neue Sprache zu lernen, hegt man keinen Zweifel, dass auch der Rest der Familie in Rekordgeschwindigkeit Frankfurt regelrecht absorbieren wird.

          Schon als sie zu den ersten Verhandlungen nach Frankfurt kam, hat Harrington gezielt Hotels in unterschiedlichen Stadtteilen bewohnt, um ein Gefühl für die Stadt zu bekommen. Es scheint ein besonders gutes Gefühl geworden zu sein: „Die Leute scheinen gar nicht zu sehen, wie bemerkenswert Frankfurt ist“, sagt die neue Direktorin, die den kulturellen Reichtum der Stadt und ihrer Museen als Alleinstellungsmerkmal betrachtet. Größere Aufmerksamkeit des Publikums, auch des internationalen, für diesen Reichtum und natürlich vor allem für die Arbeit des eigenen Hauses steht daher auf ihrer Agenda oben. Dass dies auch über soziale Medien, über Öffentlichkeitsarbeit, über die Erweiterung des eigentlichen musealen Raums hinausgeht, ist ihr, die zahlreiche Vermittlungsprogramme für die Filmkultur konzipiert und geleitet hat, eine Selbstverständlichkeit.

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