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Clubbetreiber in Frankfurt : „Das darf nicht vergehen“

  • -Aktualisiert am

Vom Mediengestalter zum Kneipenwirt: Patrick Feige im „Speak Easy“: Bild: Wonge Bergmann

Vom Gast in der Lieblingskneipe zum Inhaber mit Verantwortung für Geld und Programm und Personal: Zwei Clubgeschichten.

          7 Min.

          Nachts sind alle Katzen grau. Kneipenviertel aber sind am Tage grau, wenn die Neonlichter abgeschaltet sind und die Musik verstummt ist. Statt Feiervolk in Partylaune trifft man dann in Altsachsenhausen in Frankfurt nur den Postboten oder den Getränkelieferanten. Hier und da sieht man durch die Fenster jemanden saubermachen, andere Etablissements sind mit ihren geschlossenen Fensterläden geradezu verbarrikadiert. An diesem nebligen Winternachmittag wirkt das Areal, als habe es einen schweren Kater. In einem Keller in der Klappergasse ist Tim Piechatzek damit beschäftigt, die Kühlschränke der Bar mit Bier, Bio-Limonade und Energydrinks aufzufüllen. In der Mitte des Raumes, in dem sich Bühne, Tanzfläche, DJ-Pult und die Bar befinden, steht eine Klappleiter. Dennis Kreim schraubt an der Beleuchtung herum. Der „Elfer Club“ ist hell erleuchtet, was für keinen Club schmeichelhaft ist. Schließlich handelt es sich nur um Kellerräume, schwarz gestrichen und wenig wohnlich. Die Magie kommt erst am Abend, wenn die Discostrahler flackerndes Licht senden.

          Der Frankfurter „Elfer Club“ war nicht immer in Alt-Sachsenhausen. Früher war er Teil der alten Batschkapp, einer Kneipe mit Kellerraum, der für Konzerte genutzt wurde. Mit dem Abriss der Batschkapp in Eschersheim musste auch der Elfer eine neue Bleibe finden. Seit 2013 ist die Adresse des kleinen Clubs die Klappergasse 5. Der unscheinbare Eingang liegt schräg gegenüber des Frau-Rauscher-Brunnens. Hinter der mit Aufklebern beklebten Eingangstür führt eine steile Treppe in den Untergrund. Kreim und Piechatzek betreiben den Club seit Anfang des vergangenen Jahres. Beide sind noch jung. Kreim ist 25 Jahre alt, Piechatzek ist ein Jahr jünger. Zusammen mit Janina Barkmann haben sie den Elfer übernommen. Geplant war das nicht, es hat sich eher so ergeben. „Tim und ich hatten zusammen eine Veranstaltungsreihe namens ,We Call It Love“, erzählt Kreim. „Unter dem Motto haben wir Partys in verschiedenen Clubs organisiert.

          Am Anfang blauäugig

          Irgendwann sprach mich Janina an, ob wir nicht auch mal im Elfer was veranstalten wollten.“ Die Veranstaltungen der beiden liefen gut. Zudem waren die alten Betreiber von der Eigeninitiative der jungen Veranstalter begeistert. „Wir haben den Laden auf eigene Kosten neu gestrichen, weil wir es schöner machen wollten. Wir haben einiges verändert, obwohl es ja nicht unser Laden war“, erzählt Kreim. „Wir waren richtig bescheuert“, ergänzt Piechatzek, und beide müssen lachen. Als ihre Vorgänger Wolf Heilig und Thomas Winterscheid nicht mehr weitermachen wollten, zahlte sich die Eigeninitiative aus. Janina Barkmann, die den „Elfer“ zusammen mit Heilig und Winterscheid bis dato führte, schlug ihren Partnern Kreim und Piechatzek als Nachfolger vor. Wie viel Arbeit auf sie zukommen würde, ahnten sie nicht. „Man war vielleicht ein bisschen blauäugig und hat sich vorgestellt, dass man nur im Büro sitzt und Geld zählt, aber das macht vielleicht nur 0,5 Prozent der Arbeit aus“, sagt Piechatzek. Wenigstens konnten sie von ihren Vorgängern erprobte Arbeitsabläufe übernehmen. „Man führt das Kassenbuch, sortiert die Rechnungen und gibt dann am Ende des Monats alles an den Steuerberater“, sagt Kreim. Aber damit ist es nicht getan. Nicht selten kommt es vor, dass der Arbeitstag der beiden 14 oder 16 Stunden dauert.

          Tim Piechatzek im „Elfer“: Keine Lust auf Nine-to-five.

          Schon mittags sind sie im Club: Getränke auffüllen, die Technik in Stand halten, Renovierungsarbeiten durchführen. Auch die Werbung ist zeitaufwendig. „Wir müssen bei Facebook sehr viel Werbung machen und immer am Ball bleiben. Wenn wir mal eine Woche nichts machen, dann sehen wir das direkt am Wochenende. Wenn wir mal für eine Veranstaltung nicht werben, dann bleibt es an dem Abend leer“, sagt Kreim. „Anfangs haben wir auch noch selbst geputzt. Das habe ich zwar früher auch schon gemacht, das war aber in einer Anwaltskanzlei. Das ist doch noch was anderes, als in einem Club zu putzen.“ Gerade in der Anfangszeit blieben die Jungunternehmer bis in die Morgenstunden im Lokal, bis der letzte Gast gegangen war. Mittlerweile ist das Vertrauen zum Personal gewachsen. „Die haben jetzt auch einen Schlüssel, dürfen abschließen und auch die Abrechnung machen“, sagt Piechatzek.

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