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Illustratorin Tatjana Prenzel : Bunte Melancholie

Ihre eigenen Studenten lässt sie derzeit ein Corona-Tagebuch zeichnen: Die Illustratorin Tatjana Prenzel ist international tätig und lehrt in Würzburg. Bild: Diana Cabrera Rojas

Steile Karriere: Erst vor zwei Jahren hat die Offenbacher Illustratorin Tatjana Prenzel ihr Diplom absolviert, heute zeichnet sie für den „New Yorker“ und die „New York Times“.

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          Als die Nachricht von Neeta Patel, der Art-Direktorin beim „New Yorker“, kam, war Tatjana Prenzel gerade auf dem Sprung zu einem Kurzurlaub nach Luzern. Die Anfrage: Prenzel sollte zu einer Ankündigung für einen Theaterabend eine Zeichnung liefern, es ging um ein Stück über den exzentrischen Maler, Schauspieler und Tänzer Paul Swan, der in Andy Warhols Film „Camp“ gespielt hatte. „Natürlich“ sagte Prenzel den Ausflug in die Schweiz sofort ab, sie setzte sich an den Schreibtisch und schuf eine Illustration in satten Rottönen, bei der nicht ganz eindeutig ist, ob der Schauspieler, der den divenhaften Paul Swan verkörpert, vor dem Vorhang steht oder in ihm verschwindet. Das Rätselhafte macht den Reiz ihrer Zeichnung aus. Dass Prenzel, um dieses Werk zu schaffen, auf ihren Wochenendausflug verzichtete, ist nicht verwunderlich: Ein größerer Ritterschlag, als vom legendären „New Yorker“ engagiert zu werden, ist für Illustratoren eigentlich nicht auszudenken.

          Alexander Jürgs

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tatjana Prenzel kommt mit dem Fahrrad von Offenbach aus zum Gespräch ans Frankfurter Mainufer. Normalerweise pendelt sie diese Strecke regelmäßig. Am Offenbacher Wilhelmsplatz hat sie ihre Wohnung, im Frankfurter Stadtteil Gallus arbeitet sie in einer Ateliergemeinschaft mit anderen Illustratoren und Grafikdesignern. Zu sechst teilen sie sich den Raum, kennengelernt haben Prenzel und ihre Mitstreiter sich als Studenten an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung. Doch weil es in dem Atelier zu eng ist, um ausreichend Abstand zu halten, haben sie direkt zu Beginn der Corona-Krise beschlossen, erst einmal von zu Hause aus zu arbeiten. „Die Gespräche mit den anderen fehlen mir“, sagt die 29 Jahre alte Illustratorin. „Gerade wenn man als Einzelkämpfer arbeitet und sowieso so viel mit sich selbst regeln muss, ist es wichtig, sich auszutauschen.“ Manchmal verschickt sie ihre Skizzen deshalb nun per E-Mail an ihre Atelierkollegen – mit der Bitte um ein digitales Feedback.

          Mit Buntstiften zum Erfolg

          Prenzels Illustrationen entstehen auf für heutige Verhältnisse regelrecht altmodische Weise: Sie zeichnet mit Buntstiften. Ihre Figuren haben oft etwas Melancholisches, etwas Zartes, häufig kehren sie ihrem Betrachter den Rücken zu. Prenzel arbeitet in ihren Zeichnungen mit großen Flächen in intensiven Farben, dennoch kommt sie ganz ohne harte Kontraste aus. „Das mag ich an den Buntstiften: dass ich mit ihnen ganz exakt und genau zeichnen kann, dass es aber doch verschwimmt und weich bleibt“, beschreibt die Illustratorin die Faszination für ihr Werkzeug. Während ihres Studiums hat sie auch mit einigen anderen Techniken experimentiert, auch das Zeichnen am Computer hat sie probiert, am Ende aber ist sie immer wieder bei den Buntstiften gelandet. „Die Stifte können genau das, was ich will“, sagt sie.

          Prenzel hat beim „New Yorker“ nie nachgefragt, wie man dort auf sie aufmerksam geworden ist. Von sich aus hätte sie sich dort nicht gemeldet: „Das hätte ich mich niemals getraut.“ Überhaupt war es am Anfang ihrer Karriere als freiberufliche Illustratorin oft schwer, an Aufträge zu kommen, „ein mühseliger Weg“ sei das gewesen. „Man muss sich viel präsentieren, muss dafür sorgen, dass man auf Plattformen im Netz, die Arbeiten von Kreativen zeigen, auftaucht“, erzählt Prenzel. Sich dafür immer wieder neu zu motivieren war oft nicht leicht.

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