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Festspiele nach Wedel-Abgang : Ein kühner Plan für Bad Hersfeld

Himmelwärts: Joern Hinkel will als neuer Intendant der Aufschwung in Bad Hersfeld fortsetzen, unter anderem mit Opernaufführungen Bild: Ly, Martin

Noch ist nicht ausgeschlossen, dass nach dem Aufschwung unter Wedel nun in Bad Hersfeld ein Absturz folgt. Doch vieles deutet darauf hin, dass die Festspiele den jähen Abgang ihres Intendanten verkraftet haben.

          Die Sex-Vorwürfe gegen Dieter Wedel haben den Starregisseur nicht nur seinen Ruf und seine Gesundheit gekostet, sondern auch sein Amt als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele. Für das nordhessische Theaterfestival war Wedels Rücktritt ein herber Verlust, denn unter seiner Intendanz hatten die sommerlichen Festspiele einen Aufschwung erlebt, wie ihn nach den langen Jahren des Dahindümpelns keiner hatte erwarten können.

          Der Ruhm des Fernsehregisseurs hatte den Bund, das Land Hessen und auch die Stadt Bad Hersfeld ermutigt, kräftig in die Festspiele zu investieren, um diesem traditionsreichen Kulturereignis wieder neue Stärke einzuhauchen und es zu einem Leuchtturm deutscher Theaterkultur zu machen. Seit 2015, dem Jahr von Wedels Amtsantritt, hat sich viel geändert in der Stiftsruine, dieser gewaltigen Spielstätte, die für große Theateraufführungen prädestiniert ist: Der Zuschauerraum wurde umgestaltet, ein Tonsystem eingeführt, das die Akustik gerade auf den hinteren Plätzen verbesserte, die Lichtregie modernisiert. Vor allem aber kamen dank Wedels Beziehungsnetz Schauspieler nach Bad Hersfeld, deren Namen bei einem breiten Publikum Klang hatten.

          Heute Premiere

          Noch ist nicht ausgeschlossen, dass nach dem Aufschwung unter Wedel nun ein Absturz folgt. Endgültiges kann man das erst am Ende der Saison sagen, die heute mit der Premiere von Henrik Ibsens „Peer Gynt“ beginnt. Doch vieles deutet darauf hin, dass die Festspiele den jähen Abgang ihres Intendanten verkraftet haben. Wedels Nachfolger Joern Hinkel, sein langjähriger Mitarbeiter und Stellvertreter, scheint erfahren genug, das Festival auf Kurs zu halten. Ja, Hinkel ist sogar dabei, die Festspiele mit der Integration von Opernaufführungen weiterzuentwickeln.

          Das ist ein kühner Plan, aber kein abwegiger, denn es hat in Hersfeld jahrzehntelang Oper gegeben, wenngleich nicht im Einvernehmen mit der Intendanz des Theaterfestivals, sondern eher in einer herablassenden Missachtung. Gelingt es Hinkel, die Festspiele mit qualitätsvollen Operndarbietungen zu bereichern und dafür hessische Bühnen als Kooperationspartner zu gewinnen, könnte Bad Hersfeld seine Bedeutung als wichtigstes deutsches Sommerfestival neben Bayreuth festigen.

          Vertrauen in den Theateraufschwung

          Entscheidend wird sein, dass der Bund und das Land nicht ihr Vertrauen in den nordhessischen Theateraufschwung verlieren und weiterhin die Bad Hersfelder Festspiele finanziell unterstützen. Gewiss: Berlin und Wiesbaden haben 2015 die Mittel für das Festival erhöht, weil sie in Wedel einen Garanten des Erfolgs sahen.

          Es hätte niemanden gewundert, wenn sie nun, nach dessen Rücktritt, das Festival wie eine heiße Kartoffel hätten fallen lassen. Dann freilich wären die Investitionen der vergangenen drei Jahre vergeudet gewesen. Sie haben es nicht getan – und so verantwortungsvoll gehandelt.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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