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: Ein Dichter - immer in Schwarz: Adam Seide war aus Frankfurt und Bornheim nicht wegzudenken/Mit 74 Jahren gestorben

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Er hat zum Bild gehört - Adam Seide auf dem Bornheimer Markt. Wie viele ihn gekannt haben, läßt sich schwer sagen. Gewiß ist aber, daß viele ihn wiedererkannt haben. Denn Adam Seide, der jetzt im Alter ...

          Er hat zum Bild gehört - Adam Seide auf dem Bornheimer Markt. Wie viele ihn gekannt haben, läßt sich schwer sagen. Gewiß ist aber, daß viele ihn wiedererkannt haben. Denn Adam Seide, der jetzt im Alter von 74 Jahren gestorben ist, war unverwechselbar, ein eher kleiner Mann, mit feinem langem, am Ende schneeweißem Haar, immer schwarz gekleidet: schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarzer Pulli. Damit war für ihn das Kleiderproblem ein für allemal gelöst. Mantel? Nein, einen Mantel hatte er nie an, keiner kann sich jedenfalls daran erinnern. Ein besonderer Mensch, das sah man auf den ersten Blick. Mein Sohn fragte einmal: "Wer ist das?", weil dieser Marktgänger auch ihm aufgefallen ist. Seither war Adam Seide für ihn der Inbegriff eines Dichters. Wohnt in einem verwunschenen Haus zusammen mit dem Winzling Nis Puk, den er mit Gerstengrütze füttert. Adam Seide hieß bei ihm Adam Veilchen, jener verträumte Dichterheld in Boy Lornsens Nis-Puk-Büchern.

          In Wirklichkeit hat Adam Seide in der Günthersburgallee gewohnt, und Gerstengrütze hat er vermutlich nicht gemocht, denn er war Feinschmecker, galt als ausnehmend guter Koch. Auf dem Bornheimer Markt hat er einen Teil der Zutaten erstanden, die er für seine vielgängigen Menüs benötigte. Kein Wunder, daß der Dichter Adam Seide in seiner kurzlebigen Kulturzeitschrift "Der Egoist" und in der noch kurzlebigeren Wiederaufnahme "Der neue Egoist" neben Aphorismen, Rezensionen, Manifesten und Poesien auch Kochrezepte veröffentlichte. Natürlich lebt der Mensch nicht vom Brot allein, wer wüßte das besser als der Dichter Adam Seide, aber mit einer echten "Hausmacher-Rindfleischsuppe mit Nudeln" lebte es sich seiner Meinung nach auf jeden Fall besser, weshalb in den "Egoisten" auch Kochrezepte zu finden waren.

          Auch wenn Adam Seide ein "Bornheim Buch" herausgegeben hat, Frucht seiner Fußgängerei durch diesen Stadtteil, ist er doch ein gebürtiger Hannoveraner. Was ihn dazu bewogen hat, in Frankfurt Heimat zu suchen? Weil es die Stadt der vertrauten Wege war, die Stadt, in der er Freunde hatte, seit er hier in den sechziger Jahren bei Adorno und Horkheimer Soziologie studiert hatte. Sein Interesse an bildender Kunst hat er freilich zum ersten Mal in Hannover ausgelebt, wo er eine private Galerie führte. In Frankfurt hat Adam Seide diese Passion in seiner früheren Wohnung am Röderbergweg fortgesetzt, zeigte dort Arbeiten von damals völlig unbekannten Künstlern namens Peter Roehr oder Thomas Bayrle.

          Und Adam Seide hat literarische Projekte betrieben, den "Hessischen Literaturboten", den Verein zur "Förderung deutscher Schriftsteller in Hessen", das "Hessische Literaturbüro". Bestseller sind seine Romane, etwa "Drei alte Maler", nie geworden. dafür schrieb Adam Seide nicht flott genug. Denn, wie ein Kritiker einst bemerkte: Sten Nadolny hat die Langsamkeit entdeckt, Adam Seide hat sie erfunden. Hans Riebsamen

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