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Dokumentation einer Weltreise : Schotter und Asphalt

  • -Aktualisiert am

Christian Vogel unterwegs auf seinem Motorrad. Bild: Christian Vogel

Christian Vogel gibt seinen Job und Wohnung in Deutschland auf und reist mit seinem Motorrad um die Welt. Die Dokumentation nimmt den Zuschauer mit an Sehnsuchtsorte und Einöden.

          Er habe mehrfach überlegt, aufzugeben, gesteht Christian Vogel nach der Vorstellung seines Films „Egal was kommt“. Die Dokumentation einer Weltumrundung mit dem Motorrad zeigt genügend Anlässe für eine solche Reaktion vom umgekippten Fahrzeug mitten in einer menschenleeren Einöde bis zum wochenlangen Warten auf ein Ersatzteil nach Unfallschaden. Trotzdem bejaht er, ohne zu zögern, die Frage, ob er sich auf ein solches Abenteuer wieder einlassen würde.

          Dafür hatte er die Arbeit in der Nachrichtenredaktion des Hessischen Rundfunks und die Wohnung aufgegeben und am Ende etwa 50.000 Euro aufgewendet. Dafür hat er sich mit dem Umbau seiner schweren Maschine und mit einer Übungsoperation an einem Brathähnchen für den Notfall vorbereitet. Die Übung hilft am Ende nichts, die fällige Operation muss ein Profi in Delhi vornehmen. Und der Abenteurer ist um die Erkenntnis reicher, dass für eine solche Reise Glück und viele Freunde nötig sind. Zu ihnen gehören Biker aus den Vereinigten Staaten ebenso Kumpels aus Sibirien, er lernte welche unter den Nomaden in der mongolischen Steppe wie unter indischen Lastwagenfahrern kennen, bis es ihm bei einem türkischen Verehrer zu viel der Freundschaft wurde.

          Schotterpiste im Himalaya

          Der Film lässt ahnen, was klimatische Extreme, exotische Verzehrgewohnheiten und die Abwesenheit von Telefon- und Bankverbindungen an Herausforderungen auf einer Tour ohne die Betreuung von Thomas Cook und Konsorten bereithalten. Er beschert den Zuschauern Gänsehaut, wenn die Fahrt über Schotterpisten im Himalaya oder durchs Asphaltchaos in Indien zum Glücksspiel wird. Aber er eröffnet auch Ausblicke in Landschaften, die mehr als durch Größe und Weite durch völlige Menschenleere beeindrucken, zieht andererseits in Großstädte mit überkochenden Populationen, in denen die Einsamkeit kaum geringer zu spüren ist.

          Vogel durchstreift auf seiner Expedition zum Teil die Sehnsuchtsorte der Hippie-Generation und nimmt ihnen ganz nebenbei ihren spirituellen Nimbus. Sie konfrontiert mit politischen und sozialen Realitäten, die in unserem Bewusstsein schon längst verblasst sind – es geht um autoritäre Grenzregimes zwischen verfeindeten Staaten ebenso wie um vergessene Autowracks neben der Piste, rollende Panzer und ausgebrannte Ruinen in den Städten.

          Christian Vogel hat nicht zum heroischen Easyrider-Ausflug in eine alternative Lebensform Gas gegeben, obwohl die heile Welt voller glatt verputzter Häuser und gerade gezogener Straßen im nordhessischen Helmighausen Grund genug sind, sich einmal anderswo in der Welt umzuschauen. Was er aus 650 Stunden Aufnahmen auf 120 Minuten Film komprimiert hat, ist ab Donnerstag im Kino zu sehen.

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