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Duo „Romie“ aus Frankfurt : Die perfekte Harmonie

  • -Aktualisiert am

Derzeit live zu hören und im Herbst auf dem ersten Studioalbum: Paula Stenger und Jule Heidmann alias Romie Bild: Franziska Hain Photographie

Jule Heidmann und Paula Stenger machen als Frankfurter Duo „Romie“ Furore, auch wenn derzeit das Konzertleben nur eingeschränkt möglich ist. Nach ihren Live-Auftritten lässt auch das erste Album nicht mehr lange auf sich warten.

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          Wenn ein hiesiges Duo in diesem Sommer gehört worden ist, dann dieses. Im Sommergarten der Batschkapp, beim Festival Sommerwerft, vor dem Club „Das Bett“ an der Schmidtstraße, live in der Reihe „Von 0 auf 100“ in der Centralstation Darmstadt und als Eröffnungskonzert des dieses Jahr komplett digitalen Stoffel des Stalburg Theaters: das Folk-Pop-Duo Romie war, soweit das in dieser Corona-Krise eben geht, überall.

          Gegensätze ziehen sich an, das kolportiert der Volksmund seit Jahrhunderten. Als die Freundschaft von Jule Heidmann (28) aus Dreieich und Paula Stenger (27) aus Aschaffenburg vor sieben Jahren begonnen hat, war eher das Gegenteil der Fall: Vom ersten Moment an regierten Harmonie, Einigkeit und Übereinstimmung. Am ersten Abend ihres gemeinsamen Studiums an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt – beim traditionellen Apfelweintrinken in einer Kneipe – sind sich die Musikerinnen erstmals begegnet, erinnert sich Jule: „Aus dem Blauen heraus unterhielt ich mich mit meiner Neu-Kommilitonin über musikalische Vorlieben.“

          Dass beide selbst gerne Musik machen, versteht sich angesichts der Studienwahl von selbst, dass es auch dieselbe ist, fanden sie beim Austausch ebenso rasch heraus wie das Funken auf einer Wellenlänge. Geradezu verblüffend präferierten die Anfangszwanzigerinnen identische Solisten und Bands abseits des künstlerischen Mainstreams. Endgültige Gewissheit, durch ein mehr oder minder zufälliges Treffen auf eine Art kosmischen Künstlerzwilling gestoßen zu sein, erhielten Jule und Paula beim ersten gemeinsamen Musizieren im Übungsraum der Musikhochschule.

          Zufallsbekanntschaft entpuppt sich als perfektes Duo

          Als Katalysator erwies sich ein längst zur Hymne avancierter Klassiker der verstorbenen Singer-Songwriter-Ikone Leonard Cohen: „Hallelujah“. Ein Urmoment, sinniert Heidmann im Rückblick: „Ich sang erste, Paula zweite Stimme, und es ergab sich unmittelbar eine perfekte Harmonie.“ Eine nahtlose Überblendung: So wie sich einst Paul McCartneys Timbre an das von John Lennon, das von Agnetha Fältskog an jenes von Anni-Frid Lyngstad schmiegte. Da passte trotz unterschiedlicher Stimmlagen plötzlich alles zusammen, was sie beide lange ersehnt hatten. Als sich beide dann noch gegenseitig gestanden, seit Jahren nahezu im Geheimen jeweils eigene Songs zu komponieren und zu texten, erschien die Zufallsbekanntschaft fast schon etwas unheimlich.

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          Der ureigene Stil von Romie hat sich von da an rasch entwickelt, inspiriert von stilistisch verwandten Indie-Pop-Folk-Country-Künstler wie The Staves, The Civil Wars oder The Milk Carton Kids. Als weitere Einflüsse lassen sich auch Eva Cassidy, Damien Rice, Fleetwood Mac und Grace Potter & The Nocturnals orten. Wenig später wagte sich das Duo mit den zauberhaft magischen Stimmen erstmals ins Rampenlicht. Ermutigung wie Bestätigung, den richtigen Pfad beschritten zu haben, lieferte schon der Premierenauftritt.

          Nach dem Festival kommt das Album

          Unterstützung hat die Hochschule geleistet, denn dort gibt es für die Musikerinnen frei zugängliche Studios und die Möglichkeit, Equipment auszuleihen. Dann kam eine zusätzliche Erweiterung des Horizonts, eine gemeinsame Projektreihe an der Musikhochschule: Bei „Romie Goes Orchestra“, festgehalten auf DVD, kombinierten sich die feinfühlig zarten Kompositionen des Duos mit der Wucht eines Orchesters – Aufführungen fanden an der Hochschule selbst und auch beim Rosenfest 2016 im Palmengarten statt. Es folgte eine Club-Tournee im Vorprogramm des Mannheimer Liedermachers Jonathan Kluth. Eine lehrreiche Verbindung von täglich völlig neuen, unerwarteten Eindrücken mit einer wertvollen allabendlichen Routine. In Form der EP „Favourite Attic“ erschien 2017 die ausgezeichnete erste Studioarbeit. Entstanden unter der Leitung von Fabian Sennholz, jenem Pofessor, der auch das Orchester-Projekt initiierte und an der Hochschule für Bandcoaching und Ensembleleitung zuständig ist. Diverse weitere Auftritte von Romie schlossen sich an.

          Parallel rückten im vergangenen Sommer sowohl das Staatsexamen für das Lehramt am Gymnasium von Jule (Musik und Spanisch) und Paula (Musik und Deutsch) als auch die erste Albumproduktion näher. Auch da kam der Zufall ins Spiel: Über das Netzwerk Couchsurfing haben bei Jule Heidmann Musiker einer Band aus dem irischen Donegal übernachtet. Es kam, wie es kommen musste: Gemeinsam wurde musiziert bis in die Morgenstunden. Daraufhin bekam Romie eine Einladung nach Irland, um auf einem Festival zu spielen. Einer der Organisatoren wiederum erwies sich als Eigentümer eines Tonstudios im Nordosten Irlands in der Nähe des Glenveagh National Park. Mit 18 irischen Musikern im Rücken sowie unter der Ägide von Produzent und Toningenieur Orri McBrearty haben Romie also in den Semesterferien ihr Debüt „Trust In The You Of Now“ eingespielt. Zustande kam das Werk dank eines Crowdfundings, es hätte schon etwas früher fertig sein sollen, aber nun ist es so weit: Im Oktober kommt die LP auf den Markt.

          Der Auftritt bei Stoffel  
          ist auf Youtube nachzuhören unter dem Kanal des Stalburg Theaters,Romie bei Stoffel 2020“.

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