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Bryan Adams : Ewig jungenhafter Charme

Bis auf einzelne Posen bleibt alles sittsam und nett: Bryan Adams Bild: F.A.Z. - Michael Kretzer

Bryan Adams ist ein Protagonist des Dudelfunks, und wenn aus dem Radio „das Beste aus den Achtzigern, Neunzigern und von heute“ angepriesen wird, dürfen seine Hits nicht fehlen. Nun spielte der Kanadier auf dem Frankfurter Opernplatz.

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          Das beste Lied kam ganz zum Schluss, doch 5600 Kehlen blieben stumm. Dabei eignen sich die Zeilen „. . .and if you give me weed, whites and wine and show me a sign. . .“ ganz hervorragend zum Mitschmettern. Aber „Willin’“ ist nicht von Bryan Adams, sondern von „Little Feat“ und wurde ja auch nur als erste Konserve nach Adams’ Auftritt beim Opern Air in Frankfurt gespielt.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Wahl gerade dieses Songs als Begleitmusik für den Weg zum Ausgang mag purem Zufall zu verdanken gewesen sein. Vielleicht steckte aber auch der geheime Plan dahinter, den Menschen mitzuteilen, dass es noch Musik abseits des verdammungswürdigen Dudelfunks gibt.

          Immer der gleiche Aufguss

          Bryan Adams ist ein Protagonist dieses Dudelfunks, und wenn aus jedem Radio kenntnisfrei „das Beste aus den Achtzigern, Neunzigern und von heute“ angepriesen wird, dürfen die zahllosen Hits des Kanadiers nicht fehlen. Den medialen Overkill kann man Adams sogar noch nicht einmal anlasten. Schon 1982, mit seinem zweiten Album, hatte er schließlich verkündet, den Gesetzmäßigkeiten des Marktes folgen zu wollen. „You want it, you got it“ heißt es da, und seitdem liefert Adams absolut verlässlich einen formelhaften Mix aus Balladen und hemdsärmeligen, nun ja, „Rockern“. Das ist so aufregend wie ein Besuch in der Hamburger-Braterei, die aber auch niemand aus kulinarischer Abenteuerlust ansteuern würde.

          Ein Fan durfte mit Adams im Duett „When you’re gone” singen

          Doch selbst wenn Bryan Adams seit einem Vierteljahrhundert den immer wieder gleichen Aufguss bietet, ist er doch ein ehrenhafter Handwerker geblieben, der nicht nur mit bewundernswerter Professionalität, sondern auch mit Freude seinem Tun nachgeht. Seine künstlerischen Ambitionen hat er zwar längst auf das Feld der Fotografie verlegt, doch darüber ist ihm die Bühne nicht zur Pflicht verkommen.

          Vielleicht ist der Konzertbetrieb sogar Adams’ stärkste Waffe. Man kann sein musikalisches Werk als eine einzige Ansammlung des Grauens betrachten, doch Adams’ ewig jungenhaftem Charme dürften selbst notorische Krittler und Nörgler erliegen. Zudem hat er sich bei allem Erfolg eine Volksnähe bewahrt, so dass er unter den Stars seines Kalibers zu den wenigen Ausnahmen gehört.

          Soft-Rockhymnen und Wunderkerzen-Balladen

          Wenn Adams und seine versierte Band ihr Konzert auf dem Opernplatz auf einer kleinen Bühne inmitten des Publikums begannen, hatte dies nichts mit Anbiederung zu tun, sondern betonte eher noch das Bild der netten Kumpels von nebenan, denen man auf ihrem Weg zur großen Bühne ruhig auf die Schulter klopfen darf. Zu diesem einträchtigen Bild von freundlicher Band und wohlmeinendem Publikum passte dann auch vorzüglich Adams’ „Buddy Rock“, bei dem man sich nach knapp zweistündigem Konzert fragte, ob der Mann eigentlich wenigstens ein Lied geschrieben hat, das kein Radio-Hit geworden ist.

          Von den strammeren (Soft-)Rockhymnen „Cuts like a knife“, „This time“ oder „Summer of ’69“ über die Wunderkerzen-Balladen wie „(Everything I do) I do it for you“ bis zum Gewinsel von „Please forgive me“ war alles dabei, was die Fans erfreut. Einem Fan, der Juristin Melanie aus Hattersheim, war sogar ein ganz besonderer Moment vergönnt. Sie durfte mit Adams im Duett „When you’re gone“ singen. Solche Einlagen können durchaus peinlich enden, doch Melanies Textsicherheit und Adams’ Charme ließen so etwas wie Gefahr erst gar nicht aufkommen.

          Wer meint, Rockmusik sollte gelegentlich schon wild oder gefährlich klingen, wird aber auch nicht unbedingt bei Bryan Adams suchen. Hier ist alles sittsam und nett. Selbst wenn Gitarrist Keith Scott einmal die Saiten härter anschlägt oder gar die Gitarre aufjaulen lässt, muss niemand befürchten, vor Schreck das Bügeleisen fallen zu lassen. Deshalb ist Bryan Adams auch ein Liebling des Formatradios. Bei dem rennt keiner weg. „Weed, whites and wine“ muss man deshalb woanders finden.

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