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„Dream Play“ : Jubel für jugendfrische Tanzkunst

„Le sacre du printemps” als Tagtraum eines Jungen: „Dream Play” von Johan Inger Bild: Joris-Jan Bos

„Zeigen, was wichtig ist!“ lautet der Slogan einer „Tanzoffensive“, die der Frankfurter Mousonturm mit der Jahrhunderthalle beginnen will. Der erste Versuch mit dem Nederlands Dans Theater ist gelungen.

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          Was wichtig ist, darin scheinen sich die Zuschauer einig zu sein: Sie strömten jedenfalls geradezu in die Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst. „Zeigen, was wichtig ist!“ lautet der Slogan einer „Tanzoffensive“, die der Frankfurter Mousonturm mit der Jahrhunderthalle beginnen will. Der erste Versuch ist gelungen: Dass das hiesige Ballettpublikum das Nederlands Dans Theater (NDT) liebt, ob die „erwachsene“ Companie NDT I oder das inzwischen leider aufgelöste NDT III mit den Stars jenseits der vierzig, ist allerdings keine allzu große Überraschung - alle drei Truppen waren früher öfter zu Gast, in Frankfurt und bei den Wiesbadener Maifestspielen.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          NDT II mit seinen jungen Tänzern zwischen 17 und 23 Jahren gastierte allerdings zuletzt vor drei Jahren an der Oper Frankfurt. Ihre technische Brillanz und ihr frischer Zugriff auf die Werke der hauseigenen Choreographen verfehlten auch diesmal ihre Wirkung nicht. Wie stets ist die Lichtregie exquisit und kreiert atmosphärische Räume; ohne zu prahlen, verstehen es die Kostümbildner, der stets üppig ausfallenden Tanzkunst ein weiteres Element hinzuzufügen. Und schon das Eröffnungsstück des Hauschoreographen-Paares Sol Léon und Paul Lightfoot weist all diese Stärken der NDT-Companien auf. Surrealistisch wie so oft ist auch „Sleight of hand“, wenn ein in turmhohen Gestellen als Riesen agierendes Tänzerpaar als Dirigenten eines Panoptikums fungiert. In düstere Fracks und quasi-nacktes Hellgrau gehüllte Protagonisten erscheinen, marionettenhaft oder wie traumgesteuert, in Soli und schließlich einem intensiven Pas de deux. Bis die Frau das Spielfeld allein verlässt, während noch der Vorhang sinkt. Ein Abschluss, den auch Medhi Walerski für „Mammatus“, das letzte Ballett des Abends,gewählt hat, das zu einer Auftragskomposition von Dirk Haubrich an ägyptische Grabgemälde erinnernde Bilder entwirft.

          Weiter Raum für Assoziationen

          Die „Tanzoffensive“ versteht sich als Einladung, aktuelle Positionen renommierter internationaler Companien zu zeigen. „Mammatus“ des 29 Jahre alten Walerski ist erst zum Tournee-Saison-Auftakt im Februar uraufgeführt worden und insofern ein passendes Beispiel. Walerski lässt nicht nur virtuos tanzen, er spielt mit Geräuschen wie aufgeworfenem Kies, mit Sprache, öffnet weiten Raum für Assoziationen wie für die Brise, die weiße Windrädchen zum Drehen bringt. Das ist zuweilen aggressiv, manchmal melancholisch, aber doch, wie oft bei NDT-Stücken, auch komisch. Nicht nur den Humor teilt Walerski mit Johan Inger, dessen „Dream Play“ die älteste Choreographie des Abends war: Auch Inger war, als er zu choreographieren begann, noch Tänzer des NDT I. Ingers 2000 entstandene Version macht aus „Le sacre du printemps“ den kurzen, heftigen Traum eines Jungen, der auf der Straße einer schönen Frau begegnet. Was daraus werden kann? Kraftvoller Tanz vier sich balgender Jungs, bis eines von zwei Mädchen von einem Schuss getroffen wird. Besser also, die Dame zieht unbehelligt an dem Jungen vorbei - und die Lacher sind auf der Seite des Publikums.

          Der Jubel für die jugendfrischen Tänzer des NDT II war groß. Den Fortgang der „Tanzoffensive“ wird das Gastspiel des renommierten Tänzers und Choreographen Akram Khan im August zeigen.

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