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Pianist Dmitry Ablogin : Der Klang des historischen Hammerflügels

Individuelle Interpretationen: Dmitry Ablogin am Flügel von Biber (ca. 1835) an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt. Bild: Frank Röth

Der aus Moskau stammende Dmitry Ablogin, der im vergangenen Oktober den Deutschen Pianistenrpeis gewonnen hat, lebt gern in Frankfurt. Mit dem Eliot-Quartett verbindet ihn Freundschaft.

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          Der nach seinem Sieg beim Wettbewerb um den Internationalen Deutschen Pianistenpreis und dem großen Finalkonzert in der Alten Oper im vergangenen Oktober in dieser Zeitung erschienene Beitrag habe ihn sehr gefreut, „besonders auch die Überschrift“, sagt Dmitry Ablogin: Der Titel „Der erste Heimsieg“ habe ihm so gefallen, weil er sich in Frankfurt als Dozent an der Musikhochschule und im Umfeld mit Kollegen und Freunden sehr wohlfühle und insofern als Russe überzeugter Wahl-Frankfurter sei. „Ich möchte sehr gerne in Frankfurt bleiben“, sagt Ablogin, der sich gegen hundert exzellente Mitbewerber aus aller Welt durchsetzte und durch den Erfolg mit seinen individuellen Interpretationen viel Aufmerksamkeit erregte.

          Seit gut fünf Jahren lebt der 1989 in Moskau geborene Pianist hier, seit er zur weiteren Ausbildung an die Frankfurter Musikhochschule kam, um bei Jesper Christensen Hammerklavier zu studieren. Vier Jahre später erwarb er den Master-Grad an diesem historischen Tasteninstrument, aus dem sich über verschiedene Formen hinweg der moderne Konzertflügel entwickelte. Inzwischen unterrichtet Ablogin als Dozent selbst an genau jenem um 1835 in München gebauten Hammerflügel aus der Werkstatt von Aloys Biber, an dem er im Oktober 2016 zu Beginn seines Auslandsstudiums saß und als vollausgebildeter Pianist doch nach dem ersten Unterricht bei Christensen das Gefühl hatte, „nichts von diesem Instrument zu verstehen“: „Der Anschlag, das Pedal – alles ist anders“. Zwei Jahre habe es allein gedauert, eine dem Hammerflügel angemessene An­schlagstechnik zu finden.

          Unterschiedliche Register

          Seit langem versucht Ablogin, seine Erfahrungen mit dem Klang solch alter Tasteninstrumente auf den modernen Flügel zu übertragen. So klinge an den Hammerflügeln, bei denen die Saiten mit weniger Spannung auf einem Holzrahmen und nicht auf einem Stahlrahmen gespannt sind, der Bass stärker als der deutlich schwächere Diskant, während die Mittellage meistens für das Kantable genutzt worden sei. „Am modernen Konzertflügel gibt es diese Unterschiede in den Registern nicht. Er ist wie ein hochwertiges Smartphone universell einsetzbar, er kann alles und macht die Hälfte der Arbeit für dich“, erläutert Ablogin.

          Das Rubato-Spiel, das ausdrucksvoll in Tempo und Rhythmus verzögerte Spiel, habe sich am Hammerflügel also auch entwickelt, weil die tiefere Begleitung in der linken Hand oft die Melodie in der rechten im Diskant übertönte. Mit dem Rubato-Spiel könne man das ausgleichen und die Melodie besser hörbar machen. Solche Überlegungen zu den Klangverhältnissen leiten Ablogin bei seinem Interpretationen am modernen Flügel.

          Dass er einmal Spezialist für Hammerflügel werden sollte, habe er eigentlich nie gedacht, räumt er ein. Zwar habe er Interpreten wie Andreas Staier und Kristian Bezuidenhout schon früh geschätzt, doch nie angestrebt, selbst in diese Richtung zu gehen. Unterschwellig prägend mag aber sein erstes Klavier daheim gewirkt haben: „Es war ein ­Instrument der aus Deutschland nach Sankt Petersburg gekommenen Klavierbau-Firma Schröder vom Ende des 19. Jahrhunderts, schwarz, mit Elfenbeintasten, sehr mysteriös aussehend, ein bisschen wie ein Sarg“, erinnert sich Ablogin lachend.

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