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Konzert : Romantik im Hintergrund

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Der finnische Dirigent Hannu Lintu gilt als souverän gestaltender und ökonomisch taktierender Musiker. Beim Konzert des hr-Sinfonieorchesters im Frankfurter Sendesaal präsentierte er ein anspruchsvolles Programm.

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          Zwar wurde der Finne Hannu Lintu beim Konzert des hr-Sinfonieorchesters im Frankfurter Sendesaal dem Publikum als Debütant vorgestellt, doch ist der Dirigent alles andere als ein Anfänger im grenzenlosen Musikgeschäft. Nicht nur die im Programmheft abgedruckte Biografie weist ihn als vielbeschäftigten Künstler mit reichem Erfahrungshorizont aus – sein Dirigierstil und sein interpretatorisches Augenmerk erwiesen ihn vom ersten Takt an als souverän gestaltenden und ökonomisch taktierenden Musiker.

          Für sein Debüt hatte Lintu mit dem Hessischen Rundfunk ein anspruchsvolles Programm abgesprochen. Der Abend begann mit der 1995 konzipierten Komposition „Arena“ von Magnus Lindberg. Das Auftragswerk des Sibelius-Wettbewerbs 1995 enthält – eher ungewöhnlich für den Stil dieses Komponisten – eine subtile Anverwandlung der Tradition, spürbar durch ein motivartiges, gar ornamentale Wendungen enthaltendes Liniengeflecht und eine „brüchige“, an Berg oder Mahlers Spätwerk erinnernde Harmonik.

          Souverän ausgewogene Interpretation

          Zuweilen schien es gar Sibelius nicht fern, wie der wabernde Streicherbeginn in dessen Violinkonzert op. 47 zum Vergleich bewies, das die Sibelius-Wettbewerb-Preisträgerin Alina Pogostkina mit wachsender Expressivität und technischer Sicherheit spielte.

          Als weiteres hochinteressantes, wenngleich retrospektives Werk stand die Sinfonie Nr. 4 Es-Dur op. 48 von Alexander Glasunow auf dem Programm, die in zeitlicher Nähe zu Tschaikowskys „Pathétique“ entstanden ist. Ihr friedvoller Beginn (Englischhornsolo über leisem Streicherteppich) ruft Erinnerungen an den zweiten Satz aus Tschaikowskys fünfter Sinfonie wach, wo das Solohorn über leisen Streichern eine ähnliche Atmosphäre erzeugt. Reizvoller ist das Scherzo, geschmackvoll jedoch das gesamte Werk. Lintus souverän ausgewogene Interpretation zeigte den Komponisten im besten Licht.

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