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Digitales Bockenheimer Depot : Das alles gibt es nur in der Phantasie des Erzählers

  • -Aktualisiert am

Auditorium mal anders: Szene aus „Karneval der Tiere“ im Bockenheimer Depot in Frankfurt. Bild: Vincent König

Jetzt auch mit Eichhörnchen-Kostüm: Der „Karneval der Tiere“ digital aus dem Bockenheimer Depot in Frankfurt. Die Inszenierung hätte wahrscheinlich auch Loriot gefallen.

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          Wenn der Erzähler sein Opernglas ansetzt, sieht er sie alle, den Esel, den Elefanten und sogar den Mehlwurm, der seinen Auftritt im „Karneval der Tiere“ allerdings nicht dem Komponisten Camille Saint-Saëns verdankt, sondern sich ausschließlich in die Erzählfassung Loriots hineingewunden hat. Im Bockenheimer Depot, in dem neben den Musikern des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters als einziger Zuschauer der Schauspieler Christoph Pütthoff Platz genommen hat, scheint nur er die ganze tierische Gesellschaft kostümierter Statisten wahrnehmen zu können, die er gegenüber seiner samtrot-verschnörkelten, im Stil des späten 19. Jahrhunderts gehaltenen Theaterloge erblickt. Nur, wenn wir mit ihm durch die Perspektive seines Opernglases schauen, sehen auch wir das vermenschlichte Personal der „großen zoologischen Fantasie für Kammerorchester“, die der Komponist 1886 als sein bis heute meistgespieltes Gelegenheitswerk verfasste.

          Die gleichermaßen phantasievolle und werkdienliche Inszenierung der Regisseurin Katharina Kastening ist in den nächsten Wochen im Stream auf der Internetseite der Oper Frankfurt zu sehen. Sie greift die derzeit in der Allgegenwart des Digitalen bestens vertrauten Motive subjektiver Perspektiven und visueller Illusionen geschickt auf, ohne je übergriffig gegenüber dem Kosmos der 14 kurzen Musikstücke des tierischen Reigens zu werden.

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