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Digitale Klänge aus Rödermark : Synthetisches mit Seele

Digital Native: Ralf Schreiber beschäftigt sich nicht nur beruflich, sondern auch musikalisch mit dem Thema Digitalisierung. Bild: Patrick Liste

Kommunikation ist das Geschäft von Ralf Schreiber, aber auch seine Leidenschaft, wenn damit die musikalische Kommunikation gemeint ist. Mit dem Projekt The-Dept. erfüllt sich er Künstler aus Rödermark nun einen Traum.

          2 Min.

          Als der gemeine Student in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts noch Kopien seiner auf der elektrischen Schreibmaschine gehackten Thesenpapiere im Politik-Seminar verteilte, präsentierte Ralf Schreiber seine Erkenntnisse schon mittels Videoprojektoren. Computer, ihre Technik und vor allem die Chancen der Digitalisierung hatten ihn schon zu Schulzeiten fasziniert und nie mehr losgelassen. Er hat sich in seiner am politikwissenschaftlichen Seminar der Goethe-Universität Frankfurt vorgelegten Dissertation mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt, danach in leitenden Funktionen bei kleineren und größeren Verlagshäusern in Hessen die Digitalisierung vorangetrieben und schließlich gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Matthias Fenner in Rödermark ein eigenes Unternehmen namens native:media gegründet, das sich auf Online-Systeme für Medienhäuser spezialisiert hat.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kommunikation ist also Schreibers Geschäft, aber auch seine Leidenschaft, wenn damit die musikalische Kommunikation gemeint ist. „Musikproduktion ist mein Steckenpferd, und diese Leidenschaft reicht bis in die neunziger Jahre zurück“, sagt er im Gespräch: „Damals avancierte die Musiksoftware Cubase von Steinberg zum Standard. Mit der ließ sich viel anstellen. Und seitdem habe ich mir nach und nach ein Heimstudio aufgebaut und für mich Musik produziert.“ Mit Gitarre, Banjo, Bass und einigen alten Yamaha-Synthesizern werkelte er im Grunde schon seit den frühen neunziger Jahren an eigenen Songs, die seine musikalischen Vorlieben spiegelten: EBM, Wave, Indie-Rock. „Nichts für die Massen“, wie der Vierundfünfzigjährige sagt: „Und gewiss mit einem Hang zu elektronischer Musik. Ich war schon als Schüler von Kraftwerk begeistert, was meine die Gitarre schrammelnden Musiklehrer eher verstörte.“

          Aneinanderreihung von Sound-Schnipseln

          Die so im Laufe der Jahre entstandenen Lieder zu veröffentlichen war Schreiber aber lange nicht in den Sinn gekommen. Einige Songs hatte er bei privaten Gelegenheiten zwar aufgeführt, doch „dauert der Aufbau der ganzen Verdrahtungen eineinhalb Tage“, erinnert er sich an die wenigen Konzerte.

          Mit dem Ausbruch von Corona im vergangenen März ist dann aber doch der Drang über ihn gekommen, einige Songs aufzunehmen und auch gleich zu veröffentlichen, sowohl digital als auch greifbar, nämlich als CD und auf Vinyl. „Weil wir keinen Kunden besuchten, hatte ich plötzlich Zeit und sah außerdem die Zeit reif für einige der Texte, die sich ja mit der Veränderung unseres Lebens durch die Digitalisierung beschäftigen“, sagt er und fügt lachend hinzu: „Außerdem geht mir die aktuelle Musik einiger Träller-Barden derart auf den Geist, dass ich dem etwas entgegensetzen möchte. Da ich mich schon so lange mit Musikproduktion beschäftige, weiß ich ja, mit welch banalen Mitteln da oft einfach nur einige Sound-Schnipsel aneinandergereiht werden.“

          Unter dem Namen The Department of Reconstruction and Dematerialization, kurz The-Dept., hat Schreiber nun vier auf Englisch und Deutsch getextete Songs auf einer EP veröffentlicht und dabei den Spagat von knackiger EBM, die sich am Sound der späten achtziger und frühen neunziger Jahre orientiert, sowie durchaus poppigen Melodien gewagt. EBM Neo Pop nennt er selbst seinen Stil, was Puristen vielleicht an die Quadratur des Kreises denken lässt, doch Scheuklappen will Schreiber erst gar nicht anlegen: „Eigentlich versuche ich, synthetischer Musik eine Seele zu geben“, sagt er und freut sich schon auf mehr. Ein Video und auch Konzerte sind geplant.

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