https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/die-schau-wan-n-da-in-der-frankfurter-galerie-greulich-portraetiert-das-weibliche-18201098.html

Bildnis und Genderfragen: Fritz Bornstück, „Bad Hair Day“, 2021, ist in der Ausstellung vertreten. Bild: Galerie Greulich

Galerie Greulich : Lena, Ellen, Issa und die anderen

Es geht um das klassische Thema des Bildnisses: um Porträts von jüngeren wie älteren Frauen, von Puppen, Püppchen, Stars und Sternchen.

          2 Min.

          Frankfurt ⋅ Und dann glaubt man es beinahe selbst. Vor Fritz Bornstücks offenbar ein wenig aus dem Ruder gelaufenen „Bad Hair Day“ etwa. Oder Franziska Klotz’ „Lena“ in Tusche auf Papier. Und wenn man sich angesichts von Jan Muches „o.T.“ an David Bowie ebenso erinnert fühlt wie an die junge Caterina Valente, dann ist vielleicht tatsächlich etwas dran. Dass nämlich, wie Andreas Greulich meint, die Ausstellung in seiner Galerie „die Tür zur aktuellen Genderdiskussion“ öffne. „Mit allem, was dazugehört.“ Was man gar zu gern als Kuratorenprosa abtun möchte. Bleibt doch die Antwort auf die Frage, was das denn bei Licht besehen sei, zunächst vor allem reichlich vage.

          Dabei stimmt ja, ist es das nachgerade klassische Thema des Bildnisses, das die verschiedenen Temperamente der Schau zusammenhält. Porträts von jüngeren wie älteren Frauen, von Puppen, Püppchen, Stars und Sternchen, die sich in der Zusammenschau zu Bildern weniger der Frau als des Weiblichen ergänzen. Zu Projektionen immer wieder auch, zu denen Künstler wie Künstlerinnen der einigermaßen rätselhaft „Wan(n) da“ überschriebenen Ausstellung sich hier kritisch und dort von sanfter Ironie grundiert, stets aber vor allem malerisch verhalten. Das gilt für die reizvollen, in all ihrer prallen Sinnlichkeit nachgerade barock anmutenden Aquarelle Sonja Alhäusers geradeso wie für Klotz’ jugendliche Mädchen, deren eigene Wahrnehmung als Frau „Moni“, „Ellen“ oder „Lena“ selbst nicht ganz geheuer scheint.

          Unheimlich mag man unterdessen auch all die „Hübschen Mädchen“, die „Lulus“ und „Issas“ nennen, wie sie seit einigen Jahren schon aus Bettina Sellmanns Bildern blicken. Weiß man doch nie so recht, woran man mit diesen in Romantik und Rokoko, Manga, Pop und Bad Painting gleichermaßen sich zu Hause fühlenden Porzellangesichtchen ist. Und doch blickte, sagen wir, „Lulu Rosé“ oder „Untitled (Pink)“ mit ihren blauen Augen statt somnambul ins Leere den Betrachter an, man bliebe stumm. Und stellte keine Fragen. Sebastian Meschenmoser, der einzige Galeriekünstler unter den sechs Positionen, von dem man vor allem seine lustvoll erzählerischen Arbeiten in Öl auf Leinwand kennt, kommt derweil dem realistisch aufgefassten Bildnis am nächsten.



          Christoph Schütte
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wenn er sich nach all den Wölfen, Bären, Affen, die das Werk des in Frankfurt geborenen Künstlers bevölkern, mit „Modell 1 und 2“ dem Menschen und insbesondere dem weiblichen Porträt zuwendet, möchte man das nachgerade klassisch akademisch nennen. Anders aber als in all den buchstäblich fabel-haften Bildgeschichten der vergangenen Jahre bleibt hier noch stets vor allem offen, was gerade jetzt in diesem Augenblick in Meschenmosers Atelier geschieht. Und manchmal, wie in „Copy Paste“, will man es so genau auch lieber gar nicht wissen.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Schule für das Leben: Ball der Waffenbrüderschaft im November 1987 in der MfS-Bezirksverwaltung Dresden

          Putin in der DDR : Eine gute Schule für das Leben

          Fünf Jahre arbeitete Wladimir Putin als KGB-Offizier in Dresden. Stasi-Unterlagen aus dieser Zeit verraten mehr über den russischen Präsidenten, als diesem lieb sein dürfte. Ein Gastbeitrag.