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: Die Fans drehen durch: "Oper extra" zu Claudio Monteverdis "L'Orfeo" im Bockenheimer Depot

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Die Titelfigur der Oper "L'Orfeo" von Claudio Monteverdi wird in der Inszenierung von David Hermann, die als Produktion der Oper Frankfurt am Sonntag um 20 Uhr im Bockenheimer Depot Premiere hat, als extremer Künstler zu sehen sein.

          Die Titelfigur der Oper "L'Orfeo" von Claudio Monteverdi wird in der Inszenierung von David Hermann, die als Produktion der Oper Frankfurt am Sonntag um 20 Uhr im Bockenheimer Depot Premiere hat, als extremer Künstler zu sehen sein. Der mythische Sänger wird demnach durch sein Leid zu großartiger Musik inspiriert. Orpheus lebe ganz für seine Musik, sei "verschlossen, depressiv, hypersensibel und hochbegabt, aber nicht begabt zum normalen Leben". Der Tod seiner Geliebten Euridice führe ihn in einen "kreativen Wahnsinn", erläuterte der junge Regisseur gestern bei der Einführungsmatinee "Oper extra". In diesem Zustand glaube er, Euridice mittels seiner Kunst "aus der Unterwelt herausholen" zu können.

          Die in dem Stück vorkommenden Hirten sollen in Hermanns Inszenierung als Orfeos "Fans" gezeigt werden, als unbedeutsame Menschen ohne Charakter und Charisma, die ihr Idol bewundern wegen der Eigenschaften, die ihnen fehlen. Wie man es von richtigen Fans kenne, könnten sie aber auch "durchdrehen", sagte Hermann. So haßten sie etwa Euridice, weil sie von Orfeo mehr Aufmerksamkeit bekomme. Bei Hermann beschließen die Hirten oder Fans, ihrem Vorbild die Szenen in der Unterwelt vorzuspielen. Orfeo nimmt ihr Spiel als "Subjektivist" indes für bare Münze.

          Die Musik soll in der ganzen Produktion jedoch im Mittelpunkt stehen, führte der Bühnen- und Kostümbildner Christof Hetzer aus: "Wir wollten die Geschichte nicht mit unseren Bildern zupflastern." Vielmehr sei alles so angelegt, "daß sich der Zuschauer selbst etwas vorstellen kann". Der Orpheus-Mythos habe schon immer als "Projektionsfläche" gedient. Monteverdi sei es dabei gelungen, aus sehr heterogenen Quellen ein Stück in "dramaturgisch exzellenter Form" herzustellen, äußerte der Dramaturg Zsolt Horpacsy. Die Uraufführung des Werks, das als erste Oper der Musikgeschichte gilt, sei am Hof in Mantua am 22. Februar 1607 auch eine "Machtdemonstration" gewesen. Die Sänger waren höfische Angestellte und zugleich auch als Instrumentalisten tätig.

          Die Besetzung des Orchesters ist aus der Partitur ersichtlich, die sogar als Faksimile vorliegt. Viele Freiheiten bleiben allerdings im Einzelfall bei der Continuogruppe, vor allem bei der Begleitung der rezitativischen Teile. Laut Generalmusikdirektor Paolo Carignani, der in Frankfurt seine erste Barockoper leiten wird, wurde der gewünschte Klang während der Proben beispielsweise so abgestimmt: "Hier klingt das Cello zu schwer, wir brauchen ein Theorbe."

          Das Orchester wird insgesamt mit 25 Musikern besetzt sein, mit spezialisierten Gästen auf historischen Instrumenten und mit Streichern des Museumsorchesters, die Darmsaiten auf ihre Instrumente spannen. Der Chor besteht aus 15 Mitgliedern des Konzertchors Darmstadt. Die sehr umfangreiche und anstrengende Titelpartie ist alternierend mit dem deutschen Bariton Christian Gerhaher und dem Italiener Giorgio Caoduro besetzt. Caoduro, Konstanze Schlaud (Sopran), Arlene Rolph (Mezzosopran), Toshinori Osaki (Theorbe) und Wiebke Weidanz (Cembalo) umrahmten die Veranstaltung mit Musik von Monteverdi. GUIDO HOLZE

          Premiere am 13. März um 20 Uhr, weitere Vorstellungen am 16., 18., 19., 20., 23., 25. und 27. März

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