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Die Eagles : So leicht wird die Hölle nicht zufrieren

In die Jahre gekommen, doch gut bei Stimme: Die Eagles sind mit Spaß bei der Sache. Bild: Michael Kretzer

Easy Feeling: Die Megarockband Eagles bei Wind und Wetter auf dem Bowling Green vor dem Wiesbadener Kurhaus.

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          Ein grimmiger Wind treibt graue Wolkenberge vor sich her. Es ist kühl, doch nicht so kalt, dass gleich die Hölle zufrieren würde. Ein solches Phänomen wäre im Zusammenhang mit der amerikanischen Megarockband Eagles ohnehin nichts Neues. 1994 benannte die eigentlich heillos zerstrittene Gruppe ein Album, das ihre damalige Wiedervereinigung dokumentierte, beziehungsreich "Hell Freezes Over".

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Spiel des Windes mit den Wolken über Wiesbaden provozierte aber ein anderes Gedankenmodell. Könnten sich vielleicht die Elemente gegen die Begleitumstände eines gut besuchten, aber nicht ausverkauften Open-Air-Konzerts der derzeit wiedervereinten Eagles auf dem Bowling Green vor dem Kurhaus verschwören? Also eine Veranstaltung verhageln, die mit ihren Eintrittspreisen von bis zu 150 Euro pro Ticket, sich mit Sekt und Aperol Sprizz zuprostenden Besuchergruppen sowie Bestuhlung bis direkt vor die Bühne so gar nichts mehr mit den gängigen Vorstellungen von einem Rockkonzert gemein hatte? Der Wind hätte sich unbarmherzig zeigen können, so unbarmherzig wie die Kritiker der Band, die ihr den Ausverkauf der Laurel-Canyon-Ideale sowie wahlweise des Country-Rocks oder gleich des Rock 'n' Roll vorwarfen und ihr vorhielten, auf den Schultern von Giganten zu stehen, um näher am Füllhorn zu sein, aus dem die Dollar-Millionen auf Don Henley, Glenn Frey und den Rest der Gang strömten.

          An den Stimmen gab es nichts zu mäkeln

          So hätte man den ganzen Abend lang grummeln können, wäre nicht plötzlich die Bühne belebt worden und in vollendetem Harmoniegesang "Seven Bridges Road" erklungen. Umgeben von einigen Tourmusikern standen Bassist Timothy B. Schmit, Schlagzeuger Don Henley, Gitarrist Glenn Frey und Gitarrist Joe Walsh in einer Reihe und schmetterten aus vollem Hals die Folk-Hymne. In die Jahre gekommen, so sahen sie aus, doch an ihren Stimmen gab es nichts zu mäkeln.

          Das nächste Lied "How long", eine Komposition ihres alten Weggefährten J. D. Souther, bestätigte den positiven ersten Eindruck. Die Eagles waren bestens präpariert und mit Spaß bei der Sache. Nur Joe Walsh hielt sich etwas zurück und ließ stattdessen dem exzellenten Tourgitarristen Steuart Smith den Vortritt, um dann bei einem früh gebotenen "Hotel California" doch allmählich die Axt in die Hand zu nehmen und zumindest die markanten Läufe selbst zu spielen. Ein erster Höhepunkt war dann gewiss jener Song, der selbst Eagles-Verächter zur Abbitte zwingen würde - das so wunderbare wie unzerstörbare "Peaceful Easy Feeling", tongewordene Hängematten-Stimmung und Anlass für den ersten Massenchor des Abends.

          Fortwährendes Classic-Rock-Gefühl

          So ging es weiter mit einer Mischung aus Welthits wie "Lyin' Eyes" und etwas in Vergessenheit geratenen frühen Songs wie "Witchy Woman" hin zu einer Auswahl von Hits, die die Eagles als Solo-Künstler hatten. Henleys unsterbliches "Boys of Summer" durfte da ebenso wenig fehlen wie ein in die Jahre gekommenes, gleichwohl vom Publikum begeistert gefeiertes "Dirty Laundry", was weniger mit der bitteren Abrechnung mit den Boulevard-Medien als vielmehr mit der musikalischen Achtziger-Jahre-Soße zu tun haben dürfte, in die das Lied getaucht ist.

          Diese Ausflüge sorgten zwar für ein fortwährendes Classic-Rock-Gefühl, zerfransten aber letztlich doch etwas das Eagles-Programm. Joe Walshs "Funk # 49", Relikt aus seinen glorreichen Tagen mit der James-Gang, ist zwar immer noch ein Hammer, hat aber mit seiner Hard-Rock-Anmutung mit dem Eagles-Sound nichts zu tun, auch wenn das gefeierte, sogar mit einer Bläser-Sektion verstärkte "Heartache Tonight" oder "Life in the Fast Lane" unterstrichen, dass die Eagles zumindest in den Zeiten, als Walsh ihr Vorzeigegitarrist war, durchaus auch kraftvolleren Rock zuwege brachten.

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