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Städel Museum Frankfurt : Abkupfern als Kunst

Martin Schongauer (ca. 1445–1491), „Die dritte Törichte Jungfrau“ aus der Folge „Die fünf Klugen und die fünf Törichten Jungfrauen“, um 1475 Bild: Städel Museum

Plagiate sind heutzutage nicht gern gesehen. Was „Abkupfern“ in der Vergangenheit bedeutete und warum es gar nicht so schlecht sein muss, sieht man in der Ausstellung „Vor Dürer“.

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          Von sich selbst abschreiben ist erlaubt“, pflegte eine ältere Kollegin stets zu sagen. „Abkupfern“ ist das deshalb noch nicht – das wäre es erst, schriebe man von anderen ab. Dank diverser Plagiats-Wikis sind in den vergangenen Jahren etliche prominente Formen des Abkupferns zutage gefördert worden.

          Wo Abkupfern gang und gäbe war und eine überaus gescheite Sache obendrein, kann man jetzt im Städel Museum in der neuen Ausstellung „Vor Dürer“ sehen. Und auch, wie es sein kann, dass in der sogenannten westlichen Welt viele Bildmotive tief im kulturellen Gedächtnis haften.

          Weil sie, Heilige mit ihren Attributen, fesche Jungmänner, die Damen verführen, Rauf- und Saufbolde, Dorffeste und Kinderszenen, seit Mitte des 15. Jahrhunderts immer wieder dargestellt worden sind.

          Die Bilder lernten reisen, als die Kupferstecher Vorlagen kopierten. Und wenn ein Schongauer, ein Dürer oder ein Hausbuchmeister ein herausragendes graphisches Werk geschaffen hatten, waren sich ebenso herausragende Kollegen nicht zu fein, das anzunehmen, zu variieren, neu zu interpretieren.

          Da ist etwa das „Rauchfass“, das Martin Schongauer als auf die Spitze getriebenen Beleg all dessen, was ein Kupferstich als Abbild eines Objekts vermag, geschaffen hat, das dann Israhel van Meckenem noch zu überbieten versuchte.

          Und manchmal sind die neuen Stücke tatsächlich seitenverkehrt die berühmte Vorlage: Buchstäblich „abgekupfert“ also, Vorlage auf Kupfer. Ein Lernprozess durch Ab- und Nachbildung. Ganz jenseits vom Plagiat.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

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