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Deutsches Filminstitut : Mit dem Erbe in die digitale Zukunft

Szene mit Asta Nielsen aus „Die Filmprimadonna” von 1913 Bild: Deutsches Filminstitut

Mehr als 20.000 Lang- und Kurzfilme lagern in den Archiven des Deutschen Filminstituts. In der Reihe „Klassiker & Raritäten“ sollen einige der Filme künftig im Deutschen Filmmuseum Frankfurt und im Wiesbadener Caligari zu sehen sein.

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          Man kann auch dann expandieren, wenn man bei seinen Leisten bleibt: Als weiteren Beitrag zur Pflege des deutschen Filmerbes sieht die Direktorin des Deutschen Filminstituts (DIF), Claudia Dillmann, den jüngsten Coup, der ihr und ihren Mitarbeitern gelungen ist. Mit dem Insolvenzverwalter der Münchner Kirch Media hat das DIF jetzt vereinbart, die dem Unternehmen gehörenden Filmrechte zu vermarkten. Insgesamt sollen 120 Verleihkopien vom DIF verwaltet werden, dazu kommen die Rechte an 3500 Filmtiteln, vor allem von deutschen Produktionen aus den fünfziger Jahren.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Dabei sind viele Filme, die es sich lohnt, überhaupt einmal oder auch wieder zu sehen“, sagt Dillmann. Zu ihnen zählen etliche Klassiker des deutschen Nachkriegsfilms, von „08/15“ über „Liebe 47“ (1948) nach Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ bis „Alraune“ mit Hildegard Knef (1952), aber auch Perlen wie das „Schwarzwaldmädel“ oder „Das Wirtshaus im Spessart“. In der Reihe „Klassiker & Raritäten“ sollen zahlreiche der Filme künftig im Deutschen Filmmuseum Frankfurt und im Wiesbadener Caligari wieder zu sehen sein – dort bestreitet das DIF mit seinen Schätzen schon seit geraumer Zeit einen Teil des Kinoprogramms.

          Digitalisierung als größte Herausforderung

          Seit die Archive des Filmmuseums, das nun Teil des DIF ist, mit dessen Beständen zusammengelegt worden sind, verfügt es über rund 20.000 Kopien von Lang- und Kurzfilmen, die in Wiesbaden lagern. Dort arbeiten acht Angestellte an der Pflege des Bestands, von Januar an sollen noch weitere Stellen hinzukommen, um den wachsenden Verleih zu bewältigen und die Rechtevergabe zu betreiben. Auch der Internetauftritt soll dann verbessert werden. Die Kopien der 3500 Titel, deren Rechte für den deutschsprachigen Raum das DIF nun verwaltet, liegen in der ganzen Welt in Filmarchiven. Den Erlös teilen sich die Kirch-Insolvenzverwalter und das DIF.

          Im Bestreben, das Kulturgut Film künftigen Generationen zugänglich und in der öffentlichen Wahrnehmung präsenter zu machen, sieht Dillmann ihr Institut damit weiter fortgeschritten. Wie die Stiftung Deutsche Kinemathek hat das DIF diesen kulturpolitischen Auftrag; anders als das in Berlin ansässige Institut ist es aber ein nicht nur vom Bund, sondern von Bund, Land Hessen, Stadt Frankfurt, der Filmwirtschaft und sonstigen Geldgebern finanziertes unabhängiges Institut. Ob es in Zukunft auch eine digitalisierte Vermittlung dieses Filmerbes geben könnte, ist noch offen, den Vertrag sieht Dillmann als guten Anfang für weitere Projekte mit dem Material. Denn die Digitalisierung und die Aufbewahrung digital erstellter neuer Filme sieht sie als eine der größten Herausforderungen ihres Instituts. Ein auf neue Medien spezialisiertes Büro des DIF soll in das künftige Filmhaus Wiesbaden einziehen.

          Internetportal „Europeana“ feierlich eröffnet

          Ob es künftig eine Digitalisierung des deutschen Filmerbes geben könne, hängt laut Dillmann davon ab, wie die Politik entscheide. Denn der Zugang zu Filmen ist auf der ganzen Welt schwierig, fast 90 Prozent des Filmerbes sind entweder verschollen oder die Rechtslage ist ungeklärt. In diesem Fall sei es eher eine Last, dass der Film ein so junges Medium sei, sagt Dillmann: In den 110 Jahren Filmgeschichte sind die Rechte der meisten Dokumente noch nicht abgelaufen – erst nach 70 Jahren erlischt ein Urheberrecht. Gerade Digitalisierung und Internetprojekte wie das seit Jahren sehr erfolgreiche DIF-Vorhaben www.filmportal.de hülfen aber immer wieder dabei, Rechte zu klären, so Dillmann. Wenn die befristete Projektförderung des Bundes zum Jahresende ausläuft, erhofft sie sich eine staatliche institutionelle Förderung des Portals, das täglich wächst.

          Nicht nur deshalb werden demnächst noch mehr Techniker und Datenverwalter im DIF arbeiten: Mit dem Vorbild des Filmportals hat das DIF jetzt den Auftrag erhalten, im Rahmen eines breit angelegten europäischen Digitalisierungsprojekts die Abteilung Filmerbe digital zu verwalten und zu vernetzen – ein Großprojekt mit einem Volumen von rund sechs Millionen Euro, an dem sich Bund und Land mit 20 Prozent beteiligen. Als Europa-Koordinatorin des Filmprojekts wird Dillmann heute nach Brüssel reisen. Dort wird am Nachmittag das Internetportal „Europeana“ feierlich eröffnet: Der nun erstellte Prototyp verwaltet allein rund 3,5 Millionen Objekte. Darunter sind zwar erst knapp 2000 Kurzfilme, das aber soll sich bald ändern – von Frankfurt aus.

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