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Gruppe „Bändi“ : Der Blues der Finnen

Gruppenzeichnung: Ausschnitt aus dem preisgekrönten Booklet des preisgekrönten Albums „Unikuva“: Die Frankfurter Gruppe Bändi Bild: Imke Staats

Die Formation „Bändi“ spielt als einzige deutsche Gruppe Finnischen Tango. Und dies so gut, dass die Frankfurter nun mit dem Deutschen Rock & Pop Preis ausgezeichnet worden sind.

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          Von Butterfahrten, so ein Klischee, bringt man Heizdecken oder noch unnützeren Krempel mit, der Frankfurter Schlagzeuger Tomas Salzmann hingegen hat von einer solchen Tour eine musikalische Leidenschaft mitgebracht. Seine Fahrt führte ihn allerdings auch nicht in einem Bus zu einem „idyllischen Landgasthof“, von dem es kein Entrinnen gibt, sondern mit dem Fährschiff von der finnischen Hafenstadt Turku nach Schweden. Auf solchen Schiffen spielen oft Musikkapellen zum Amüsement und zum Tanz auf. Salzmann lernte bei solch einer Gelegenheit eine nette Finnin namens Anna kennen, die die Musiker bat, für den Frankfurter einen Tango zu spielen, zu dem sie singen würde. Um Salzmann war es nach dieser Einlage geschehen, was selbstverständlich auch mit der Musik zu tun hatte, gilt Tango doch in Finnland als Nationalmusik.

          Christian Riethmüller
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die finnische Liebe zu der im 19. Jahrhundert in den Hafenvierteln von Buenos Aires und Montevideo und somit am anderen Ende der Welt entstandenen Musik reicht ins Jahr 1913 zurück, als ganz Europa vom Tangofieber gepackt war. Allerdings schwangen die Finnen zum Tango Argentino nicht nur das Tanzbein, sondern ließen von den oft melancholischen Klängen auch ihr Gemüt anrühren. Der Tango sprach ihnen aus der Seele, und finnische Komponisten begannen, eigene Tangos zu schreiben, die zwar in der Tradition der südamerikanischen Vorbilder standen, aber häufiger in Moll als in Dur gesetzt waren und auch eine andere Melodieführung etablierten – der Finnische Tango war geboren. Mit finnischen, aber auch schwedischen, deutschen oder spanischen Texten gesungen, erlebte er in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts eine erste Blüte und erfuhr dann in den achtziger Jahren eine weitere Blüte, die bis heute anhält.

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