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Deutscher Buchhandlungspreis : Wie man erfolgreich Bücher verkauft

Bücherfrauen: Parwin Schah-Mohammedi, Andrea Großmann und Ailkke Schmidt (von links) in der Frankfurter Buchhandlung Land in Sicht. Bild: Wolfgang Eilmes

Trotz des Erfolges großer Ketten, Online-Händlern und Smartphone-Lesern ist beim Deutschen Buchhandlungspreis noch das große Geld zu gewinnen. Die Nominierten beweisen: Bücher sind nicht nur etwas für alte Hasen.

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          Hoffen und Bangen geht anders. Wer von Monika Grütters für diesen Mittwoch Abend zur Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises nach Rostock eingeladen worden ist, kann sich eines Antrittsgelds von 7000 Euro schon sicher sein. Bis zu hundert der 118 Nominierten aus ganz Deutschland erhalten von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien eine Summe in dieser Höhe. Spannend bleibt es für die angereisten Buchhändler trotzdem, wenn in der Rostocker Stadthalle um 19 Uhr die Preisverleihung beginnt.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Auch für Christopher Deyer. Der Inhaber des Wiesbadener Buch-Cafés Nero 39 ist einer der Buchhändler, die sich aus Hessen an die Ostsee aufgemacht haben (siehe Kasten). Vielleicht zählt sein Unternehmen ja zu den bis zu fünf Geschäften, die mit jeweils 15.000 Euro bedacht werden. Oder zu den drei Buchhandlungen, denen die Jury jeweils 25.000 Euro zuerkennt. Wie sie entschieden hat, erfahren die Versammelten erst während der Feier. Die höchste Dotierung jedenfalls bedeutet so viel Preisgeld wie für den Sieger des Deutschen Buchpreises, der in knapp zwei Wochen in Frankfurt für den besten Roman des Jahres vergeben wird. Eine Summe, die sich sehen lassen kann.

          Ist das Narrativ von der Krise des Lesens vielleicht doch eine Legende? Die Frankfurter Buchhandlung Land in Sicht ist in diesem Jahr einer von 118 Empfängern des Deutschen Buchhandlungspreises.

          „Ein schönes Buch verdient eine schöne Buchhandlung“

          Die Auszeichnung vergibt Grütters seit 2015, um den unabhängigen, inhabergeführten Buchhandel zu unterstützen. Lange hatte er unter dem Erfolg der großen Ketten, anschließend unter Amazon und zuletzt unter dem Abwandern der Leser in Richtung Smartphone zu leiden. Eine verdeckte Subvention sieht Deyer in ihm trotzdem nicht: „Es ist eine Investition. In die Branche und in die Kultur.“

          Mit so etwas kennt er sich aus. Der 1984 in Wiesbaden geborene Quereinsteiger hat seinen Laden an der Nerostraße erst vor fünf Jahren eröffnet. Zwischen dunklem Holz, verzierten eisernen Säulen, großen Fenstern, Lehnsesseln und einem Kamin führt er deutsche und englische Romane, Philosophie, Kinderbücher und Kunst. „Ein schönes Buch verdient eine schöne Buchhandlung“, sagt er. Eine Einladung zum Entdecken solle der Besuch bei ihm sein, vom Tee bis zur Möglichkeit, sich abends mit dem Sortiment gemütlich einschließen zu lassen. Sie werde gerade in den Wintermonaten gern wahrgenommen.

          467 Buchhändler aus ganz Deutschland bewarben sich

          Buchhändler wie Deyer, deren durchschnittlicher Umsatz drei Jahre lang unter jeweils einer Million Euro gelegen hat, können sich für den Preis bewerben. In diesem Jahr haben 467 Buchhandlungen aus sämtlichen Bundesländern Bewerbungen eingereicht, acht Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die meisten waren alte Hasen, 82 bewarben sich erstmals. Gleich 62 Preisträger stammen aus dem Kreis dieser Neulinge. Das ist ein kleiner Trost für die im fünften Jahr des Preises gestiegene Zahl jener Händler, die sich mehrfach beworben haben, ohne bislang beachtet worden zu sein.

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