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Nachwuchsfotografen : Aufforderungen zur Reflexion

Skulpturales Konzept: Der Franzose Thomas Hauser in seinem der Erinnerung gewidmeten Projekt „The Wake of Dust“ Bild: © Thomas Hauser

Talentschau mit einem möglichen Einblick in die Zukunft: Die Deutsche Börse Photography Foundation präsentiert junge Fotografie aus aller Welt.

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          Es ist ein Blick in die Zukunft der Fotografie, den sich das Foam Fotografiemuseum in Amsterdam jedes Jahr gönnt. Seit 2007 unterhält die Institution ihr Förderprogramm „Foam Talent“, das sich an Fotokünstler unter 35 Jahren in aller Welt richtet. Die sind aufgefordert, ihre Arbeiten einzureichen und sich dem Urteil einer Jury zu stellen, die darüber befindet, ob die Arbeiten in der Talent-Ausgabe des vierteljährlich erscheinenden „Foam Magazine“ veröffentlicht und anschließend in einer Wanderausstellung präsentiert werden können, die in Metropolen wie New York, London und Paris gezeigt wird.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Rang dieser Städte darf sich auch Eschborn fühlen, denn dort ist die Ausstellung ebenfalls zu sehen. Die Deutsche Börse Photography Foundation ist nämlich seit zwei Jahren Partner des Amsterdamer Programms zur Förderung der zeitgenössischen Fotografie und zeigt nun bis 1. November im Börsensitz The Cube die Schau „Foam Talent 2019“.

          20 junge Künstler aus 13 Nationen

          Die präsentiert die Positionen 20 junger Künstler aus 13 Nationen, die unter genau 1853 Bewerbern aus rund 35 Ländern ausgewählt wurden. „Es sind Künstler zwischen Akademie und Museum, denen wir eine Plattform bieten möchten“, umschreibt Marcel Feil, Künstlerischer Direktor des niederländischen Museums, die Zielgruppe des Förderprogramms, die neben ihrem Können auch ein Quentchen Glück haben muss.

          Unsichtbares mittels chemischen Wechselwirkungen und durch optische Mittel erforscht: Sophie Gabrielles Reihe „Worry For The Fruit The Birds Won’t Eat“ Bilderstrecke

          Wie Feil sagt, wird das Talent-Magazin bereits vor der Jury-Auswahl kuratiert, was dazu führen kann, dass auch preiswürdige Portfolios ausscheiden, wenn sie einer anderen Position zu ähnlich sind. Entsprechend vielfältig ist die Auseinandersetzung mit dem Medium Fotografie in den Positionen, von denen einige eher Installationen denn reine, für Ausstellungswände gedachte Prints sind. Der Franzose Thomas Hauser in seinem der Erinnerung gewidmeten Projekt „The Wake of Dust“ und der Niederländer Jaya Pelupessy, der sich in „The Studio Sculptures“ mit Fragen der Reproduktion auseinandersetzt, etwa folgen jeweils einem skulpturalen Konzept, ohne sich aber visuell von der Fotografie zu entfernen.

          Die Rolle der Kamera

          Überhaupt spielt die Kamera, spielen Fotos für alle in der Ausstellung vertretenen Talente noch immer eine bedeutende Rolle, wenngleich nicht in einem dokumentarischen Sinne, was die Hinwendung vieler der ausgestellten Positionen zu sozialen, politischen und ökologischen Themen vermuten lassen könnte. Einfache Antworten auf die vielen komplexen Fragen einer vielschichtigen Welt wollen diese Arbeiten erst gar nicht liefern. Vielmehr sind die oft im Verbund mit langwieriger Recherche entstandenen Werke Aufforderungen zur Reflexion. Sei es Stelios Kallinikous Serie „Studies in Geology“, die am Beispiel von durch Bergbau geprägte Landstriche auf Zypern die Prozesse darstellt, die unseren Planeten geformt haben; seien es Maisie Cousins’ bevorzugte Objekte, nämlich sie selbst und im Zustand der Fäulnis befindliches Obst und Gemüse, dem sie sich mit dem Makroobjektiv nähert und dabei den Spagat zwischen Genuss, Sex und Natur schafft; sei es Sophie Gabrielles Reihe „Worry For The Fruit The Birds Won’t Eat“, in der sie die Welt des Unsichtbaren mittels chemischen Wechselwirkungen und durch optische Mittel erforscht und so Spuren des Verborgenen hervortreten lässt.

          Auf diesen Pfad hat sich auch der Franzose Sylvain Couzinet-Jacques mit seinem in Zeitlupe ablaufenden Film „Sub Rosa“ begeben. Der Film zeigt in während der Abenddämmerung entstandenen Momentaufnahmen eine Jugendclique in Madrid und befasst sich mit widersprüchlichen Themen wie Heimat und Utopie. Auf der Suche nach Utopien ist auch die 1973 in Frankreich gegründete Raëlistische Religion, von der das Projekt „Your Next Step Would Be To Do The Transmission“ von Valentine Bo erzählt. Das manipulative Modell dieser Ufo-Religion führt er mit absurd anmutenden Motiven vor, ganz so, als könne man der Absurdität nur noch mit Absurdität begegnen.

          „Foam Talent 2019“

          Die Ausstellung „Foam Talent 2019“ ist bis 1. November in The Cube in Eschborn, Mergenthalerallee 61, zu sehen.

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