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Depeche Mode in Frankfurt : Immer wieder Silberanzug

  • -Aktualisiert am

Dave Gahan und der Rest von Depeche Mode in der Commerzbank Arena in Frankfurt. Bild: DPA

Dreißig Jahre in zwei Stunden – die Poplegende „Depeche Mode“ begeistert beim Frankfurter Konzert wie eh und je ihre Fans.

          Bereits beim zweiten Lied, „Wrong“, stehen die Leute auf den Rängen. Wozu Zeit vergeuden, das Leben dauert womöglich nicht ewig. Es gibt nicht allzu viele Bands, die es sich wie „Depeche Mode“ leisten können, den Singlehit des aktuellen Albums „Sound of the Universe“ gleich zu Beginn zu verschleudern. Doch es gibt ja noch so viele mehr. Auch mit Posen hält Sänger Dave Gahan von Anfang an nicht an sich: Der Tanz mit dem Mikrofonständer, die weit ausgebreiteten Arme, der exzentrische Hüftschwung – alles wird prompt serviert, und man staunt. Musste dieser topfitte Typ nicht gerade erst diverse Konzerte wegen eines Blasentumors absagen? Sollte der sich nicht noch schonen? Egal und jetzt erst recht, scheint sich Gahan zu denken, der in der mit 42 000 Besuchern ausverkauften Frankfurter Commerzbank Arena noch etliche Kalorien verlieren wird und gut dabei aussieht.

          Den Oberkörper von einer knappen Weste nur notdürftig bedeckt, wirbelt der Endvierziger zwei Stunden lang in einem Tempo über die Bühne, das den durchschnittlichen Gleichaltrigen bereits nach fünf Minuten an den Rande eines Kreislaufversagens brächte. Dazu singt er noch aus vollem Hals, zum Beispiel „Try Walking in My Shoes“, ein Angebot, dass man nun wirklich nicht annehmen möchte, oder „It’s No Good“, rudert mit den Armen, wackelt mit dem Hintern, knöpft sich schließlich die Weste auf und klatscht seitlich in die Hände wie ein Flamencotänzer.

          Ob er endlich Gesangsstunden hatte?

          Bis irgendwann der Zeitpunkt für den großen Auftritt von Mastermind Martin Gore gekommen ist. Sicher, er sieht nicht annähernd so gut aus wie Gahan, trägt immer noch Kajal und den hellblonden Lockenmopp von 1980, dazu einen Silberanzug, aber schließlich hat Gore der Band fast sämtliche Lieder geschrieben und will daher nicht wie Bassist Andrew Fletcher im Hintergrund versauern. Mit „Jezebel“ trägt er zunächst eine der weniger gelungenen Barjazz-Balladen des neuen Albums vor – obwohl man zugeben muss, dass Martin Gore tatsächlich wesentlich weniger wimmert als früher. Ob er endlich Gesangsstunden hatte? Als der Mann in Silber schließlich mit „Question of Lust“ den langen Steg in die Menge einweiht, ist ihm Jubel gewiss. Er erwidert ihn mit huldvollen Gesten.

          Dann geht es aber schon wieder los mit wuchtigen Wummerbässen, Gahans an Jesus erinnernden Umarmungsgesten, die wie der Mikrofonständertanz auf die Dauer dann doch ein wenig eintönig wirken, und Stücken wie „Come Back“ oder „Peace“.

          Meistens dauert es eine Weile, bis das Gros der Masse die Hits auch erkennt

          Irritierend sind die Videos, die seltsam unausgegoren und wahllos abgespielt wirken. Mal fliegt eine Krähe über eine Felslandschaft, mal laufen Aufnahmen von Kampfjets, dann tanzt ein Gogo-Girl, ein Erotikvideo aus den Sechzigern wird angespielt, oder man sieht das Bühnengeschehen verfremdet und größer, mal in Farbe, mal in Schwarzweiß. Dem Publikum ist das aber natürlich nicht wichtig. Es will lieber zum x-ten Mal sehen, wie Dave Gahan sich in eine seiner Lieblingsposen wirft und dazu „Policy of Truth“ schmettert oder „I Feel You“. Meistens dauert es allerdings eine Weile, bis das Gros der Masse die Hits auch erkennt. Schließlich muss man auch als Fan das knapp dreißig Jahre umfassende musikalische Œuvre im Kopf erst mal durchdeklinieren, bevor man „Enjoy the Silence“ ausmacht.

          Schneller geht es freilich mit „Master and Servant“, einem dieser Synthiepop-Stücke, mit denen „Depeche Mode“ zur ersten Zugabe die achtziger Jahre aufleben lässt; endlich passt auch Gores Silberanzug perfekt ins Bild. Dramaturgisch geht noch etwas, mit „Personal Jesus“, die ersten Heimkehrer sitzen da allerdings schon in der S-Bahn.

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