https://www.faz.net/-gzg-9rmf8

Naturhistorisches Museum Mainz : 400 Millionen Jahre auf 600 Quadratmetern

  • -Aktualisiert am

Gigantisch: Der „Hauerelefant“ in der Halle des Naturhistorischen Museums Bild: Michael Kretzer

Elf Monate lang wurde das Naturhistorische Museum in Mainz umgebaut. Nun lädt das Ausstellungshaus in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt zum Rundgang durch die Erdgeschichte.

          2 Min.

          Ein Mammut? Von wegen. „Sie finden in verschiedenen Museen Mammut über Mammut“, sagt Nicole Fischer. Da muss das Naturhistorische Museum in Mainz sich nach seinem Umbau nicht einreihen. Bei dem 4,50 Meter hohen Urvieh („Schulterhöhe“) hingegen, zu dessen gewaltigen Füßen sich am Donnerstag zahlreiche Journalisten ein Stelldichein geben, handelt es sich um die Rekonstruktion eines Deinotherium giganteum. „Ein solches Exemplar gibt es nur hier“, sagt die stellvertretende Direktorin des Hauses.

          Der mit einem Rüssel und nach innen gebogenen Stoßzähnen ausgestattete „Hauerelefant“, der vor zehn Millionen Jahren neben Nashörnern, Antilopen und kleinen Urpferden, aber auch Säbelzahnkatzen und Bärenhunden am bewaldeten Ufer des quer durch Rheinhessen fließenden Rheins lebte, ist das Wappentier des Museums. Insofern ist es recht und billig, dass er als Blickfang für alle Besucher dient, die das Haus betreten. Nach elfmonatigem Umbau wird das Museum heute Abend mit einer akademischen Feier wiedereröffnet. Morgen nehmen die Mitarbeiter den regulären Betrieb mit Führungen im Halbstundentakt auf, am Sonntag ist Familientag mit speziellen Angeboten für Kinder. Der Eintritt ist an beiden Tagen frei.

          Acht Millionen Euro hat die Stadt in den vergangenen zehn Jahren in die Umgestaltung ihres Museums investiert, die inhaltliche und optische Neugestaltung geht noch auf den Ende Juli in den Ruhestand verabschiedeten Direktor Michael Schmitz zurück. „Aber ich hätte nichts anders gemacht“, sagt dessen Nachfolger, der aus dem Frankfurter Senckenbergmuseum nach Mainz gekommene Bernd Herkner. Auf einer Ausstellungsfläche von 600 Quadratmetern geht es um die erdzeitgeschichtliche Entwicklung von Rheinland-Pfalz, beginnend vor 400 Millionen Jahren im Devon, einem Zeitalter, in dem das heutige Land der Reben und Rüben unter einem Meer verborgen lag – zahlreiche aus dem Hunsrück stammende Schieferfossilien zeugen davon.

          Die vier Meter hohe Nachbildung des gerüsselten Urzeitriesen steht im Eingangsbereich des Museums.

          „Kunstwerke, keine Ausstellungsstücke“

          Kleine Punkte auf dem Boden sollen den Museumsbesuchern bei ihrem Rundgang durch die Ausstellung anzeigen, welche paläontologischen Zeiträume sie gerade zurückgelegt haben. Manch einer werde staunen, „über wie viele Millionen Jahre hinweg überhaupt nichts passiert ist“, sagt Herkner. „Und was passiert, wenn Biodiversität verschwindet.“

          Der Klimawandel, wenn auch kein vom Menschen gemachter, war auch vor Urzeiten ein Thema, ließ den Ozean im Perm-Zeitalter einer ausgedörrten Ebene weichen, in der Riesenlurche über roten Wüstenboden krochen. Doch wer den nächsten Raum betritt, sieht: Das Meer kehrte zurück, vor 30 Millionen Jahren brachte es auch Haie mit sich.

          Begeistert von der so aufwendig wie liebevoll gestalteten Ausstellung mit mehr als 2000 Exponaten zeigt sich Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD). Ihr haben es vor allem die Skulpturen des katalanischen Bildhauers Ramon López i Ayats angetan. „Das sind Kunstwerke, keine Ausstellungsstücke“, sagt sie beispielsweise mit Blick auf dessen lebendig aussehendes eiszeitliches Wollnashorn, aus Stahl, Kunststoff und jeder Menge Kunsthaar geschaffen. Auch das Deinotherium giganteum im Foyer – ein in der Grube Eppelheim bei Alzey gefundener Schädel steht daneben – hat der Spanier gestaltet.

          Das „riesige Schreckenstier“, wie es übersetzt heißt, war im Übrigen nicht ganz so schrecklich, wie es anmutete, sondern ein Pflanzenfresser. Die Gattung starb vor 3,5 Millionen Jahren aus. Wegen des Klimawandels war ihr die Nahrung ausgegangen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Impeachment-Verfahren im Senat : Scheitern mit Ansage

          Gut zwölf Stunden dauerte der erste Tag des Prozesses gegen Donald Trump im Senat. Dabei ging es nur um die Verfahrensregeln. Die Demokraten stellten lauter Änderungsanträge. Die Republikaner schmetterten alles ab.
          Löst das Welthunger-Problem auch nicht: Ein als Ronald McDonald verkleideter Demonstrant fordert an Eröffnungstag des Weltwirtschaftsforums in Davos, „Eat the Rich“.

          Alles Öko? : Tage der Moralisten

          „Öko“ regiert Davos und die Grüne Woche: Alle ächzen unter der moralischen Last der Bewegung, nicht einmal die Biobauern atmen auf. Denn wer die Welt ernähren will, hat es schwer, die höchsten ethischen Standards zu erfüllen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.