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Culcha Candela : Wenn alle da sind

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„Kleine Partymonsta”: Sänger Johnny Strange und seine Kollegen von Culcha Candela lieben ihr Neu-Isenburger Publikum. Bild: Marcus Kaufhold

Zu groß für die Batschkapp: Culcha Candela gastieren in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle.

          Als phantasievolle Gegenbewegung zum gesellschaftlichen Konsens versteht die Popkultur sich schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Bis auf wenige Ausnahmen scheint die künstlerische Gefälligkeit den Nachwuchs mit Casting-Shows und Reißbrettkarrieren heutzutage fest im Griff zu haben. Mit einer plakativen Unterhaltungsbotschaft ist seit 2001 auch die Berliner Formation Culcha Candela unterwegs. „Schöne neue Welt“ lautet das Motto ihres aktuellen Gastspiels, das wegen hohen Andrangs flugs von der Frankfurter Batschkapp in die geräumigere Hugenottenhalle in Neu-Isenburg verlegt werden musste. Ein Schelm, wer beim Titel von Tour und CD an den Titel des gleichnamigen dystopischen Romans von Aldous Huxley denkt.

          „Ausverkauft“ verkündet das mit schwarzem Filzstift eilig angefertigte Pappschild an der Abendkasse, das etliche seit dem späten Nachmittag vor der Hugenottenhalle Ausharrende schier verzweifeln lässt. „Ausverkauf“ vermuten kritische Geister hingegen hinter dem Konzept der Band, wenn deren sechs Mitglieder aus fünf Nationen die auf Partystimmung abonnierte lokale Spaßgesellschaft zu Konzertbeginn anfeuern: „Hessen, wir werden die Halle abfackeln.“

          „Kleine Partymonsta“

          Vor allem zahllose Minderjährige in Begleitung besorgter Eltern fühlen sich von Culcha Candelas stoischem Optimismus beflügelt. Unermüdlich umjubeln vor allem präpubertäre Racker ihre Idole. In rund zwei Stunden exerzieren die fünf Rapper samt DJ ausführlich ein Pensum, das jedem All-Inclusive-Animateur zwischen Teneriffa und Mallorca zur Ehre gereichte. Ohne Pause wedeln Arme im Gleichtakt zur Musik aus der Konserve, die sich grob zwischen Hip-Hop, Raggamuffin, Salsa und Pop einordnen lässt und vor allem eines sein muss: tanzbar.

          „Kleine Partymonsta“, tituliert Rapper Itchyban die völlig begeisterten Fans unter zehn Jahren, die mit großen Augen und viel Geschrei nicht immer ganz synchrone Choreographien und fahrigen Gruppengesang ohne mehrstimmige Passagen verfolgen. Ein Hauch von Kasperletheater schwebt bei der Frage: „Seid ihr alle da?“ in der Luft. Culcha Candela präsentieren sich mehrsprachig als die etwas andere Boyband aus den Kiez-Tiefen Berlins. Und als fabelhaftes Beispiel für gelungene Integration, das sich bewusst als Gegenentwurf zum Möchtegern-Gangsta-Rap eines Bushido versteht, weil es demonstrativ einen statt provokant spalten will.

          Geld für ein alternatives Schulprojekt

          Ungeniert bedienen sich die lockeren Jungs stilistisch bei Kollegen wie Fettes Brot, Jan Delay, Peter Fox und Seeed – Originelles aus eigener Ideen-Manufaktur haben sie nur wenig anzubieten. Formschöne Raps, harmonische Melodien und Texte, die auch am Ballermann noch nach dem zehnten Eimer Sangria funktionieren.

          Ein Stück sozialer Realität wird von Culcha Candela zwischen Fotoaufnahmen mit Publikum für die Internetseite, eigenhändigem archaischem Getrommel und langatmigen Ansagen auch noch in das Unterhaltungsprogramm eingebaut: Mit dem Erlös der T-Shirts am Andenkenstand finanzieren die tapferen Pfadfinder ein alternatives Schulprojekt in Uganda.

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