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Creaky Boards im Frankfurter Club „Das Bett“ : Mein Plagiat, dein Plagiat

Wohltöner: Andrew Hoepfner, Sänger und Bassist von Creaky Boards Bild: F.A.Z. - Marcus Kaufhold

Andrew Hoepfner hat auf Youtube behauptet, Coldplay hätte den Titelsong ihres Albums „Viva La Vida“ von ihm geklaut. Den Beweis trat seine Band Creaky Boards in „Das Bett“ an.

          Plagiatsvorwürfe können sich als einträglich erweisen, selbst wenn die klagende Partei ihr Bankkonto letztlich nicht gefüllt bekommt. Zumindest für öffentliche Aufmerksamkeit ist gesorgt, was einem unbekannten Musiker schon reichen dürfte, vor allem, wenn er, wie Andrew Hoepfner, exzellentes Material in der Hinterhand hat.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hoepfner sorgte voriges Jahr für Aufregung, als er in einem vielgesehenen Video auf Youtube behauptete, die britische Erfolgsband Coldplay hätte den Titelsong ihres Albums „Viva La Vida“ von ihm geklaut. Wer will, kann zwischen Hoepfners „The Songs That I Didn’t Write“ und „Viva La Vida“ tatsächlich Ähnlichkeiten feststellen, die sich allerdings auch mit der Harmonielehre erklären ließen, der sowohl die Ohrwurm-Spezialisten um Chris Martin als auch Wohltöner Hoepfner ergeben sind.

          Erinnerung an „Basket Case“

          Der Plagiatsverdacht wurde seitdem zerstreut, aber um etwas Aufmerksamkeit für Hoepfners ausgezeichnetes Bandprojekt Creaky Boards wäre es nicht schade. So nennt der aus Michigan stammende, aber seit einigen Jahren in Brooklyn lebende Sänger und Bassist ein Kollektiv befreundeter Musiker, die der New Yorker Antifolk-Szene zugerechnet werden, bei den Creaky Boards aber eher sonnigem Sixties-Pop frönen, der allerdings in der Garage entstanden ist. Wie auf einem gutbesuchten Konzert im Frankfurter Club „Das Bett“ nun zu hören war, verstehen sich Hoepfner und seine drei Kumpels an Gitarre, Schlagzeug und Casio-Keyboard auf wundersame Weise darauf, melodienselige Popjuwelen im Stil Phil Spectors, der Zombies oder der Beach Boys so klingen zu lassen, als würden sich Garagen-Punks wie die Sonics daran versuchen, während sie auf heißen Herdplatten tanzen.

          Der Exzentrik sind die Creaky Boards nicht abgeneigt, doch überwog in Frankfurt eher der Wunsch, die Songs der beiden Alben „Where Is The Sunshine?“ und „Brooklyn Is Love“ in all ihrer Pracht wirken zu lassen, als sie mit wildem Casio-Geklimpere in Richtung Tanzhalle zu treiben, wo sie sich ohne weiteres sehen lassen könnten. Nur die letzte Zugabe, das bemerkenswerte „Do You Only Love Me When You’re Down?“, sollten die Creaky Boards vielleicht unter Verschluss halten. Der Plagiatsvorwürfe wegen. Die Punker von Green Day könnten vielleicht an ihren Hit „Basket Case“ erinnert werden.

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