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„Coverworks“ : In einer Reihe mit großen Namen

Siebdruck als Teppich: „Sister Corita Kent” von Silke Wagner Bild: Galerie Tolksdorf

Das könnte man selbstbewusst nennen. Frech vielleicht, ein wenig dreist womöglich gar, eine Hommage natürlich auch oder schlicht und einfach konsequent: „Coverworks“ von Silke Wagner in der Galerie Tolksdorf.

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          Das könnte man selbstbewusst nennen. Frech vielleicht, ein wenig dreist womöglich gar, eine Hommage natürlich auch oder schlicht und einfach konsequent. Denn selbstredend reiht sich Silke Wagner, deren ursprünglich für eine Ausstellung im Oldenburger Kunstverein entstandenen „Coverworks“ derzeit in der Frankfurter Galerie Wilma Tolksdorf (Hanauer Landstraße 136) zu sehen sind, etwa mit „Sister Corita Kent“, mit „Eva Hesse“ oder „Meret Oppenheim“ zunächst einmal ein in eine illustre Reihe großer - und ausschließlich weiblicher - Namen der jüngeren Kunstgeschichte der Moderne.

          Christoph Schütte
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und dass sie deren Arbeiten „covert“, sich das Original aneignet also, um es - analog der gängigen musikalischen Praxis, der dieser Begriff entlehnt ist - mit ihren eigenen künstlerischen Mitteln neu zu interpretieren, hat seit der Appropriation-Art der achtziger Jahre auch in der bildenden Kunst längst Tradition.

          Indes, für die 1968 geborene Künstlerin, die bei Thomas Bayrle an der Städelschule studiert hat, ist diese Form der Appropriation nicht Selbstzweck, sondern Strategie, mit der Wagner ihr immer schon weites Themenspektrum einmal mehr in eine eigene künstlerische Form bringt. Wie schon „Pink turns to grey“, Wagners Ausstellung in der Berliner Dependance der Galerie vor gut einem Jahr, sind die Arbeiten der „Cover Works“ denn auch zunächst einmal eine Hommage an bedeutende Frauen.

          Eine Hommage freilich, die hier dezidiert die Kunstgeschichte in den Blick nimmt. Doch wenn sie Sonia Delaunays Tagesdecke als Vorlage für einen wandfüllenden Vorhang verwendet, Sister Corita Kents Siebdruck als Teppich weben lässt oder sich gar Elaine Sturtevants „Remake“ von Duchamps „Wanted“ aneignet und mit dem eigenen Konterfei versieht, dann kommt man kaum umhin, auch die Auswahl der Künstlerinnen weniger ästhetisch oder stilistisch denn als politisches Statement zu lesen. Denn wie für die in die Kunstgeschichte eingegangene Ordensschwester Corita Kent spielen auch im konzeptuellen Werk Wagners immer schon gesellschaftspolitische Fragen, insbesondere Fragen der Emanzipation und Frauenpolitik etwa, Gender, Homosexualität und Minderheiten, eine entscheidende Rolle, ob in Form von Denkmälern wie bei den Skulptur Projekten Münster oder einer Arbeit wie „Angela Emma Marlene Petra Rosa“.

          Schade nur, dass der für das Werk der Frankfurter Künstlerin entscheidende Aspekt des Kontexts in der Galerie nicht vermittelbar ist und mithin eine der Wahrnehmungsebenen völlig ausgeblendet bleibt. Ist es doch kein Zufall, dass die „Coverworks“ ursprünglich für den Oldenburger Kunstverein entstanden sind und mithin auf eine Ausstellungspraxis Bezug nehmen, wie sie hier und andernorts im 19. Jahrhundert gang und gäbe war: Dass Kunst dem bildungshungrigen Betrachter in aller Regel nicht als Original, sondern nur in Form von Reproduktionen begegnete.

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