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Corona-Krise : Von Pappe und Bastelanleitungen

Ein Mann trägt eingekauftes Toilettenpapier aus einem Supermarkt. Nie sah man mehr Zellstoff im öffentlichen Raum. Bild: dpa

Das Accessoire der Stunde ist die Familienpackung Toilettenpapier. Für die Beliebtheit gerollten Zellstoffs gibt es eine ganz einfache Erklärung.

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          Früher war alles besser. War früher alles besser? Das darf man sich fragen, wenn der Corona-Schlamassel vorbei ist. Aber nicht vergessen, dass derzeit doch ein paar Dinge grell hervortreten, die man in den vermeintlich besseren Tagen so schön hatte übertünchen oder ignorieren können.

          Früher jedenfalls konnte man sich wenigstens noch auf die Accessoires der Menschen von, na ja, Welt verlassen: Wasserflasche, Handykette, Dealertäschchen, Minihund. Da ist doch ziemlich schnell eine Nivellierung eingetreten. Das Accessoire der Stunde ist die mehr oder weniger lässig umhergetragene Familienpackung Toilettenpapier. Nie sah man mehr Zellstoff im öffentlichen Raum. Verbände aus Urgroßcousinen und Schwipponkels ziehen mit ihm die Bürgersteige entlang, glücklich, die „Abgabe in haushaltsüblichen Mengen“ beim ortsansässigen Drogeriemarkt dank der Verwandtschaft übertölpelt zu haben.

          Wer immer schon vermutet hatte, dass derlei Verhalten weder gegen Corona hilft noch erst durch die Krise ausgelöst worden ist, für den haben wir mit Beginn der Osterferien die Erklärung: Die Beliebtheit gerollten Zellstoffs liegt an den tollen Bastelanleitungen, die Schulen, Kitas, Horte, Gemeindegruppen für die Ostertage herumschicken. „Bastle ein lustiges Häschen!“ Zutaten: Tonpapier, Pappe einer Klopapierrolle. „Male einen eigenen Eierbecher an!“ Zutaten: Wasserfarbe, Pappe einer Klopapierrolle. „Bau Dir ein Anzuchtbeet und experimentiere mit jungen Pflanzen!“ Zutaten: Blumenerde, Samen, Pappe aus Klopapierrollen. Fragt sich nur, was, in besseren Zeiten, mit dem ganzen Papier geschehen soll, das man dafür abrollen muss. Kann man es am Ende doch essen?

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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