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Planung neuer Schauformate : Die Buchmesse muss der Fixstern bleiben

Auftrieb: So sah es auf der Frankfurter Buchmesse vor der Corona-Pandemie aus, hier eine Aufnahme von 2019 Bild: Wonge Bergmann

Die Frankfurter Messe liebäugelt mit einem Kreativfestival im Herbst. Die Buchmesse sollte aber nicht Teil von etwas werden, über das sie die Kontrolle verlöre. Erweiterungen ja, Selbstaufgabe nein.

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          Die Frankfurter Buchmesse ist eine starke Marke. Darüber hinaus aber war sie immer auch eine der wichtigsten Kulturgroßveranstaltungen im ganzen Land. Und wenn der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Paulskirche vergeben wurde, feierte das intellektuelle Deutschland sein Hochamt. Stets war die Rede von der besonderen Ware, um die es hier geht, das Wort, der Inhalt, tieferer Sinn und höhere Bedeutung, moralische Imperative und ästhetische Positionen, politische Thesen und vor allem die Freiheit des Geistes. Wobei es der Branche an Partylaune nie mangelte.

          Auch wenn in Frankfurt im Unterschied zu Leipzig das Lizenzgeschäft einen Großteil der Attraktion für die Verlage ausmacht, hat auch in der Stadt am Main das Konzept einer Lesermesse stetig an Bedeutung gewonnen. Zudem haben die Verantwortlichen früh erkannt, dass es unerlässlich ist, digitale Medien einzubeziehen. Und die Computerspielindustrie, die hungrig nach „Content“ ist. Dies alles war richtig und wichtig. Gewiss hat die Unterhaltungsindustrie von Anfang an eine zentrale Rolle gespielt. Im Selbstverständnis der Messe allerdings nicht. Da waren es eher die großen Publikumsverlage, die das Eigenbild prägten.

          Erweiterungen ja, Selbstaufgabe nein

          Es ist nicht zu leugnen: Die Lage hat sich gewandelt. Aber das kann nicht bedeuten, die Buchmesse zur Unkenntlichkeit zu verändern, wie dies jetzt durchgesickerte Pläne vorsehen. Mit der Zeit zu gehen muss nicht heißen, sich ihr auszuliefern und das Profil eines auch in den vergangenen Jahren erfolgreichen internationalen, ökonomisch ebenso wie kulturell bedeutenden Ereignisses aufzuweichen. Die Buchmesse ist der Fixstern, um den alle möglichen neuen Satelliten kreisen mögen, dessen Kern anzugreifen aber das gesamte System aus der Bahn zu werfen droht.

          Ob die Überlegungen zu einem übergreifenden Festival, einer Verbindung zwischen Musik- und Buchmesse, einer kreativwirtschaftlichen Mammutveranstaltung aus Furcht vor möglicherweise nach Corona zurückgehenden Aussteller-Anmeldungen oder wegen der kritischen Situation der Verlage zustande gekommen sind: Die Buchmesse sollte nicht Teil von etwas werden, über das sie die Kontrolle verlöre. Erweiterungen ja, Selbstaufgabe nein. Sich mit der Modernisierung zu beschäftigen ist dringend notwendig. Synergieeffekte anzustreben, wo kaum welche zu erwarten sind, nicht. Das gilt auch für die bildende Kunst. Wer sich wirklich dafür interessiert, fährt zur Art Basel.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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