https://www.faz.net/-gzg-9c9ia

Tänzer Christopher Roman : Salz in der Suppe

Insgesamt 100 Vorstellungen in einem guten Dutzend Länder hat das Ensemble gegeben. Zwar hat der Erfolg der ersten sicherlich für eine zweite Phase des Projekts gesorgt, aber in der vom Bund soeben bewilligten Fortführung werden kaum noch Künstler der ersten Phase mitmachen. Jone San Martin etwa und Amancio Gonzalez, auch sie einst bei William Forsythe tätig, gehen wieder eigene Wege. So bietet das Gastspiel von Mroués „Elephant“ bei der Hollins University am 26. Juli im Frankfurt Lab noch einmal Gelegenheit, in der Region ein Stück des Dance-On-Ensembles Nummer eins zu sehen.

Auch Roman macht nun sein eigenes Ding, als Tänzer, der zeigen will, was „dieser 48 Jahre alte Körper kann“, aber auch als Projektleiter und Ideengeber. „Salt“ soll die Mischung aus Ensemble, Agentur und Produktionsbüro heißen, in der er von Frankfurt aus bis zu 20 Tänzer in wechselnden Konstellationen zusammenbringen will. „Salt“, weil die Tänzer im Tanz das Salz in der Suppe seien, ohne die nun einmal keine Kunst entsteht. „Bei Salt geht es um die Tänzer, alles geht von ihnen aus“, sagt Roman. Er will für eigene und fremde Projekte die richtigen Künstlerpersönlichkeiten jeden Alters zusammenbringen und mit einem Büro die Suche nach passenden Geldgebern übernehmen. „Es geht auch um ihre Rechte als Autoren an den künstlerischen Produkten, ihren Anteil an der Choreographie“, sagt Roman. Mehr Selbstbewusstsein, mehr Initiative und Verantwortung fordert er ein und will sie selbst wahrnehmen. Noch seien in viel zu wenigen Organisationen, die über die Förderung von Tanz entschieden, Tänzer und Choreographen vertreten.

Premiere in London

Vermutlich spielen seine Erfahrungen der jüngsten Zeit auch dabei eine Rolle. Denn obwohl Roman für viele in der Tanzszene regelrecht für Dance On stand und er viel Herzblut in die Sache gesteckt hatte, trug er lediglich den Titel des künstlerischen Ensembleleiters. Gegründet und die Mittel eingeworben hat die gemeinnützige Kulturunternehmergesellschaft Diehl und Ritter. Madeline Ritter, alleinige Gesellschafterin, seit Ingo Diehl, heute Professor der tanzpädagogischen Master-Ausbildung an der Frankfurter Musikhochschule, das gemeinsam gegründete Unternehmen zu Beginn seiner Verpflichtung im Jahr 2012 verließ, konnte jüngst das Einwerben von 1,87 Millionen Euro aus Bundesmitteln für die zweite Dance-On-Phase verkünden, um „das Bewusstsein für Altersdiskriminierung auf der Bühne und in der Gesellschaft weiter zu schärfen“. Die künstlerische Gesamtleitung liegt wie schon zuvor bei ihr. Von Hause aus Juristin, ist die Gründerin des Bundesförderprogramms Tanzplan Deutschland, die mit Diehl und Ritter auch für die Tanzfonds der Bundeskulturstiftung verantwortlich ist, eine führende Persönlichkeit der deutschen Tanzförderung.

Mit Salt und einem Antrag auf eine sogenannte Doppelpass-Förderung, um zusammen mit dem Staatstheater Kassel etwas Neues auf die Beine zu stellen, markiert nun Roman, was für ihn Weitertanzen und Weitergeben bedeutet, unter anderem in Projekten mit Deborah Hay – und William Forsythe. Von der nächsten Woche an arbeiten Roman und sechs weitere Tänzer, junge und ältere, in Forsythes Wohnsitz in Vermont mit ihm an einem gemischten Abend aus alten und neuen Stücken, der im Oktober in London Premiere haben wird und dann touren soll.

Weitere Themen

Die Tür zur Kindheit

Hessisches Staatsballett : Die Tür zur Kindheit

Chefchoreograph Tim Plegge interpretiert den „Nussknacker“ mit dem Hessischen Staatsballett neu. Bei der Inszenierung geht es dem Choreographen vor allem „um die kindliche Phantasie“.

Topmeldungen

Ruinerwold in Aufruhr : Polizei nimmt auch Vater der isolierten Familie fest

Fassungslos reagieren die Einwohner des niederländischen Dorfes Ruinerwold auf die mutmaßliche Freiheitsberaubung einer ganzen Familie zu der immer mehr Details ans Licht kommen. Nun hat die Polizei einen zweiten Verdächtigen verhaftet.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.