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Tanz im Mousontum : Komm uns nahe

Begegnen als Übung: Yasmeen Godder bringt Tänzer und Publikum zusammen. Bild: Lakuntza, Nerea

Corona-Heilung: Mit „Practicing Empathy #2by2“ lädt die Choreografin Yasmeen Godder das Publikum ein, Kontakt aufzunehmen. Das Thema der Empathie beschäftigte sie schon vor der Pandemie.

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          Ein Schrei wird es nicht. Aber ein intensives, geräuschvolles Ausatmen, bis der Körper sich in eine Kontraktion krümmt, der Bauch ganz eingesogen, die Schultern gerundet. Hat man ewig nicht gemacht, so intensiv ausgeatmet, während noch andere dabei sind. Atem ist ein Risiko geworden, in den vergangenen anderthalb Jahren. Und jetzt? Nähern wir uns vorsichtig an, aber nur rings um ein abgeklebtes Quadrat auf dem Boden, immer mit mindestens zwei Metern Abstand.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Und doch näher, als man sich lange gekommen ist. Die Tänzerinnen und Tänzer nehmen erst sich in den Blick, dann uns. Und die Blicke und Gesten schaffen einen Kontakt, eine enge Verbindung, in der es völlig wurst ist, ob man sich nun flink und leicht bewegt oder ein bisschen unbeholfen. Es geht nicht um richtig oder falsch, sondern nur darum, in diese Beziehung einzutreten.

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          „Practicing Empathy #2by2“ heißt die Erfahrung, die uns die israelische Tänzerin und Choreografin Yasmeen Godder bis 12. Juli jeden Abend im Frankfurter Mousonturm anbietet. Immer nur acht Personen können mitmachen, etwa 30 Minuten dauert einer der drei Slots je Abend. Es ist nichts weniger als ein Angebot der Heilung, ein Hineinhorchen in den eigenen Körper und eine intensive Verbindung mit einem fremden, das Godder, 1973 in Israel geboren, aufgewachsen und als Tänzerin ausgebildet in New York, uns macht. Das Heilende des Tanzes erforscht Godder seit geraumer Zeit, nach Phasen der intensiven, auch aktionsreichen Choreografie hat in den vergangenen Jahren unter anderem ihre Arbeit mit Parkinson-Patienten, denen sie eigene Tanztrainings anbietet, zugenommen.

          Interaktionen mit dem Publikum

          Empathie war schon weit vor der Pandemie ein Thema, das Godder umgetrieben hat: 2019 ist ihre erste Phase von „Practicing Empathy“ entstanden, eine Gruppenchoreografie, die den verschiedenen Dimensionen des Einfühlens nachspürte. Im Auftrag der „Frankfurter Positionen“ wird sie nun am Mousonturm ihr Solo „Practicing Empathy #3“ zur Uraufführung bringen. Jeden Abend aber geht dem Nummer zwei voraus, die Interaktion mit dem Publikum, für die Godder acht hiesige Tänzer, Patscharaporn Distakul, Viktorija Ilioska, Katja Cheraneva, Max Levy, Kirill Berezovski, Aaron Lang, Ari Teperberg und Tamar Kisch, engagiert hat.

          Bewegungen spiegeln Bilderstrecke
          Mousonturm : „Practicing Empathy #2by2“

          Es sei eine Einladung auf eine Reise, zu eigenen und fremden Körpern, sagt Godder ihrem Testpublikum kurz vor der Premiere. „Wenn wir partizipativ arbeiten, müssen wir die Proben öffnen“, erklärt sie – schließlich wisse sie nicht, wie das Publikum reagiere. Auch der Tanz wisse das nicht – „wir müssen lernen und entdecken“. Es sei eine riesige Herausforderung, für diesen Moment Vertrauen zu schaffen, sodass alle sich öffnen können.

          „Practicing Empathy #2by2“ ist für Frankfurt in Teilen neu entstanden: Erst hat Godder es in Jaffa, wo ihre kleine Compagnie ansässig ist, veranstaltet, schon als Ausfluss des ersten Lockdowns 2020. In Italien fand „Practicing Empathy #2by2“ vor Kurzem draußen statt, weshalb es auch Zuschauer gegeben hat, eine ganz andere Situation. Nun wiederum werden drei Räume des Mousonturms bespielt, mit weitem Abstand, aber so, dass man hören kann: Da sind noch andere, die tun dasselbe. Auch das schafft Verbindungen, die man lange nicht gespürt hat. Und trifft genau dahin, wo es nötig ist in diesen Tagen.

          Practicing Empathy #2BY2 ist bis 12. Juli jeweils um 18, 18.45 und 19.30 Uhr zu erleben, Anmeldung und Einlassbedingungen unter mousonturm.de

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