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Cello-Festival : Bunt herausgeputzte Vielfalt

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Beim Kronberger Cello-Festival dreht sich alles um diese vier Saiten. Bild: Wonge Bergmann

Nie zuvor hat die Kronberg Academy ihr Leitinstrument so bunt illuminiert wie beim diesjährigen Cello-Festival. Der scheinbar so seriöse Viersaiter durfte jazzen und tanzen zwischen Ernst und Unterhaltung.

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          Nie zuvor hat die Kronberg Academy ihr Leitinstrument so bunt illuminiert wie beim diesjährigen Cello-Festival. Der scheinbar so seriöse Viersaiter durfte jazzen und tanzen zwischen Ernst und Unterhaltung, im Crossover mixen oder auch auf Entdeckungsreise gehen in rarem oder neuem Repertoire. Da war manches Fundstück aufzuspüren, aber auch Enttäuschungen blieben nicht aus.

          In einem originellen, stimmungsvollen Beitrag zum Haydn-Jahr stellte David Geringas mit Hartmut Rohde (Viola) und Jens Peter Maintz (Violoncello) das Baryton vor. Der darmbesaitete Abkömmling der Viola da gamba verfügt zusätzlich über mitschwingende, aber auch zupfbare Stahlsaiten. Der obertonreiche, silbrige Klang passte in die Mitte des 18. Jahrhunderts, speziell an den Hof von Haydns Dienstherrn Nikolaus von Esterházy, der das Instrument selbst spielte und dessen begrenzte Fähigkeiten Haydn kompositorisch berücksichtigen musste. In zwei Trios und einem Cello-Duo (ursprünglich für zwei Barytone) stellten die Künstler feingestimmt die Detailfülle der Werke heraus. Dazu kommentierte Geringas lebendig die Hintergründe der Kompositionszeit. Besonders hübsch der zugegebene Kopfsatz des A-Dur-Trios Heb. XI 5, in dem Haydn die Arie „Ach, ich habe sie verloren“ aus Glucks „Orpheus und Euridice“ zitiert.

          Musikalische Italienreise

          Seltsamerweise sind Regers drei Cello-Solosuiten op. 131c (1915) und George Crumbs frühe Solosonate (1955) nur selten im Konzertsaal zu hören. Der Kronberg-Debütant Pieter Wispelwey, der Regers Suiten komplett eingespielt hat (Channel Classics CCS 9596), erfüllte Regers G-Dur-Suite Nr. 1 wie Crumbs noch traditionell orientierte, aber einfallsreiche Sonate mit dynamisch-farblich weit gespannter Klanggestik. Erzählerisch lebendig gelang ihm eingangs auf einem fünfsaitigen, stachellosen Violoncello piccolo auch Bachs sechste Suite D-Dur BWV 1012, obwohl ihm hier Sitzplatzhöhe und Stimmung zu schaffen machten. Völlig frei und souverän gab er das Präludium aus Bachs erster Suite G-Dur BWV 1007 zu.

          Auch eine musikalische Italienreise der Kremerata Baltica unter der temperamentvollen Leitung von Gaetano d’Espinosa versammelte Rares, allerdings nicht von erster Qualität. Die sechs Stücke, einige davon grenzüberschreitend zwischen Jazz, Tango oder Klassik, wurden zur Folie für teilweise bemerkenswerte Leistungen von fünf Solocellisten. Vor allem Giovanni Sollima erregte Aufsehen mit seiner Fähigkeit, das Cello zirzensisch rasen zu lassen und klanglich zu verfremden. Zwar wurden so auch ungewohnte Ausdrucksweisen präsentiert, der Abend war aber eher Event und Antwort auf den unkritischen Pluralismus und die Spaßgesellschaft.E.K.

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