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Céline Dion in der Commerzbank-Arena : Hymnen im Breitwandformat

  • -Aktualisiert am

Grimmiger Blick, tiefes Dekoltee, unschuldiger Umhang: Celine Dion auf der Bühne Bild: dpa

Strategisch geplant: Bei ihrem Konzert in der Frankfurter Commerzbank-Arena überlässt Céline Dion garantiert nichts dem Zufall. Eine perfekt auf Hochglanz polierte Inszenierung, der es an nichts mangelt. Außer an Spontaneität.

          Seit einem fünfjährigen Dauerengagement in Las Vegas hat der unverwüstliche amerikanische Mythos selbst eine einst so europäisch wirkende Künstlerin wie Céline Dion fest im Griff. Schon zum Auftakt des opulenten Spektakels in der Frankfurter Commerzbank-Arena spult ein Filmclip wie aus der gehobenen Touristikwerbung auf rechts und links der Hi-Tech-Bühne installierten LED-Screens ab: Mit elegantem Schritt schwingen sich lange Beine in ein Coupé. Gepflegte Hände zünden mit aufheulendem Startgeräusch den Motor. Mühelos beschleunigt die aufgestylte Blondine von null auf 100. Céline Dion in der Rolle ihres Lebens. Eine perfekt auf Hochglanz polierte Inszenierung, der es an nichts außer Spontaneität mangelt.

          Oft wenig charmant als „singende Eisprinzessin“ tituliert

          Der Eindruck wird in den nächsten 100 Minuten nicht widerlegt. Auch wenn die seit Karrierestart im Jahre 1980 oft wenig charmant als „singende Eisprinzessin“ titulierte Sängerin aus Charlemagne in der Provinz Québec vor allem ihre familiäre Seite zu betonen weiß: „Mein siebenjähriger Sohn René Charles begleitet mich auf der im Februar gestarteten Welttournee ebenso wie meine 81 Jahre alte Mutter Thérèse, die später noch einige Songs singen wird“, scherzt Dion. Dabei vergisst sie glatt, ihren innig geliebten Gatten René Angélil zu erwähnen, der sie im zarten Alter von 12 Jahren entdeckte und seither als ihr Manager fungiert. Auf Nummer sicher gehen die beiden ersten Songs: Roy Orbisons „I Drove All Night“ und Jennifer Rushs „Power Of Love“ – auf Breitwandformat gebannte Interpretationen international bekannter Hits. Sentimentale Hymnen, die klingen, als wäre sie seit ihrem Sieg 1988 beim Eurovision Song Contest mit „Ne partez pas sans moi“ jedes Jahr Grand-Prix-Gewinnerin gewesen.

          ...wo sie modisch flexibel ist...

          Evergreens scheinen es der Sängerin mit der Gewalt über fünf Oktaven ohnehin angetan zu haben. Einem Schmachtfetzen wie „All By Myself“, im Original von Eric Carmen, singt sie, als ginge es um ihr Leben. Gleich zwei Klassiker der Rock-Legende Queen, „We Will Rock You“ und „The Show Must Go On“, röhrt sie so souverän, als gelte es, das Genre neu zu erfinden. Für ein Medley aus James Browns „It’s A Man’s World“ und Ike & Tina Turners „River Deep, Mountain High“ verwandelt sie sich in eine reinrassige Soul-Diva. Unter soviel Glanz und Gloria aus der Vergangenheit müssen eigens für sie komponierte Oden wie „Because You Loved Me“, „I’m Your Angel“ oder das aktuelle „Taking Chances“ zwangsläufig hintanstehen. Ausnahmen bilden lediglich das tränenreich dem Ehemann gewidmete „My Love“ sowie das per Einspieler im Duett gesungene „My Prayer“ mit Italiens Startenor Andrea Bocelli.

          Das Publikum liegt ihr vom ersten Song an zu Füßen

          Sorgen um das Publikum muss sich Dion nicht machen – das liegt ihr vom ersten Song an zu Füßen. Wohl aber um das stets ein wenig verhallt wirkende Klangbild im riesigen Stadion, das mit geschätzten 20 000 Besuchern keineswegs optimal ausgelastet wirkt. Statt Fußball serviert Dion neun Musiker ohne Fehl und Tadel, sporadisch eingesetzte Choreographien von acht Tanzakteuren sowie eine sechs Mal gewechselte Designer-Garderobe mit viel blanker Haut. Las Vegas hat deutlich Spuren hinterlassen.

          Dass spontan wirkende Gesten auch nur schlicht einstudiert sein können, ist ihrem Beruf als Entertainerin geschuldet. Aber selbst die gezückten Taschentücher im ergriffenen Auditorium wirken zur Zugabe nicht wirklich spontan. Mit der geflöteten Herz-Schmerz-Ballade „My Heart Will Go On“, der berühmten Titelmelodie aus dem Filmepos „Titanic“, lassen sich jedenfalls wunderbar im Kollektiv der Zuhörer Tränen der Rührung vergießen.

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