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„Pippi auf den sieben Meeren“ : Retterin der Welt

  • -Aktualisiert am

Ansteckend archaisch: Pippi und ihre Freunde in Bad Vilbel Bild: Burgfestspiele Bad Vilbel

Diesem Mädchen stellt sich niemand in den Weg. Auch nicht zwei ausgewachsene Männer, obwohl es sich um mit Messern bewaffnete Piraten handelt. „Pippi auf den sieben Meeren“ bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel.

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          Diesem Mädchen stellt sich niemand in den Weg. Auch nicht zwei ausgewachsene Männer, obwohl es sich um mit Messern bewaffnete Piraten handelt. Denn dieses Mädchen ist Pippi Langstrumpf: Sie ist so stark, dass sie ihr Pferd in die Luft heben kann.

          Bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel gibt Nele Sommer geradezu perfekt das Kind mit den abstehenden roten Zöpfen: Eine freche Pippi ist sie, die kämpft, wenn es nötig sein sollte, und doch immer übers ganze Gesicht strahlt. Kein Unternehmen ist ihr zu gefährlich und kein Plan zu phantastisch. Und wenn sie nicht gleich übers Wasser laufen kann, so wird sie es eben noch lernen, verkündet sie: So eine Optimistin ist Pippi.

          Kein Mangel an Abenteuern

          Und weil Mut ansteckend wirkt, kann sie ihre Freunde Tommy und Annika überreden, sie nach Porto Piluse zu begleiten. Gemeinsam wollen sie Pippis Vater, Kapitän Efraim Langstrumpf, befreien, der dort von Seeräubern in einer Festung gefangen gehalten wird. An Abenteuern mangelt es in dem Theaterstück „Pippi auf den sieben Meeren“ nach Astrid Lindgren nicht, das Kirsten Uttendorf für die Festspiele routiniert und kurzweilig inszeniert hat.

          Das Mädchen, das vor Autoritäten keine Furcht zeigt und dadurch die Freiheit von allen Zwängen verkörpert, wurde im Lauf der Jahrzehnte schon für verschiedene Weltanschauungen vereinnahmt, zum Beispiel als Anarchistin, Punkerin oder Feministin gedeutet. Kirsten Uttendorf hat sich ebenfalls einen Schlenker ins Aktuelle erlaubt: Pippi als Umweltschützerin und als „Retterin der Welt“, wie sie sich selbst nennt, sammelt mit Tommy und Annika vom Schiff aus den Plastikmüll ein und beklagt die Verschmutzung der Meere. Zuschauer dürfen dazu Plakate mit Aufschriften wie „Save the ocean“ hoch halten und so ein wenig Fridays-for-Future-Klimastreik-Stimmung erzeugen.

          Wie ein großer Abenteuerspielplatz sieht die Bühne von Claus Stump mit Holzebenen, Schiffselementen, Kletterseilen und der Hängematte aus, und eigentlich ist sie das ja auch. Über eine schräg nach oben führende Rampe können Pippi und ihre Freunde vor den Seeräubern fliehen, die Ecke darunter dient als Schatzhöhle und Verlies. Anna Staab als Annika und Mario Neumann als Tommy geben – oft drollig anzusehen in ihren durchaus berechtigten Zweifeln – den braven Widerpart zur unerschrockenen Pippi.

          Sonnenbrillen und Baseballschläger

          Als im Kerker eingesperrter Kapitän Langstrumpf sorgt Martin Bringmann durch seine Auseinandersetzungen mit Stoff-Papagei Rosalinda für Lacher. Genau wie die anderen wilden Kerle, Piraten mit Goldketten, Sonnenbrillen und Baseballschlägern, die sich dumm und unbeholfen anstellen und zur Freude der Kinder nicht mal richtig lesen können: John Wesley Zielmann als Blut-Svente, Niklas Schmidt als einäugiger Oskar, Bert Tischendorf als Kalle, Harald Schwaiger als Messer-Jocke und Tobias Gondolf als stummer Seeräuber.

          Als Astrid Lindgren ihre Pippi 1944 erstmals veröffentlichen wollte, schreckten Verleger zunächst vor dem unerzogenen Mädchen zurück. Ein kaum zu kontrollierendes Kind wie Pippi wäre aber sicherlich auch nichts für die vorsichtigen Eltern von heute.

          Nur auf der Bühne lassen sich Erwachsene auf den Verlust der Ordnung ein: Aus Töpfen holen sich Pippi und die Piraten am Ende die Spaghetti, stopfen sie mit Händen in den Mund und schneiden herunterhängende Nudeln mit der Schere ab. Und das sieht man immer noch gerne.

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