https://www.faz.net/-gzg-99x4z

Burgfestspiele Bad Vilbel : Seifenblasen und Cupcakes

Böse Eltern: Theresa Bub und Seongjae Choe als Vater und Mutter in „Hänsel und Gretel“ in Bad Vilbel Bild: Eugen Sommer

Der Freilichtsommer beginnt: In Bad Vilbel eröffnen die Burgfestspiele die Saison mit „Hänsel und Gretel“ als Kinderoper für alle.

          Diese Knusperhexe hat es raus: Pinkfarbene ellbogenlange Handschuhe, ein neonrosa Besen und eine Robe, mit der sie locker auf den nächsten Ball der Bösewichte stolzieren könnte. Ein Knusperhäuschen hat sie auch nicht, eher so eine Art in allen Bonbonfarben schillernde Süßigkeiten-Boutique, die sich in einem der Bäume des Ilsensteins verbirgt. Trotzdem jagt die Hexe nicht nur Hänsel und Gretel, sondern auch einigen Kindern im Publikum durchaus Respekt oder gar ein bisschen Grusel ein. Bis sie, nach einem tüchtigen Schubs, in einem heftig qualmenden Ofen verschwindet.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass die Schauder nicht lange anhalten, dafür sorgt schon der helle Tag: Nicht wie traditionell um die Weihnachtszeit, sondern zur Eröffnung der diesjährigen Burgfestspiele in Bad Vilbel hat, wie in den vergangenen Jahren schon mehrfach, Regisseur Benedikt Borrmann eine klassische Oper für Kinder adaptiert. So pustet das Taumännchen im strahlenden Sonnenschein Seifenblasen von der Zinne der Wasserburg hinab, während der Sandmann im weißen Frack, gemächlich eine Mondkugel schiebend, seinen silberglitzernden Sand vom Burgumgang rieseln lässt. In Anja Müllers Ausstattung gibt es bezaubernde kleine Einfälle, vor allem die Statisterie in Tierkostümen lockt auch bei Erwachsenen ein Grinsen hervor.

          Flöte, Violine, Marimbaphon und Piano

          Nun gilt Engelbert Humperdincks in Frankfurt komponierte Oper „Hänsel und Gretel“ zwar als „Kinderoper“, kinderleicht aber ist sie weder zu musizieren noch zu verstehen. In der Vilbeler Fassung für alle Hauptrollen und ein kleines Ensemble aus Flöte, Violine, Marimbaphon und Piano, verfasst und geleitet von Markus Höller, darf man sich die Finessen der Partitur allenfalls noch in Anflügen vorstellen. Ansonsten geht es munter durch die bekannten Lieder und Duette, gesungen vom Ensemble, das wie stets aus Studenten der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst besteht.

          Den ganzen Sommer über singen alternierend Thalia Azrak und Noabelle Chegaing (Sandmann), Theresa Bub und Manuela Strack (Mutter), Seongjae Choe und Jialong Yan (Vater), Daria Kalinina und Stefanie Woelke (Gretel), Alexandra Sophie Uchlin und Laura Violetta Lex (Hänsel), Seo Jin Lee und Ruoqi Sun (Taumann) sowie Maren Schwier und Katharina Nieß (Hexe). Das tun sie jugendfrisch und mit Spaß am Spiel, das auszukosten ihnen allerdings nicht viel Zeit bleibt.

          Das ist einerseits bedauerlich, andererseits jedoch haben die Vilbeler gelernt, die Aufmerksamkeitsspanne nicht nur der Kindergartenkinder, sondern auch so mancher älterer Besucher nicht überzustrapazieren. Nach den mehr als zweistündigen Kinderproduktionen früherer Saisons ist „Hänsel und Gretel“ auf etwa 90 Minuten samt einer Pause reduziert. Auf die vielen „Hits“ der Oper muss aber niemand verzichten, auch die 14 Englein sind natürlich da. Was auch sonst.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Premierminister bei Merkel : Johnson beharrt auf Ende des Backstops

          Johnson und Merkel zeigen sich optimistisch – dennoch belegt der Backstop die Schwierigkeiten des Treffens. Schon vorher hatten Finanzminister und Bundespräsident dem Premier die kalte Schulter gezeigt.
          Luftbildkamera der NVA im Stabsgebäude über dem Eingang zum DDR-Atombunker Harnekop nordöstlich von Berlin

          Mauerfall-Debatte : Warum ticken die Ossis so?

          Der Zuspruch der AfD im Osten hat seinen Ursprung nicht zuletzt in der DDR. Weil Ostdeutsche jahrzehntelang einem Klima der Lüge und der Demütigung ausgesetzt waren. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.