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Büchner-Geschwister : Die Weltveränderer

Renovierungsbedürftig: die Villa von Wilhelm Büchner in Pfungstadt Bild: F.A.Z. - Rainer Wohlfahrt

Georg Büchners Geschwister haben Bemerkenswertes geleistet. Seit einiger Zeit wird in Pfungstadt die Villa des Bruders Wilhelm renoviert, nun widmet sich den Büchners ein neues Buch.

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          Seine Werke stehen in der Literatur ihrer Zeit einzig da, aber schon die Briefe, die Georg Büchner mit seinen Angehörigen wechselte, zeigen, dass der Ausnahmedenker die Rückversicherung des Gedankenaustauschs mit seiner Familie brauchte. Dass auch die Lebensläufe von Georgs Geschwistern einen genaueren Blick wert sind, ist weit weniger bekannt.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun haben HR-Redakteur Hans Sarkowicz und sein Kollege Heiner Boehncke zusammen mit dem Pfungstädter Kulturbeauftragten Peter Brunner ein Buch geschrieben, das die Büchner-Geschwister zusammen betrachtet. Im Historischen Maschinenhaus der Pfungstädter Brauerei stellten sie den im Societäts-Verlag erschienenen Band auf einer Lesung mit den Schauspielern Nina Petri, Max von Pufendorf und Volker Risch vor.

          Zeit gestalten

          Die klug getroffene Textauswahl aus Briefen und Werken der Geschwister zeigte, wie das Andenken an Georgs politische Erfahrungen im Vormärz die Überlebenden auch nach dem frühen Tod des Bruders im Jahr 1837 verband. „Die Büchners oder der Wunsch, die Welt zu verändern“ haben die Autoren ihr Büchner-Buch genannt. Der Wunsch der Geschwister, von der Zeit, in der sie lebten, nicht nur geprägt zu werden, sondern diese ihren eigenen Wünschen gemäß zu gestalten, war auf der Lesung ebenso deutlich zu vernehmen, wie er im Buch entlang zahlreicher Dokumente erzählt wird.

          Da ist Alexander, der jüngste, 1827 geborene Bruder, Teilnehmer an der Revolution von 1848, der noch als Erwachsener eine Schauergeschichte verfasst, die auf den Tod eines Freundes von Georg im Darmstädter Arresthaus rekurriert, da ist Ludwig, der Verfasser des Sachbuchbestsellers „Kraft und Stoff“, der zwischen 1855 und 1905 einundzwanzig Auflagen erlebt, da ist Luise, die 1821 zur Welt gekommene Schriftstellerin und Vorkämpferin der Frauenbildung, die ihre Schwester Mathilde, von der sich nicht einmal eine Fotografie erhalten hat, als hilfreichen Hausgeist missbrauchte.

          Buch zum Haus

          Im allgemeinen aber ließen sich die Geschwister von den Beschränkungen des 19. Jahrhunderts nicht an ihrer Entwicklung hindern, sondern nutzten die Entwicklungschancen, die es bot. Das zeigt sich gerade in Pfungstadt. Hier baute sich Georgs 1816 geborener Bruder Wilhelm, der mit einem künstlichen Ultramarin-Farbstoff zum erfolgreichen Unternehmer wurde, neben seiner Fabrik eine Villa, die augenblicklich renoviert wird.

          In etwa anderthalb Jahren soll die Sanierung beendet sein. Jetzt warte man nur noch auf das Haus, sagte Hans Sarkowicz, das Buch zum Haus gebe es schon. Das Buch, das den zukünftigen Besuchern der Villa vom geistigen Hintergrund des einstigen Hausherrn erzählt, ist weit mehr – es macht bekannt mit den unbekannteren Mitgliedern einer Familie, die die Schrecken und Freuden des 19. Jahrhunderts verkörpert.

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