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Bücher : Umschlagplatz

„Wir haben einen echten Gemischtwarenladen“

Unter den Häusern, für die die Sozialistische Verlagsauslieferung heute arbeitet, sind mittlerweile allerdings Verlage mit ganz unterschiedlichem Profil: „Wir haben inzwischen einen echten Gemischtwarenladen.“ Zu ihm zählen kleine unabhängige Häuser wie der Frankfurter „Axel Dielmann Verlag“ oder der ebenfalls in der Buchmessenstadt ansässige Verlag „MeterMorphosen“, der sich im sogenannten Non-Book-Geschäft in den vergangenen Jahren mit Ideen wie dem „Historischen Zollstock“ sehr erfolgreich etabliert hat.

Im Januar vergangenen Jahres hinzugekommen ist der „Röschen Verlag“ des Frankfurter Krimischriftstellers Frank Demant. Der hatte seine Detektivromane zuvor als Taxifahrer nicht nur im Selbstverlag verlegt, sondern sie auch eigenhändig in die Buchhandlungen geschleppt. Mit steigenden Verkaufszahlen wurde ihm das zu viel. Für die Lagerhaltung und die Auslieferung seiner Werke brauchte er einen Partner: „Da hat er sich uns gesucht. Das hat seinen Umsatz heftig erhöht.“ Die Vorteile professioneller Lagerhaltung und Buchhaltung nutzen seit Jahren aber auch die „Hamburger Edition“ des Hamburger Instituts für Sozialforschung und die „taz“, die ihren erfolgreichen „Atlas der Globalisierung“ über Frankfurt vertreibt. Auch wer zur Buchmessenzeit im Oktober den im „A1 Verlag“ erschienenen Roman „Gottes kleiner Krieger“ von Kiran Nagarkar bestellte, bekam ihn von der Sozialistischen Verlagsauslieferung. Und Buchhandlungen, die die Hölderlin-, Kleist- oder Günderrode-Ausgaben des Frankfurter „Stroemfeld Verlags“ ordern, erhalten ihre Ware ebenso in Paketen aus der Friesstraße wie Buchhändler, die für ihre Kunden „Lesen? Das geht ein, zwei Jahre gut, dann bist du süchtig“ bestellt haben, den bei der „Edition Tiamat“ erschienenen Karikaturenband von Greser & Lenz.

Mit zahlreichen dieser Verlage hat die Sozialistische Verlagsauslieferung in letzter Zeit eine Idee entwickelt, die im von Übernahmeprozessen bestimmten Buchhandel und Verlagswesen zum Überleben der kleinen Unabhängigen beitragen soll: „Alle Buchhändler, die wenigstens einen der freien Vertreter unserer Verlage empfangen, bekommen einen über den normalerweise gewährten Buchhändlerrabatt von 30 Prozent hinausgehenden Reiserabatt von 40 Prozent.“ Damit bewegt sich die Verlagsauslieferung weg vom reinen Lagern und Liefern hin zu ersten Gehversuchen in Marketing und Vertrieb. Ob der Plan ihr und ihren Partnern nützen wird, ist noch nicht abzusehen. Aber mehr als 900 der zwischen 3000 und 4000 selbständigen deutschen Buchhandlungen haben im vergangenen Jahr mitgemacht. Helmut Richter ist überzeugt: „Die 950, die heute mitmachen, das sind die, die übrigbleiben.“ Ihr Sinn für die Ware Buch wird ihnen das Überleben genauso sichern wie der Sozialistischen Verlagsauslieferung.

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