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Zukunft des Buchhandels : Wenn das Schlimmste schon geschehen ist

Buch und Käufer: Leser bei Hugendubel in Frankfurt Bild: Frank Röth

Kurz vor Beginn der Buchmesse ist die Stimmung in Verlagen und Buchhandlungen Frankfurts besser als erwartet, Umsätze steigen, Kundenzahlen bleiben stabil. Ist die Krise vorbei?

          3 Min.

          Frankfurt. Besuch aus 150 Ländern. Ist die Frankfurter Buchmesse nächste Woche erst einmal eröffnet, werden wohl abermals rund 70 Prozent der etwa 7200 Aussteller aus dem Ausland stammen. Das Geschäft mit Büchern boomt anderswo, aber nicht in Deutschland. Dort hält es sich oder wächst wieder leicht. Die Stimmung der Branche in der Messestadt aber ist gerade darum alles andere als schlecht. Zwar meldete in Frankfurt voriges Jahr der Stroemfeld-Verlag Insolvenz an, Weissbooks schlüpfte bei Kollegen in Zürich unter, und Frankfurts größter Verlag S. Fischer spart nach schweren Verlusten, indem er nicht mehr rund 500, sondern nur noch etwas mehr als 300 neue Titel produziert. Zuletzt musste im Frühsommer die 2013 aus der Innenstadt in eine Randlage verdrängte Buchhandlung Carolus schließen. Verleger und Buchhändler sind trotzdem optimistischer als in den vergangenen Jahren.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wir können uns überhaupt nicht beschweren“, sagt Monika Rieth, Geschäftsführerin des Ypsilon Buchladens im Frankfurter Nordend. Der Umsatz steige, die Kundenzahl bleibe stabil. Ihre Beobachtungen entsprechen den Zahlen für ganz Deutschland. Um 2,9 Prozent ist der Umsatz sämtlicher Verlage und Buchhandlungen in den ersten acht Monaten dieses Jahres gestiegen. Der in Frankfurt ansässige Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der die Buchmesse ausrichtet, verzeichnet darüber hinaus mehr Absatz: Gestiegen ist seit Januar auch die Zahl der verkauften Bücher – um 0,4 Prozent. Nicht viel, aber nach der im Herbst 2017 gemachten Entdeckung, dass die Branche in den Jahren zuvor rund sechs Millionen Buchkäufer verloren hatte, ist die Zahl ein willkommenes Signal dafür, dass der Umsatz nicht nur durch höhere Preise gehalten oder erhöht werden kann, sondern auch durch die Nachfrage nach der Ware selbst. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat im Auftrag des Börsenvereins ermittelt, dass im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2011 auch die Zahl der Buchkäufer wieder gestiegen ist. Sie wuchs um ein Prozent auf 29,9 Millionen. Der Buchmarkt entwickele sich derzeit recht gut, sagt Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller: „Es gelingt uns, wieder näher an den Lesern zu sein.“

          Jugendliche gehen an das Smartphone verloren

          Bei Ypsilon passen Laden, Angebot und Käufer sehr genau zueinander. „Das Sortiment läuft gut“, sagt Rieth. Das gilt sogar für die umfangreiche Backlist, nach der die Kunden verlangten. Sie wollten mehr als nur Aktuelles: „Wir sind ein bisschen wie eine Bibliothek.“ Das Nordend sei allerdings auch ein Stadtteil, in dem besonders viel gelesen werde. Zudem helfe ihr und ihren Kollegen, dass die Geschäftsräume ihnen gehörten: „Lange Jahre abbezahlt.“ Steigende Mieten in guter Lage, auch für andere Zweige des Einzelhandels eine wachsende Gefahr, können Ypsilon daher nichts mehr anhaben. Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren seien als Kunden tatsächlich an das Smartphone verlorengegangen, sagt Rieth: „Die sind völlig verschwunden.“ Sie hat inzwischen aber auch die Umkehr des Trends festgestellt: „Als Studenten kommen sie wieder.“

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