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Zukunft des Buchhandels : Wenn das Schlimmste schon geschehen ist

Dass die Branche es inzwischen mit vielen Kunden zu tun hat, die sich bei Youtube informieren und von Netflix und Amazon unterhalten lassen, wo man praktischerweise auch gleich noch Bücher bestellen kann, sieht auch Barbara Hammes so. „Zum Glück gerät die Branche langsam in Bewegung“, sagt die Leiterin der Buchhandlung Hugendubel an der Frankfurter Hauptwache. Auf ihr „breites und tiefes“ Sortiment ist sie ebenso stolz wie Rieth auf das ihre. Die gutbesuchte Filiale habe viele Stammkunden und biete ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm. „Wir wissen genau, was wir unserem Publikum bieten müssen.“ Darauf komme es in Zukunft an: „Noch mehr auf die Kunden zugehen, im Internet und im Laden.“

Immerhin gibt es nach wie vor Kunden, die von sich aus kommen. „Meine Stimmung ist ausgesprochen positiv“, sagt der Verleger Klaus Schöffling: „Dem Verlag geht es besser als im vergangenen Jahr.“ Und die Branche als Ganzes habe sogar die Pleite des wichtigen, erst nach einigen Monaten von einem Investor übernommenen Zwischenbuchhändlers KNV weggesteckt. Sein Kollege Joachim Unseld hat eine Erklärung. Der Leiter der Frankfurter Verlagsanstalt ist im Börsenverein jahrelang Sprecher der Publikumsverlage gewesen und bestens vernetzt. Er sagt, die Verlage hätten die Digitalisierung besser bewältigen können als der zuerst und sehr viel schwerer getroffene Handel: „Das Schlimmste haben wir hinter uns.“ Das hebe die Stimmung: „Seit einiger Zeit ist klar, dass wir überleben werden. Und darum ist die Lage gut.“

Gewiss, der Kuchen sei kleiner als in den achtziger und neunziger Jahren: „Aber wir haben uns darauf eingestellt.“ Das sieht auch Stefanie Brich so. Die Geschäftsführerin des Börsenvereins im Land Hessen hält Kontakt mit vielen der knapp 60 Frankfurter Verlage und gut 70 Buchhandlungen. Aber sie warnt: „Die finanzielle Basis vieler Buchhandlungen und Verlage ist eng.“ Da kann die nächste Krise eines Unternehmens an Details liegen. Die Post hat das Porto erhöht und denkt über die Abschaffung der Briefsendung nach, der Zwischenbuchhändler Libri hat vor kurzem schwerverkäufliche Titel kleiner Verlage aus dem Angebot genommen. So etwas reicht schon aus.

Anna Doepfner lässt sich davon nicht abschrecken. Reich werde mit dem Verkauf von Büchern niemand, sagt die Inhaberin der Buchhandlung „Bergen erlesen“ im Stadtteil Bergen-Enkheim: „Aber ich kann gut davon leben.“ Das liegt vermutlich auch daran, dass sie seit der Übernahme ihres Geschäfts im April 2016 sparsam gewesen ist und erst in diesem Jahr eine Teilzeitkraft eingestellt hat. Aber es liegt auch am Kümmern um die Käufer. Doepfner hat einen Lesekreis gegründet: „Er wird sehr gut angenommen.“ Auf der Buchmesse übernimmt sie den Buchverkauf am Stand des Fischer-Verlags. Leser können diesmal schon am Messesamstag Bücher kaufen: „Das wird extrem.“ Tatsächlich könnte es voll werden. Der Kartenvorverkauf für die drei Fachbesuchertage und das Publikumswochenende liegt nach Angaben einer Buchmessensprecherin deutlich über dem des Vorjahrs.

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